Dieser Horror-Klassiker zählt zum kleinen, erlesenen Kreis an Vertretern seines Genres, die bei den Academy Awards in einer Schauspielkategorie triumphiert haben. Zudem punktet er mit einfallsreich eingefädelten Trickeffekten – und es ist ein kleines Wunder, dass er heute noch existiert. Denn in den frühen 1940ern wurde angeordnet, dass sämtliche Kopien dieses Films zerstört werden!
Erfreulicherweise wurde dieser Befehl schlampig ausgeführt, sodass wir heute noch in den Genuss von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ mit Oscar-Preisträger Frederic March kommen. Im deutschen Heimkino wurde das stark gespielte Schauerstück auf Basis der Novelle „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ von Robert Louis Stevenson bislang aber lieblos behandelt: Die einzige Veröffentlichung des Films erfolgte im VHS-Zeitalter.
Das ändert sich allerdings in wenigen Monaten: Am 1. Oktober 2026 erscheint „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ erstmals in Deutschland auf DVD und Blu-ray!
Der Horror-Klassiker firmierte hierzulande auch unter den Alternativtiteln „Arzt und Dämon“ und „Das Phantom von London“. Die hiesige Erstauswertung des Films auf DVD und Blu-ray erfolgt durch das Label Filmjuwelen, das als Extras einen Audiokommentar von Filmhistoriker Dr. Rolf Giesen und ein digitales Booklet angekündigt hat.
Darum geht es in "Dr. Jekyll und Mr. Hyde"
Das Viktorianische London: Der gütige, angesehene Arzt und Universitätsdozent Dr. Henry Jekyll (Frederic March) hat den Plan, durch ein Serum das Böse vom Guten in der menschlichen Seele zu trennen. Bei einem Selbstversuch gelingt ihm dies eines Tages, wenngleich anders als geplant: Er spaltet seine Persönlichkeit auf und kreiert somit seine kriminelle, garstige Identität des Mister Hyde...
Ein Horror-Klassiker, der zwei Mal ins Visier genommen wurde
„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ entstand während einer Übergangsphase in Hollywood: Die Dreharbeiten fanden statt, bevor sich die US-Filmindustrie eine Reihe an strengen, inhaltlichen Vorschriften auferlegte. Diese als Production Code oder Hays Code bekannte Selbstzensur wurde jedoch schon in einer sehr frühen Form ausgeübt, als die Arbeit des späteren „Seidenstrümpfe“-Regisseurs Rouben Mamoulian in die Kinos kam.
Bei seiner US-Erstausführung 1931 stach der Horrorfilm daher aufgrund anzüglicher Elemente und der sexuell forschen Nebenfigur der Barsängerin und Prositituierten Ivy Pierson (Miriam Hopkins) aus der Masse hervor. Wenige Jahre später, nachdem der Code quasi eine erdrückende Pflicht darstellte, wurden für eine Wiederaufführung jedoch rund zehn Minuten aus dem Film geschnitten – glücklicherweise konnten diese seither restauriert werden.
Das war jedoch ein Klacks dagegen, was die Stevenson-Adaption 1941 ereilen sollte: MGM arbeitete an einer erneuten Verfilmung des Stoffs, die sich zugleich an der von Paramount produzierten Filmversion von 1931 bediente. Dazu sicherte man sich die Rechte am Film der Konkurrenz und ordnete an, sämtliche Kopien ausfindig zu machen und zu zerstören. Über 25 Jahre lang kursierte die Sorge, dass Mamoulians „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ verloren ging, bis Filmhistoriker William K. Everson 1966 eine Kopie auftat.
Von den Academy Awards gewürdigt
Bei den Academy Awards gewann „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ den Oscar in der Sparte „Bester Hauptdarsteller“, was den früher kaum beachteten March karrieretechnisch nach vorne katapultierte und zu einem gefragten Mimen machte. Darüber hinaus sicherte sich der Horrorfilm Nominierungen in den Sparten „Bestes adaptiertes Drehbuch“ (Percy Heath & Samuel Hoffenstein) und „Beste Kamera“ (Karl Struss).
Neben den stimmungsvollen Bildern und dem wirksamen Ansatz, die Idee einer gespaltenen Persönlichkeit emotional aufwühlend im realen Schrecken häuslicher Gewalt zu verankern, bleiben die Effekte in Erinnerung. Denn die Transformation von Jekyll zu Hyde kommt oftmals ohne Schnitt aus – ein erstaunlicher Trick, der so nur im Schwarz-Weiß-Kino möglich war:
March trug buntes Make-Up, und durch den Einsatz von farbigen Filtern vor den Lichtern am Set war es möglich, genau zu steuern, welche Segmente der Effektschminke später auf Film sichtbar sind und welche nicht. Simpel und clever zugleich! Einen mit moderneren Mitteln getricksten Horrorfilm empfehlen wir euch derweil im folgenden Artikel:
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