Disney und Universal sind nicht bloß Konkurrenten, wenn es um Film und Fernsehen geht: Beide Unternehmen befinden sich obendrein mit ihren Themenparks in einem erbitterten Wettstreit um Anerkennung und Ticketverkäufe. Dieses Buhlen konnte in den 1960ern aber niemand vorhersehen, weil Disney im Themenpark-Sektor allein auf weiter Flur stand.
Diesem Umstand haben wir es zu verdanken, dass es 1962 zu einem Film kam, der so heute wohl kaum entstehen würde: Universal brachte mit „Ein Rucksack voller Ärger“ eine Komödie ins Kino, in der Hollywood-Ikone Tony Curtis Disneyland besucht – anfangs ganz gemächlich, bis eine Verfolgungsjagd ausbricht!
Diese Sequenz dauert fast 20 Minuten und macht die Komödie dank kunterbunter Eastman-Color-Aufnahmen einer frühen Ära des ikonischen Themenparks zum außergewöhnlichen Muss für Disney-Fans. Doch auch Filmbegeisterte, die leichtfüßig-sentimentale Späße für die ganze Familie lieben, in denen auch ein paar schnippische Sprüche vorkommen, werden abgeholt. Und diese Woche ist „Ein Rucksack voller Ärger“ erstmals in Deutschland fürs Heimkino erschienen!
Darum geht es in "Ein Rucksack voller Ärger"
Steve McCluskey (Tony Curtis) mag es unkompliziert: Der Casino-Manager liebt Ordnung, Pünktlichkeit, gute Geschäfte und ein Privatleben ohne Verpflichtungen. Dass eines Tages ein Spielsüchtiger ausgerechnet in Steves Lake-Tahoe-Casino seine Tochter Penny (Claire Wilcox) zurücklässt, wirkt also fast wie eine gezielte Attacke des Schicksals auf den überzeugten Einzelgänger.
Nun muss er sich um den gewieften Wirbelwind kümmern, wodurch sich Steves Dynamik zur warmherzigen Sängerin Chris Lockwood (Suzanne Pleshette) wandelt. Das bekommt Penny mit, die sich in die Idee verbeißt, Steve und Chris zu verkuppeln. Nur ein Wunsch hat für Penny höhere Priorität: Sie will mit ihren Ersatzeltern nach Disneyland! Doch das bedeutet, dass Steve nach Kalifornien müsste, wo er aufgrund seiner Vergangenheit angreifbar ist...
Ein kleiner Freundschaftsdienst von Walt Disney
„Ein Rucksack voller Ärger“ entstand sechs Jahre nach der Eröffnung des Ur-Disneylands. In dieser Zeit erreichten Walt Disney über 20 Anfragen von Mitbewerbern, dort drehen zu dürfen – sie alle wurden abgelehnt. Als „Manche mögen's heiß“-Star Curtis und sein Geschäftspartner Stanley Margulies das Drehbuch zu ihrer Komödie einreichten, erhielten sie jedoch nur drei Tage später grünes Licht.
Disney-Historiker Sam Gennawey verrät in „Universal Versus Disney: The Unofficial Guide To American Theme Parks' Greatest Rivalry“*, wie es dazu kam: Der Grund, dass Disney eine Ausnahme machte, war seine bis in die 1930er zurückreichende Freundschaft zum Geschäftsmann und früheren Augenarzt Jules C. Stein.
Stein war einer der Ersten, die sich an der Finanzierung von Disneyland beteiligten, Disney wiederum spendete viel Geld an Steins Stiftung, die sich der Prävention von Blindheit verursachenden Erkrankungen widmete. Nachdem Universal Pictures von Stein übernommen wurde, wollte Disney seinem Freund einen Gefallen tun. Und ein Curtis-Vehikel, das teilweise in Disneyland spielt und somit ein besonderes Alleinstellungsmerkmal hat, war genau die Art Gefallen, die Disney zusagte.
Onkel Walt war nicht erfreut
Wie MousePlanet berichtet, war Walt Disney allerdings davon gefrustet, wie viele Fehlinformationen sich ins „Ein Rucksack voller Ärger“-Presseheft schlichen. Auch die kreative Freiheit, mit der Disneyland im Film dargestellt wird, war ihm ein Dorn im Auge: Einige Filmpassagen ergeben geografisch keinen Sinn, und mehrere Attraktionen werden aus dramaturgischen Gründen zusammengelegt.
Hübsch inszeniert ist der Disneyland-Besuch in „Ein Rucksack voller Ärger“ dennoch, und Regisseur Norman Jewison ließ sich bei seinem Kino-Debüt einige spaßige Kleinigkeiten für die Verfolgungsjagd einfallen. Allein schon das Bild, wie Tony Curtis mit verwirrtem Gesichtsausdruck vor der Disney-Eisenbahn davonrennt, ist Gold wert. Einen historisch genauen Blick auf die Disneyland-Frühzeit findet ihr derweil auf Disney+:
Filmhistorisch bemerkenswert ist zudem, dass dem „Ein Rucksack voller Ärger“-Team etwas gelungen ist, das sich ein Thriller-Meister vergeblich vornahm. Denn neben Jewison, der später namhafte Klassiker wie „In der Hitze der Nacht“, „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ und „Rollerball“ inszenierte, wollte auch Alfred Hitchcock im Disneyland drehen.
Doch obwohl Hitchcock mit Walt Disney befreundet war, bekam der „Psycho“-Macher eine Abfuhr verpasst. Die Hintergründe dessen, und wovon Hitchcocks Disneyland-Film gehandelt hätte, erfahrt ihr in unserem folgenden Artikel:
"Widerlich": Dieser legendäre Regisseur wollte einen Horrorflm im Disneyland drehen*Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.