Obwohl sich sogar "Deadpool 2" vor ihm verneigt: Dieser preisgekrönte Klassiker ist in Deutschland viel zu unbekannt – jetzt feiert er Blu-ray-Premiere
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In Deutschland genießt „Yentl“ leider nicht denselben Stellenwert wie in den USA. Aber wenigstens gelingt dem bewegenden, feinfühligen Musicaldrama von und mit Barbra Streisand endlich der Sprung ins HD-Zeitalter!

Es ist ein bewegendes Musicaldrama über Liebe, Glauben, gesellschaftlich auferlegte Geschlechterrollen und Identitätsfragen: „Yentl“ führt kraftvoll vor, was für ein Regie-, Schauspiel- und Gesangstalent Barbra Streisand ist. Und zumindest in den USA ist der mit einem Oscar für die beste Musik preisgekrönte und in drei weiteren Kategorien nominierte Film derartiges Popkultur-Allgemeingut, dass selbst der Superhelden-Blockbuster „Deadpool 2“ auf ihn zurückgriff.

Denn in der ironischen, derben Marvel-Actionkomödie ergreift der Titelheld für „Yentl“ Partei, indem er die These aufstellt, dass der Disney-Animationsblockbuster „Die Eiskönigin“ eine Melodie aus dem Streisand-Klassiker geklaut hat. Entscheidet selbst, ob er richtig liegt: Am 18. September 2026 erscheint „Yentl“ erstmals in Deutschland auf Blu-ray!

„Yentl“ feiert seine deutsche Blu-ray-Premiere in Form eines 2-Disc-Mediabooks, das außerdem eine DVD des Films sowie ein Booklet umfasst.

Darum geht es in "Yentl"

Yentl (Barbra Streisand) ist ein jüdisches Mädchen aus Osteuropa. Ihr Vater unterrichtete sie bis zu seinem Tod heimlich in den Weisheiten des Talmud, obwohl dieses eigentlich Männern vorbehalten sind. Nach dem Verlust ihres gütigen Vaters will Yentl ihm zu Ehren an einer Religionsschule studieren, wofür sie sich allerdings als Mann verkleiden muss. Dummerweise verliebt sie sich dort in ihren Kommilitonen Avigdor (Mandy Patinkin), der wiederum vorhat, Hadass (Amy Irving) zu ehelichen – die sich derweil in die verkleidete Yentl verguckt ...

Spielberg sagt: "Das beste Regiedebüt seit 'Citizen Kane'"

Ein Liebesdreieck, eine um ihren Vater trauernde Protagonistin, eine komplexe Betrachtung des Themas Religion und eine mit leiser Eindringlichkeit geäußerte Anklage erdrückender Genderkonventionen: Streisand suchte sich für ihr Kino-Regiedebüt einen schweren Stoff auf Basis des Schriftstellers Isaac Bashevis Singer aus – und erhielt prompt enormes Lob von großem Regieadel.

Nach der Veröffentlichung von „Yentl“ lobte Steven Spielberg das von langen, wehmütigen Einstellungen durchzogene Musicaldrama als „das beste Regiedebüt seit 'Citizen Kane'“. Auch die meistrespektierten Namen in der US-Filmkritik waren voll des Lobes, darunter Pauline Kael und Roger Ebert, die „Yentl“ für seinen filmhandwerklichen Zauber, sein Taktgefühl und seinen beiläufigen Humor lobten.

Es gab aber auch kritischere Stimmen – so wurde und wird zuweilen an „Yentl“ bemängelt, dass die Songs zu ähnlich klingen würden. Das hat allerdings Methode: Alan & Marilyn Bergman wollten sich daran orientieren, wie die Lektionen des Talmuds vermittelt werden – Schritt für Schritt mit steten Rückgriffen auf die vorhergegangenen Weisheiten. Daher entwickelt sich das melodische Vokabular von „Yentl“ schleichend und ist reich an mal subtileren, mal deutlicheren Verweisen auf vorherige Lieder.

An diesen Ansatz muss man sich vielleicht erst gewöhnen, unübersehbar ist dafür, welches Gespür Streisand als Darstellerin und Regisseurin für das Transportieren von Verlangen, Reue und erzwungener Zurückhaltung hat: Die heruntergeschluckte Lust wird in „Yentl“ mit einer beeindruckenden Melange aus Schuldgefühlen, Aufmüpfigkeit, Kummer und situativer Freude vermittelt. Das macht „Yentl“ zu einem beeindruckend-paradoxen Film, der zwar sanft und in sich gekehrt, zugleich aber auch voller Begehren und reich an Expressivität ist.

Einen aktuelleren Film über Verlangen und gesellschaftliche Einschränkungen stellen wir euch indes in unserem folgenden Artikel vor:

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Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Ob Showtunes im Broadway-Stil, zuckersüße Teenie-Pop-Revue oder bluttriefende Rock-Party: Sidney hat eine Schwäche für Musicals, die ihn bereits durch allerlei cineastische Höhen und Tiefen geführt hat.
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