Neu auf Netflix: Eine Popikone muss zum Militär – und zwei Hollywood-Stars wollen daraus Profit schlagen!

Wenn der größte Teenieschwarm der Musikwelt eingezogen wird, bleibt seinem Songschreiber nichts übrig, als mit einem letzten Song die Kassen zu füllen: Ab sofort könnt ihr ein kunterbuntes Musical mit Stars aus „Mary Poppins“ und Psycho“ streamen.

Columbia Pictures / Netflix

Es ist ein Thema, das regelmäßig K-Pop-Fans beschäftigt – und einst eine ganze Generation an Teenies in Aufruhr versetzt hat: Der Karrieren zwangspausierende Militärdienst. Bevor er zur Zäsur in K-Pop-Biografien führte, ereilte einst den King of Rock'n'Roll. Und dass Elvis Presley seine schillernden Outfits und die Gitarre bei Seite legen musste, erschütterte die damalige Jugendkultur derart, dass dieses Ereignis einfach durch den Kakao gezogen werden musste!

So entstand „Bye Bye Birdie“, eine knallbunte Musicalkomödie mit satirischem Anstrich, in der Hollywood-Stars verschiedener Generationen aufeinanderprallen, sich über das TV- und Musikbusiness lustig machen und massig Zeitkolorit atmen. Ab sofort ist „Bye Bye Birdie“ mit dem ikonischen „Mary Poppins“-Nebendarsteller Dick Van Dyke und „Psycho“-Star Janet Leigh bei Netflix abrufbar!

Darum geht es in "Bye Bye Birdie"

Schock! Der von Teenies umschwärmte Musik-Superstar Conrad Birdie (Jesse Pearson) wird zum Militärdienst eingezogen und steht daher vor einer Karriere-Zwangspause. Seine Fans sind am Borden zerstört, vor allem die zahlreichen Mädchen und jungen Frauen, die von einer Beziehung mit ihm träumen. Nur ein Mensch ist noch deprimierter: Albert Peterson (Dick Van Dyke), Birdies Songschreiber, der um seinen Lebensunterhalt bangt und daher auch um seine romantische Zukunft mit seiner Assistentin Rosie DeLeon (Janet Leigh).

Rosie hat allerdings eine rettende Idee: Albert soll Birdie mit „One Last Kiss“ einen neuen Song präsentieren. Wenn der in der quotenstarken „Ed Sullivan Show“ dargeboten wird und Birdie einem weiblichen Fan dabei einen symbolischen Abschiedskuss gibt, ist der Reibach garantiert – erst recht, wenn man zuvor Birdies glückliche Bühnenpartnerin im Rahmen eines medienwirksamen Wettbewerbs sucht.

Gesagt, getan! Und mit Kim McAfee (Ann-Margret) wurde ein begeisterungsfähiges, telegenes Mädchen gefunden, das sich auf Birdies Schmatzer freuen darf. Diese Aussicht erzürnt allerdings Kims eifersüchtigen Freund Hugo (Bobby Rydell) und ihren besorgten Vater Harry (Paul Lynde), die Kims Auftritt verhindern wollen. Als Rosie und Albert davon Wind bekommen, schalten sie sich ein...

Aus einem satirischen Theaterstück wurde ein bunt-froher Musicalfilm

„Bye Bye Birdie“ basiert auf dem gleichnamigen Bühnenmusical, das 1960 aus der Perspektive überfragter Erwachsener auf Elvis Presley und Teenie-Fankultur blickt. Der drei Jahre später veröffentlichte Kinofilm verschiebt den Fokus: Albert und Rosie, die auf der Bühne die unbestrittenen Hauptfiguren waren, rücken wiederholt zu Gunsten von Kim, ihrer Liebesbeziehung und ihrer Entwicklung vom naiven Mädel zur selbstbewussten, jungen Frau in den Hintergrund.

Das lässt sich einerseits darauf zurückführen, dass innerhalb dieser drei Jahre die durch den Hype um Elvis und die Beatles veränderte Jugendkultur mächtiger (und wirtschaftlich reizvoller) wurde. Andererseits liegt diese Verschiebung des Schwerpunkts daran, dass Regisseur George Sidney („Pal Joey“) von Kim-Darstellerin Ann-Margret vollauf begeistert war und ihr zum Durchbruch verhelfen wollte.

Dass mit der heißen Nadel aus dem Theaterstoff etwas Neues geformt wurde, ist „Bye Bye Birdie“ anzumerken: Es gibt mühselige, dramaturgische Übergänge, wann immer der Fokus von der einen zur anderen Generation wechselt. Und der satirische Biss, mit dem der Popmusik-Medienzirkus und die Eigendynamik von Teenie-Phänomenen eingangs attackiert werden, geht zuweilen völlig verloren, um Platz für eine Verneigung vor den Eigenheiten der Jugendkultur in den 1950ern/1960ern zu machen.

Eine Newcomerin wird zum Star und Dick Van Dyke bezaubert ganz wie von ihm gewohnt

Diese Schwächen an „Bye Bye Birdie“ werden durch den von George Sidney mit fähiger Hand abgefeuerten Pomp gemildert: Die hübschen Kostüme und Sets sind farbenfroh und die von Onna White („Elliot, das Schmunzelmonster“) entwickelten Choreografien haben Pep, Witz sowie Charme. Obendrein finden Kameraführung sowie Schnitt eine makellose Balance zwischen Theatralik, die das tänzerische Können festhält, und filmischer Dynamik – inklusive prägnant eingesetzter, butterweicher Kranfahrten für einen kecken Extraschuss Megalomanie.

Und dann ist da noch das turbulente, an chaotische Disney-Realfilmkomödien früherer Dekaden erinnernde Slapstickfinale am Set der „Ed Sullivan Show“, das auf fabelhaft-unverschämte Weise albern ist und zugleich diffizile Ballettkunst vorführt. Während Jesse Pearson als Conrad Birdie in all dem Trubel untergeht (kaum zu glauben, dass zunächst geplant war, Elvis persönlich die Rolle zu geben), schwankt Ann-Margret gewinnend vom aufgescheuchten, leichtgläubigen Fangirl zur selbstbestimmten, gewieften Jugendlichen: Kein Wunder, dass „Bye Bye Birdie“ sie 1963 zum neuen It-Sternchen Hollywoods gemacht hat.

Die bezauberndste Sequenz des Films gehört aber Dick Van Dyke. In der Musicaleinlage „Put On A Happy Face“ sind es liebenswert-simple Trickeffekte, seine gütig-gewitzte, authentisch-herzliche Ausstrahlung allein, die auftrumpfen. Und das genügt für eine komische, lebensfrohe Gesangs- und Tanzeinlage, die verlässlich ein Lächeln aufs Gesicht zaubert.

Und einen noch viel lustigeren Film, der den US-Zeitgeist während des Übergangs von den 1950ern zu den 1960ern einfängt, stellen wir euch im folgenden Artikel vor:

Einer der größten Hollywood-Stars seiner Zeit ist hier voll in seinem Element: Jetzt gibt es den genialen Klassiker erstmals in 4K
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Ob Showtunes im Broadway-Stil, zuckersüße Teenie-Pop-Revue oder bluttriefende Rock-Party: Sidney hat eine Schwäche für Musicals, die ihn bereits durch allerlei cineastische Höhen und Tiefen geführt hat.
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