Von Anfang bis Mitte der 1960er-Jahre stellte eine Frau sämtliche ihrer Hollywood-Kolleginnen in den Schatten: Doris Day war für diesen Zeitraum die ungekrönte Königin der US-Traumfabrik. Solch eine Erfolgsserie kommt selbstredend nicht von ungefähr: Schon 1959 bestach die charismatische Mimin mit einer umjubelten Hit-Komödie, die sich zum zeitlosen Klassiker mauserte und zur Blaupause für Days filmische Folgejahre.
In „Bettgeflüster“ bewies Doris Day an Seite ihres begnadeten Schauspielkollegen Rock Hudson, wie mühelos sie eine Brave-Frau-Ausstrahlung mit neckischem Humor und beiläufig-gewinnend vermittelten, gegen den Status Quo aufmuckenden Überzeugungen zu vereinen verstand. Und ab jetzt kann man den sanft-lüsternen Glimmer in den Augen der von Hudson und Day verkörperten, gutmütigen Figuren noch besser erkennen. Denn diese Woche hat „Bettgeflüster“ seine deutsche 4K-Premiere im Heimkino gefeiert!
Darum geht es in "Bettgeflüster"
New York: Die selbstständige Innenarchitektin Jan Morrow (Doris Day) ist Single, erfolgreich und rundum glücklich. Bloß, dass sie sich wegen technischer Störungen die Telefonleitung mit dem Lebemann und Broadway-Komponisten Brad Allen (Rock Hudson) teilen muss, frustriert sie. Denn deshalb muss sie unentwegt mitanhören, wie Brad schnulzige, verlogene Gespräche mit seinen ständig wechselnden Partnerinnen führt.
Als Jan ihn darauf anspricht, wirft Brad ihr barsch vor, bloß eifersüchtig zu sein. Bald darauf lernen sie sich in einem Nachtclub erstmals in Person kennen – ohne zu bemerken, dass sie sich akustisch bereits alles andere als fremd sind. Gefühle kochen daraufhin über und Ereignisse überschlagen sich...
Die zarteste Filmprovokation der 1950er
Das von Stanley Shapiro & Maurice Richlin („Unternehmen Petticoat“) verfasste, mit einem Oscar ausgezeichnete Drehbuch zu „Bettgeflüster“ ist ein wahres Wunderwerk: Es ist reich an Doppeldeutigkeiten und frivolen Missverständnissen, die sich an die engen moralischen Vorschriften halten, die sich Hollywood damals auferlegt hat. Allerdings wird sich so häufig und penetrant an die Grenzen des sogenannten Hays Codes herangetastet, dass „Bettgeflüster“ klar als Verballhornung dieses arbiträren und schon damals veralteten Kodex zu verstehen ist.
Gleichwohl artet dies dank der liebenswerten Charakterisierung der Protagonistin und der unschuldig-wohligen Szenarien rund um die Zweideutigkeiten nie angestrengt-streitlustig aus: In Kombination mit den bildhübschen Pastellfarben, in die das Geschehen gehüllt ist, und der unbeschwerten Art, mit der Regisseur Michael Gordon („Eine zuviel im Bett“) Jans und Brads Eskapaden inszeniert, ergibt sich somit ein ungeheuerlich reizvolles, zu den gegensätzlichen Hauptfiguren passendes Paradoxon: „Bettgeflüster“ ist die zarteste Filmprovokation der 1950er.
Diese Widersprüchlichkeit intensiviert den Spaßfaktor ungemein! Es ist eine enorme Gaudi, zu sehen, wie unschuldig die Zoten sind und wie zotig die Unschuld in „Bettgeflüster“ dank unzähliger, kreativer, famos umgesetzter Ideen gerät – etwa, wenn geschickt gesetzter Split Screen Jan und Brad physisch trennt, aber dennoch indirekt gemeinsam baden lässt.
Universal Pictures
„Bettgeflüster“ besticht aber nicht bloß mit begnadeten Dialogen sowie brillanten, visuellen Pointen und einem pointiert-pastellfarbenen Setdesign. Er bezirzt zudem mit wundervollen Kostümen des „Gilda“-Designers Jean Louis, bestechenden Frisuren, mit denen Larry Germain schon Ende der 1950er-Jahre geschmackvoll-ausgefallenen 1960er-Schwung vorwegnahm, sowie Frank De Vols den Tonfall des Films punktgenau treffenden Melodien.
All dies unterstreicht die Komik des Films ebenso beiläufig wie effektiv, weshalb „Bettgeflüster“ oftmals als eine der lustigsten Hollywood-Produktionen aller Zeiten bezeichnet wird – auch der Verfasser dieses Artikels ist glühender Fan und kann ihn euch daher nur wärmstens ans Herz legen. Und wenn ihr danach zur Abwechslung einen mindestens genauso komischen, europäischen Film sehen möchtet, befolgt doch auch diesen Tipp:
Dieses beispiellose Auftragskiller-Highlight wird euch überraschen: Kultfilm feiert endlich seine Premiere im Heimkino*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.