Würdet ihr bei Wind und Wetter fast 8.000 Kilometer auf einem primitiven Holzfloß über den Pazifischen Ozean schippern, nur um es euren Kolleg*innen mal so richtig zu zeigen? Auf keinen Fall? Ich natürlich auch nicht. Der norwegische Forscher Thor Heyerdahl tat im Jahr 1947 allerdings genau das. Und heute möchte ich euch den aufwändig gemachten Spielfilm über dieses atemberaubende Abenteuer vorstellen: „Kon-Tiki“.
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Das ist die Story von "Kon-Tiki"
1947: Der junge Wissenschaftler Thor Heyerdahl (Pål Sverre Hagen aus „Einer nach dem anderen“) hat sich vorgenommen, mit einem selbstgebauten Floß aus Balsahölzern von Peru aus in Richtung Westen auf den Pazifischen Ozean hinauszufahren. Der Norweger sieht diese immens riskante Forschungsreise als einzige reale Chance an, eine revolutionäre Theorie zu beweisen. Denn seiner Meinung nach waren es südamerikanische Ureinwohner, die bereits vor 1.500 Jahren als Erste Polynesien besiedelten – und zwar genau mithilfe solcher Flöße.
Um sich gegen die gesamte, ihn verlachende Fachwelt zu stellen, ist er bereit, sein Leben aufs Spiel zu setzen. Fast 8.000 Kilometer will der Nichtschwimmer (!) auf dem primitiven Gefährt zusammen mit einer fünfköpfigen Crew über das offene Meer segeln. Ganz bewusst ohne jegliche moderne Ausrüstung ist das „Kon-Tiki“ getaufte Floß tagtäglich den monströsen Wetterbedingungen und anderen Naturgewalten ausgesetzt – ein selbstmörderisches Himmelfahrtskommando?
Thor Heyerdahl – Held oder lebensmüde?
Als jüngerer Teenager war ich geradezu besessen von historischen, aber auch gegenwärtigen Wissenschaftler*innen, die bis an ihre körperlichen Grenzen und darüber hinausgingen, um den Geheimnissen unserer Welt auf die Spur zu kommen. Damit meine ich Polarfahrer wie Roald Amundsen und Robert Falcon Scott, Bergsteiger vom Schlage Reinhold Messners, die Gorilla- beziehungsweise Schimpansen-Forscherinnen Dian Fossey und Jane Goodall oder den König der Unterwasserentdecker Jacques Cousteau.
Eine besondere Faszination hegte ich für den norwegischen Ethnologen, Archäologen und Anthropologen Thor Heyerdahl, seit ich eines verregneten Sonntagnachmittags eine von ihm selbst erstellte Schwarzweiß-Doku über seine verrückt anmutende Expedition im TV gesehen hatte. Für mich war der Mann umgehend ein Held. Ich kaufte mir seinen Erlebnisbericht „Kon-Tiki: Ein Floß treibt über den Pazifik“ sowie ein paar weitere Bücher über ihn, die ich geradezu verschlang. Schon damals hoffte ich darauf, irgendwann vielleicht eine große Verfilmung des Unternehmens erleben zu können.
Es sollte noch viele Jahre dauern, bis ich Anfang 2013 endlich den aufwändig gemachten „Kon-Tiki“ im Hamburger Passage-Kino sah. Doch das Warten hatte sich wirklich gelohnt. Der bis heute teuerste Film der norwegischen Filmgeschichte bietet alles, was ich mir als junger Kino- und Historien-Enthusiast erhofft hatte, und noch mehr. Die Regie des für den Fremdsprachenoscar nominierten Spektakels übernahmen Joachim Rønning und Espen Sandberg („Max Manus“). Aufgrund seiner Inszenierung dieses Films durfte das Duo fünf Jahre später den globalen Blockbuster „Pirates Of The Caribbean 5: Salazars Rache“ realisieren.
„Kon-Tiki“ schafft es, uns in die stoische Psyche und Gedankenwelt Heyerdahls eindringen zu lassen. So verstehen wir, was ihn dazu trieb, sich auf diese nicht nur in Bezug auf seine Finanzen potenziell ruinöse, sondern buchstäblich lebensbedrohliche Expedition einzulassen. Der Film erlaubt uns, mit den mal wunderschönen und erhabenen, dann angsteinflößenden Bildern von Chef-Kameramann Geir Hartly Andreassen („Chroniken der Unterwelt“) diesen unglaublich entbehrungsreichen Trip gefühlt hautnah nachzuerleben. Ich bin nach dem Genuss der knapp zwei Stunden jedes Mal regelrecht geschafft, mute mir das Ganze jedoch immer wieder gern zu.
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