Dieser stark gespielte Psycho-Thriller rechnet mit dem Rachekino ab – heute Abend ohne Werbung im TV

Komplexer erzählt und moralisch hintergründiger als das übliche Rachekino und zugleich ein fesselnder Slowburner, in dem ein einfaches Abendessen schon für aufgestellte Nackenhaare sorgt: Heute Abend läuft „Das Biest muss sterben“ im Free-TV.

Die Filmgeschichte ist reich an Selbstjustizthrillern und Rache-Action. Und weil es in diesen Produktionen häufig darum geht, dass ein wütender Mann sich zu Judikative und Exekutive in Personalunion ernennt und schwer bewaffnet das Urteil „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ fällt, ist diese Filmgattung seit jeher umstritten. Eine der stärksten Abrechnungen mit Selbstjustiz-Thrillern etwa kam schon 1969 in die Kinos, also fünf Jahre, bevor Rachekino-Ikone Charles Bronson erstmals rot sah:

Der französische Spitzenregisseur Claude Chabrol schuf mit „Das Biest muss sterben“ einen Psycho-Kriminalthriller über einen von Rachegedanken besessenen Mann, der ebenso spannend wie düster, pessimistisch, makaber, bizarr und anklagend ist. Nun läuft der hervorragend gespielte Klassiker wieder im Free-TV: Heute, am 3. August 2026, zeigt arte ab 20.15 Uhr „Das Biest muss sterben“. Der Thriller wird auch kurzfristig in der arte-Mediathek bereit gestellt und ist zudem via Amazon Prime Video abrufbar:

Darum geht es in "Das Biest muss sterben"

Die Bretagne in den späten 1960er-Jahren: Der verwitwete Schriftsteller Charles Thénier (Michel Duchaussoy) muss einen weiteren Schicksalsschlag verkraften. Denn ein rücksichtsloser, unvorsichtiger Autofahrer fährt Charles‘ Sohn Michel tot und begeht danach Fahrerflucht. Der gebrochene Autor kennt nur ein Ventil, um mit seinem Kummer umzugehen: Er schwört blutige Rache an dem Fahrer.

Um unerkannt an nähere Informationen über den Tathergang zu gelangen, sucht er Kontakt zur Schauspielerin Hélène Lanson (Caroline Cellier), die den Unfall beobachtet hat. Charles gibt vor, gerade an einem Drehbuch zu arbeiten und bahnt sich den Weg ins Herz der TV-Darstellerin. Im Zuge dessen lernt er Hélènes gesamte Familie kennen und erfährt nicht bloß die Identität des Unfallfahrers, sondern auch, dass es weitere Menschen gibt, die ihn tot sehen möchten...

Spannendes und komplexes Katz-und-Maus-Spiel

In einer zwischen langen Einstellungen, die uns in unbequemen Situationen verharren lassen, und desorientierenden, plötzlichen Schnitten wechselnden, elliptischen Erzählweise vertieft Chabrol konstant eine nur eingangs simpel anmutende Rachegeschichte. So ist der Unfallfahrer wesentlich faszinierender als der von Duchaussoy spröde verkörperte Protagonist, der moralisch immer weiter zerfällt.

Doch Chabrol macht es sich nicht so leicht, dass er den Schurken seines Films als sanftes Lamm enthüllt und somit die Rachepläne an ihm als verkommen schalt: Der Unfallfahrer ist allem zum Trotz ein wahres Charakterschwein – sadistische, lang eingefädelte Vergeltung ist halt nicht nur dann falsch, wenn sie einen milden, gütigen Menschen treffen soll.

Das Biest muss sterben
Das Biest muss sterben
Starttermin 16. November 2006 | 1 Std. 53 Min.
Von Claude Chabrol
Mit Michel Duchaussoy, Caroline Cellier, Jean Yanne
User-Wertung
3,4

Das hinter alltäglichen Situationen verborgene, bizarr ablaufende Katz-und-Maus-Spiel gerät daher nicht nur spannend und moralisch komplex, sondern ist zugleich eine Abrechnung mit geradlinigen Selbstjustiz-Narrativen: Hier fesseln keine Twists oder Kloppereien, sondern nuancierte Performances und der Einfallsreichtum, mit dem Chabrol und sein Schreibpartner Paul Gégauff immer wieder vermeintlich banale Alltagsmomente zum Psychokrieg zwischen den Figuren hochstilisieren.

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Heute Abend streamen: Diesen viel zu unbekannten Serienkiller-Thriller sollten vor allem "Sieben"-Fans gesehen haben!

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Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Schon in der Grundschule las er Kino-Sachbücher und baute sich parallel dazu eine Film-Sammlung auf. Klar, dass er irgendwann hier landen musste.
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