In den 1950ern und 1960ern klotzte nicht nur Hollywood mit Monumentalfilmen wie „Die zehn Gebote“ und „Ben Hur“: Auch europäische Studios setzten in diversen Mammutprojekten auf mehrere Jahrhunderte zurückliegende Settings, zahlreiche Kompars*innen sowie eine Mischung aus geschichtlichem Melodrama und in Actioneinlagen ordentlich rasselnden Klingen.
Der europäische Sandalenfilm erreichte zwar höchst selten den Aufwand der megalomanischen Hollywood-Epen, er erstaunt im Rückblick dennoch sehr oft mit der Masse an zur Schau gestelltem Kunsthandwerk und seiner Menge an durchs Bild wuselnden Menschen. Ein Vertreter dieses Genres wurde unter anderem vom namhaften Horrorregisseur Mario Bava („Im Blutrausch des Satans“) inszeniert und anfangs im deutschen Kino bloß gekürzt ausgewertet. Doch diese Woche ist „Die Schlacht von Marathon“ uncut erschienen – als deutsche Blu-ray-Premiere und DVD-Neuauflage.
Als Bonusmaterial enthalten sowohl die Blu-ray als auch die DVD einen Audiokommentar sowie die gekürzte Kinofassung des Films.
Darum geht es in "Die Schlacht von Marathon"
490 v. Chr.: Athen wird von außen durch das persische Heer bedrängt, im Inneren zersetzen wiederum die Intrigen mächtiger Männer die Ordnung. In diesem angespannten Klima steigt der gefeierte Athlet Philippides (Steve Reeves) zum Hoffnungsträger seines Volkes und zur Zielscheibe des Hasses aller Machtgierigen auf.
Zum Glück kann er auf Unterstützung durch Andromeda (Mylène Demongeot) und Miltiades (Alberto Lupo) zählen – doch die brachiale Schlacht um die Zukunft Marathons lässt sich nicht abwenden...
Mr. Universum und ein Horror-Regisseur machen Sandalenkino
Eigentlich wurde für „Die Schlacht von Marathon“ Hollywood-Prominenz an den Regiestuhl beordert: Der in Paris geborene Jacques Tourneur, der in Hollywood solch bahnbrechende Filme wie den Gruselklassiker „Ich folgte einem Zombie“ inszenierte und den prickelnden, doppelbödigen Film noir „Katzenmenschen“, den wir euch im folgenden Streamingtipp ausführlich vorgestellt haben:
Heute Abend streamen: Dieser stylische Thriller-Meilenstein ist makaber, finster und verflucht animalischTourneur verachtete jedoch das Genre des Sandalenfilms und ratterte das Projekt, zu dem er durch Vertragsklauseln verpflichtet war, desinteressiert herunter – bis es untragbar wurde. Tourneur und das Studio beriefen sich auf die berühmten „kreativen Differenzen“ und der Regiestuhl war wieder vakant. Daraufhin übernahmen der für das Drehbuch mitverantwortliche und als Produzent tätige Bruno Vailati („Der Gauner von Bagdad“) und Mario Bava die restlichen Regiepflichten.
Bava war ursprünglich bloß als Kameramann für den Sandalenfilm angeheuert, hatte aber bereits Regieerfahrung, da er schon bei „Der Vampir von Notre Dame“ vom Kameramann zum Regisseur aufstieg, nachdem sich auch dort der eigentliche Regisseur und die Produzenten zerstritten. Später verantwortete Bava als Regisseur so stylische Italo-Schocker wie „Blutige Seide“ und „Die toten Augen des Dr. Dracula“.
In Deutschland kam „Die Schlacht von Marathon“ 1960 um rund vier Minuten gekürzt ins Kino. 14 Jahre später erfolgte eine Uncut-Wiederaufführung der opulenten Materialschlacht mit dem früheren Mr. Universum Steve Reeves. Um einen Film mit einem anderen Ex-Bodybuilder geht es wiederum in unserem folgenden Heimkino-Tipp:
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