Im Laufe seiner Karriere inszenierte Andreï Tarkovsky nur sieben Spielfilme, doch das genügte, um ihm einen Ehrenplatz im Pantheon der am meisten respektierten Regisseure der Kinogeschichte zu sichern: Seine entschleunigten Auseinandersetzungen mit Glauben, (Un-)Menschlichkeit und Vergänglichkeit werden für ihre eindringlichen, herausragenden Bilder und ihre immense Sogwirkung zelebriert und gewannen zahlreiche Preise.
Während seine Sci-Fi-Titel „Stalker“ und „Solaris“ sich aufgrund ihres Genres auch außerhalb eines Publikums, das sich für das sogenannte Slow Cinema begeistert, einen Namen gemacht haben, ist Tarkovskys finale Regiearbeit weniger berühmt: „Opfer“ ist ein Endzeitdrama, das sich mit der Gefahr eines nuklearen Weltuntergangs beschäftigt, und vom Wert spiritueller Sinnsuche sowie selbstloser Opferbereitschaft erzählt.
Wenige Monate nach der Weltpremiere im Rahmen der Filmfestspiele von Cannes 1986 verstarb Tarkovsky an Krebs, in vielen Ländern kam das Endzeitdrama nach seinem Tod in die Kinos, so auch in Deutschland. 2015 feierte der Film seine deutsche Blu-ray-Premiere, doch diese Auflage ist mittlerweile nur noch schwer aufzutreiben. Aber diese Woche hat „Opfer“ eine Neuauflage auf DVD und Blu-ray erhalten!
Bei der neuen „Opfer“-Auflage aus dem Hause Filmjuwelen handelt es sich um ein 2-Disc-Set. Es enthält zusätzlich zum bildgewaltigen Film auf Blu-ray respektive DVD eine Bonus-DVD mit Begleitdokumentation und Featurettes.
Das ist in "Opfer"
Der Intellektuelle Alexander (Erland Josephson) führt seit Abschluss seiner Schauspielkarriere im Kreise seiner Familie ein idyllisches Leben auf einer skandinavischen Insel. An seinem Geburtstag pflanzt er einen Baum am Meeresufer und erzählt seinem Sohn Jungchen (Tommy Kjellqvist) eine Geschichte. Er philosophiert anschließend mit seinem Postboten Otto (Allan Edwall) und seinen langsam eintrudelnden Geburtstagsgästen.
Doch dann wird das Fest durch eine schreckliche Neuigkeit getrübt: Der Himmel verdunkelt sich, die Erde bebt und erschütternde Nachrichten machen die Runde, die auf eine atomare Katastrophe schließen lassen. Alexanders Frau Adelaide (Susan Fleetwood) ist voller Panik, der Ex-Mime wiederum legt ein Gelübde ab und bietet sich einem zürnenden Gott als Opfer an, wenn im Gegenzug die Anderen verschont werden...
Tarkovsky drehte seinen Abschiedsfilm auf der schwedischen Insel Gotland, auf der die eindrucksvolle Hausbrandszene sogleich zwei Mal gefilmt werden musste: Aufgrund eines Kameradefekts wurde beim ersten Anlauf der Großteil des Filmmaterials beschädigt. Dies wurde zu spät bemerkt, sodass das Haus innerhalb von zwei Wochen neu errichtet werden musste, damit man es wieder abbrennen kann.
Als große Inspirationsquelle für „Opfer“ dienten Tarkovsky die Arbeiten seines schwedischen Kollegen Ingmar Bergman, was sich etwa daran erkennen lässt, dass „Szenen einer Ehe“-Mime Erland Josephson die Hauptrolle erhielt und Sven Nykvist („Persona“) als Kameramann angeheuert wurde. Zudem wurde Anna Asp („Fanny und Alexaner“) das Produktionsdesign anvertraut.
Das wurde mit großer Anerkennung belohnt: Der Film, den Tarkovsky als Parabel bezeichnete und der in vielen Kritiken als Dialog zwischen christlichen und heidnischen Glaubensgrundsätzen gedeutet wird, gewann 1986 in Cannes en FIPRESCI-Preis, den Preis der Ökumenischen Jury sowie den Großen Preis der Jury. Und wenn ihr einen weiteren Tarkovsky-Film eurer Sammlung einverleiben wollt: Habt ihr schon unseren nächsten Heimkino-Tipp befolgt?
Heimkino-Highlight: Dieses opulente Historien-Epos ist ein atemberaubendes Meisterwerk – endlich erscheint es auf Blu-ray*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.