Selbst Maskenkiller Michael Myers hat ein Vorbild: „Halloween“ startete 1978 zwar ein ikonisches Horror-Franchise und diente als Inspirationsquelle für zahllose weitere Slasher. Doch vor dem Sensationserfolg des populären Klassikers gab es „Black Christmas“, einen ultra-finsteren Slasher-Prototypen, der zahlreiche stilbildende Elemente des John-Carpenter-Films vorwegnahm.
Anders als „Halloween“ wurde „Black Christmas“ zunächst eher wenig beachtet – mauserte sich allerdings auf Videokassette und DVD zum gefeierten Kultklassiker. Nicht nur aufgrund seines Einflusses auf „Halloween“, sondern auch, weil er eine sehr effektive, rabenschwarze Stimmung erzeugt, die selbst Jahrzehnte später nichts an Wirkung verloren hat. Ab sofort ist „Black Christmas“ gratis bei Netzkino abrufbar.
"Black Christmas": Die böse Patentante von "Halloween"
Am Vorabend des Weihnachtsfests lassen es die Bewohnerinnen eines Studierendenwohnheims krachen. Bloß Clare (Lynne Griffin) ist nicht in Party-Stimmung. Als sie ihre Sachen packt und aufbrechen will, wird sie von einem Unbekannten umgebracht, der daraufhin ihre Leiche auf dem Dachboden verstaut. Und Clare bleibt nicht das einzige Opfer des Killers: Am nächsten Tag attackiert er im Weihnachtsmann-Kostüm weitere Bewohnerinnen des Heims. Während die Polizei im Dunkeln tappt, verdächtigt Jessy (Olivia Hussey) ihren Freund, der sich ziemlich verdächtig aufführt...
John Carpenters „Halloween“ hat zwar mit seinem überragenden Erfolg die große Slasher-Welle im US-Kino ausgelöst, doch Bob Clark schuf mit „Black Christmas“ vier Jahre zuvor quasi eine Blaupause für „Halloween“. Darüber hinaus behauptete Clark zu Lebzeiten, dass „Halloween“ konkret von seinen Ideen für ein „Black Christmas“-Sequel inspiriert wurde – doch über den Wahrheitsgehalt dieser Behauptung wird in Fachkreisen eifrig gestritten.
Unbestritten ist allerdings, dass es inszenatorisch einige Parallelen zwischen den beiden Filmen gibt und sich viele weitere Slasher narrativ an „Black Christmas“ bedient haben. Trotzdem wäre es verlogen, Carpenter vorzuwerfen, er hätte den Weihnachts-Horror-Klassiker schlichtweg kopiert, denn die Grundstimmung seines Meilensteins unterscheidet sich von Clarks filmischem Vorreiter:
Während Carpenters „Halloween“ auf zugespitzte Suspense setzt, geht „Black Christmas“ garstigere Wege – die Atmosphäre ist niederschmetternder, die Lage seiner Hauptfiguren aussichtsloser als Laurie Strodes fesselnder Überlebenskampf in „Halloween“. Wer sich auf die dramatisch-spröde Erzählweise von „Black Christmas“ einlässt, bekommt daher unbequemen Horror geboten, der mit einschneidenden Schockbildern und desolaten Entwicklungen effektiv unter die Haut geht.
Und wer nun auf den Geschmack gekommen ist: Auch Bob Clarks auf knochentrockene Weise verstörender Slasher-Kult nährt sich aus filmischen Inspirationsquellen. Eine davon ist erst kürzlich neu im Heimkino erschienen...
Neu im Heimkino: Dieser Horror-Geheimtipp war einst nur geschnitten – jetzt gibt es ihn (wieder) in voller LängeDies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.