Kaum ein Name ist so eng mit dem Weltall verbunden wie der von Gene Roddenberry. Schließlich hob der Drehbuchautor und Produzent in den 1960er-Jahren das „Star Trek“-Universum aus der Taufe – und schuf damit eines der beliebtesten und langlebigsten Science-Fiction-Franchises überhaupt, dessen Einfluss weit über Film und Fernsehen hinausreicht: Generationen von Wissenschaftlerinnen und Ingenieurinnen ließen sich von den Ideen und Zukunftsvisionen der Serie inspirieren.
Roddenberry selbst war es allerdings nie vergönnt, die unendlichen Weiten des Weltraums mit eigenen Augen zu erleben. Dabei träumte der Erfinder der USS Enterprise zeitlebens davon, einmal ins All zu fliegen. Als er am 24. Oktober 1991 im Alter von 70 Jahren starb, schien sich dieser Wunsch endgültig erledigt zu haben. Doch seine Ehefrau Majel Barrett-Roddenberry, die selbst in mehreren „Star Trek“-Serien und -Filmen mitwirkte und unter anderem als Christine Chapel und Lwaxana Troi bekannt wurde, wollte das nicht so einfach akzeptieren – und schlug eine so ungewöhnliche wie passende Art vor, ihrem Mann die letzte Ehre zu erweisen.
Gene Roddenberrys Witwe schickte die Asche des "Star Trek"-Erfinders ins All
Ihre Idee: Zumindest ein Teil seiner Asche sollte dorthin gelangen, wohin Roddenberry zu Lebzeiten nie gekommen war. Tatsächlich hatte ihr verstorbener Ehemann über viele Jahre hinweg enge Verbindungen zur NASA gepflegt, weshalb der Gedanke gar nicht so abwegig war. Zudem hatte „Star Trek“ bei der berühmten Raumfahrtbehörde längst Spuren hinterlassen: Bereits 1976 wurde beispielsweise nach einer großangelegten Fan-Kampagne der erste Prototyp des Space-Shuttle-Programms auf den Namen Enterprise getauft.
Diese Umstände halfen dabei, dass aus Barrett-Roddenberrys Plan schon bald Wirklichkeit werden konnte. Knapp ein Jahr nach dem Tod von Roddenberry nahm James Wetherbee, Kommandant der Space-Shuttle-Mission STS-52, eine kleine Menge seiner Asche als persönlichen Gegenstand mit an Bord der Columbia. Auf diese Weise schaffte es der gebürtige Texaner am 22. Oktober 1992 also doch noch ins All – allerdings nur für kurze Zeit: Nach zehn Tagen im Erdorbit landete die Raumfähre wieder – inklusive Roddenberrys Überresten. Doch das war nicht Roddenberrys letzter posthumer Aufenthalt im All.
Roddenberry flog noch zwei weitere Male in den Weltraum
Rund fünf Jahre später bereitete das US-Unternehmen Celestis seinen ersten kommerziellen Flug mit der Asche Verstorbener vor. Das Prinzip: Statt einer kompletten Urne wurden nur wenige Gramm in kleinen Metallkapseln ins All befördert. Gene Roddenberry war einer von 24 Menschen, die für den sogenannten „Founders Flight“ ausgewählt wurden. Am 21. April 1997 wurde die für diesen Zweck eingesetzte Pegasus-XL-Rakete über dem Atlantik von einem Flugzeug ausgeklinkt und brachte die Kapseln anschließend in eine Erdumlaufbahn. Neben seiner Asche befanden sich an Bord unter anderem die sterblichen Überreste des Physikers Gerard K. O'Neill und des Raketenpioniers Krafft A. Ehricke.
Roddenberrys Kapsel enthielt rund sieben Gramm seiner Asche und trug die Widmung „WITH LOVE FROM MAJEL AND ROD“ – bei Rod Roddenberry handelte es sich um den damals 23-jährigen Sohn von Gene Roddenberry. Anders als beim Shuttle-Flug fünf Jahre zuvor blieb sie diesmal tatsächlich im Weltraum. Mehr als fünf Jahre lang umkreiste Roddenberrys Kapsel die Erde, ehe sie am 20. Mai 2002 wieder in die Atmosphäre eintrat und verglühte.
"Wenn sein Geist irgendwo weiterlebt, wo wäre er dann am glücklichsten?"
Barrett-Roddenberry erklärte die Motivation hinter diesem Schritt in einem Interview mit der Washington Post mit folgenden Worten (via Celestis.com): „Die Zukunft des Lebens liegt im All. Das könnte die letzte Grenze sein. Es ist eine symbolische Geste, aber vor allem ist es eine Feier. Man fragt sich: ‚Was hat ein Mensch am meisten geliebt?‘ Wenn sein Geist noch irgendwo weiterlebt, wo wäre er dann am glücklichsten? Ich weiß, wo Gene am glücklichsten wäre.“
Ganz abgeschlossen war die Geschichte damit übrigens noch immer nicht. Majel Barrett-Roddenberry wünschte sich, nach ihrem eigenen Tod gemeinsam mit Gene auf eine letzte Reise geschickt zu werden. Die Schauspielerin verstarb am 18. Dezember 2008 – es sollte allerdings mehr als 15 Jahre dauern, bis ihr Wille umgesetzt werden konnte: Am 8. Januar 2024 startete ein Teil ihrer Asche zusammen mit weiteren Überresten ihres Mannes an Bord der „Enterprise Flight“-Mission von Celestis ins All. Die Centaur-Oberstufe, an der die entsprechenden Kapseln angebracht waren, wurde anschließend auf eine Umlaufbahn um die Sonne geschickt.
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