Wir haben an anderer Stelle bereits berichtet, dass die vierte „Reacher“-Staffel bislang überwiegend sehr positiv aufgenommen wird. Teilweise waren Fans sogar der Meinung, dass sie nicht nur der herausragenden ersten Season das Wasser reichen kann, sondern diese womöglich sogar übertrifft. Doch nach der jüngsten Folge mit dem Titel „Bridge“ bzw. „Brückenduell“ ist diese weitgehend herrschende Einigkeit über die Qualität der aktuellen Story verflogen.
In einem aktuellen Thread im großen „Reacher“-Fanforum auf Reddit gibt es zwar auch Stimmen wie jene eines Zuschauers, der die neue Folge als „beste Episode“ der bisherigen Staffel feiert. Da werden die intensiven finalen 15 Minuten gelobt, die große Verfolgungssequenz, der Cliffhanger und Detective Tamara Green (Sydelle Noel), die nicht nur für diesen Fan inzwischen zu Reachers besten bisherigen Partnerfiguren zählt.
Die populärste direkte Gegenreaktion unter demselben Beitrag fällt allerdings beinahe spiegelverkehrt aus. Denn dieser Fan spricht von der bislang „schlechtesten“ Folge – und ist mit dieser Kritik nicht alleine.
"Die dümmste Szene der ganzen Serie": Kritik am Brückenduell
Gerade im offiziellen Reddit-Diskussionsthread zur Episode gehen die Meinungen ungewöhnlich stark auseinander. Einerseits wird etwa gefeiert, dass die fünfte Folge Reacher (Alan Ritchson) und Tamara kaum Gelegenheit zum Durchatmen gibt. Für andere ist es allerdings gerade ein Problem, dass der Titelheld den Großteil der Folge über permanent in Bewegung und auf der Flucht ist. Die ganzen Verfolgungsjagden seien nur „Füllmaterial“, weil sich währenddessen die eigentliche Verschwörungsgeschichte zu langsam weiterbewege.
Besonders scharf fällt die Kritik an jener Szene aus, die der Episode ihren Titel gibt. In einem eigenen Reddit-Thread bezeichnet ein Fan das Brückenduell von Jacob (Christopher Rodriguez-Marquette), Plum (Kevin Weisman) und Tamara mit den Killerinnen Lila (Agnez Mo) und Amisha (Anggun) sogar als „mit Abstand die dümmste Szene der ganzen Serie“. Dass es keine Einzelmeinung ist, illustrieren mehrere hundert Upvotes für diese Äußerung.
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Viele Fans stören sich vor allem am angeblich unlogischen Verhalten der Figuren. Schließlich könnte das Trio um Tamara fliehen, nachdem sie den Wagen ihrer Verfolgerinnen außer Gefecht gesetzt hat. Doch Kleinstadtpolizist Jacob ist fest entschlossen, sich den beiden Killerinnen zu stellen, obwohl diese automatische Schnellfeuerwaffen besitzen und in Tamaras Pistole nur noch ein paar Schüsse sind. Dass bei diesem Duell dann zwar reichlich Kugeln sausen, am Ende aber niemand verletzt wird, finden viele auch höchst unlogisch.
Hat "Reacher" zu viel Action und zu wenig Geschichte?
Die Kritik trifft einen größeren Punkt, über den schon vor dem Start der vierten Staffel diskutiert wurde. Da verriet Alan Ritchson, dass die acht neuen Episoden ungefähr 30 Kampfsequenzen enthalten. Das sei mehr als in allen bisherigen Staffeln zusammen. Er selbst sprach von der Gefahr einer Kampfmüdigkeit, der man sich aber bewusst gewesen sei, weswegen man ein Mittel dagegen habe finden müssen. Mehr dazu gibt es im folgenden Artikel:
Mehr als in allen bisherigen Staffeln zusammen: Alan Ritchson verrät eine irre Zahl zur 4. Season "Reacher" auf Amazon Prime VideoDie fünfte Episode lädt nun perfekt zur Diskussion ein, ob zu viel Action ein Problem ist, und daran scheiden sich die Geister. Die einen bekommen genau jene beinahe pausenlose Action, die sie von „Reacher“ erwarten. Andere haben dagegen den Eindruck, dass Verfolgungsjagden und Schießereien inzwischen eher Zeit beanspruchen, als die eigentliche Geschichte voranzubringen.
Die Meinung von "Reacher"-Experte Björn Becher
Ich bin seit vielen Jahren ein riesiger „Reacher“-Fan, kaufe jedes Buch am Erscheinungstag der englischen Veröffentlichung und habe jeden Roman sicher bereits zwei Mal gelesen. Ich bin auch seit Jahren in Fanforen zu den Vorlagen von Lee Child unterwegs und kenne diese Diskussionen. Denn sie tauchen auch bei den Büchern auf. Doch ich habe kein Problem damit. „Reacher“ war schon immer auch over-the-top. Eine teilweise geäußerte Forderung nach mehr Realismus teile ich überhaupt nicht. Die immer wieder auch mal bewusst übertriebene Action ist für mich ein wichtiger Bestandteil des „Reacher“-Vergnügens. Doch hier kommen unterschiedliche Blickwinkel zum Tragen. Wer sich die Serie geerdeter wünscht, wird mit solchen Episoden seine Probleme haben.
Ich finde es allerdings unabhängig von dieser Vorliebe eine sehr ermüdende Erbsenzählerei, sich an dem angeblich „unlogischen“ Verhalten von Figuren aufzuhängen – gerade in extremen Ausnahmesituationen. Jacob hat innerhalb kürzester Zeit seine Schwester und seinen Neffen verloren. In einer Situation, in der er seit Tagen zudem kaum geschlafen hat, die ganze Zeit durch die Gegend gehetzt ist und dabei verfolgt wurde, steht er jetzt den beiden Personen gegenüber, die für den Tod dieser geliebten Menschen verantwortlich sind und den Jungen wahrscheinlich sogar brutal gefoltert haben. Da finde ich es persönlich sogar logisch, dass er blind vor Wut und Rachedurst unlogisch handelt und doofe Fehler begeht.
Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es weitergeht, denn da sich die Serie mittlerweile deutlich von der Buchvorlage entfernt hat und sichtbar eine eigene Geschichte erzählt, stehen mir in den kommenden drei Episoden noch einige Überraschungen ins Haus. Und dazu gibt es hoffentlich auch weiterhin starke Action und sicher auch die ein oder andere groteske Szene. Davon bot die jüngste Folge ja eine ganz besondere. Mehr zu dieser gibt es im folgenden Artikel:
Die neue "Reacher"-Folge hat eine der brutalsten Szenen der ganzen Serie und Fans können kaum glauben, was Alan Ritchson da macht*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.