Werbefreie TV-Premiere nur 6 Monate nach Kinostart: Dieses schmerzhaft-realistische Meisterwerk ist ein Geheimtipp!

„Noch ein Film zum Thema Migration“, mag jetzt manche*r vielleicht denken. Intensiver und packender als in „Souleymans Geschichte“ wurde der tägliche Überlebenskampf eines undokumentierten Flüchtlings in Europa aber selten dargestellt.

Das mit unter anderem vier Césars (dem französischen Pendant zum Oscar) ausgezeichnete Drama „Souleymans Geschichte“ feierte seine Weltpremiere 2024 im Rahmen des wohl wichtigsten Filmfestivals der Welt in Cannes. Am 19. Februar 2026 lief der Film von Regisseur und Drehbuchautor Boris Lojkine („Camille“) in den deutschen Kinos an. Ein halbes Jahr später könnt ihr ihn jetzt schon im TV sehen.

Warum sich das Einschalten lohnt, führen wir etwas weiter unten in diesem Artikel aus. Oder ihr macht euch ganz unbeleckt einfach selbst ein Bild: Arte zeigt „Souleymans Geschichte“ am heutigen 2. September 2026 um 23.30 Uhr als deutsche Free-TV-Premiere – natürlich ohne Werbung. Eine Wiederholung ist nicht angekündigt. Dafür steht der bisher weder auf Blu-ray/DVD noch als Video-on-Demand erhältliche FSK-12-Titel bereits jetzt und noch für einige Zeit als Gratis-Stream in der Mediathek des Senders zur Verfügung.

Übrigens: Der Protagonist des Films heißt eigentlich Souleymane. Der offizielle deutsche Titel spart das zweite „e“ allerdings einfach ein – warum auch immer.

Darum geht es in "Souleymans Geschichte"

Souleymane (Abou Sangaré) hat seine Heimat Guinea, seine Familie und seine Verlobte hinter sich gelassen und ist – in der Hoffnung auf ein besseres Leben – nach Paris gekommen. Während des laufenden Asylverfahrens darf er dort eigentlich nicht arbeiten. Dennoch verdingt er sich als Fahrradlieferant. Für seine Dienste erhält er allerdings nur einen Bruchteil des ohnehin schon kargen Lohns. Denn auf der App des Unternehmens fährt er unter dem Namen von Emmanuel (Emmanuel Yovanie), der die nötigen Papiere tatsächlich besitzt und sich für deren Nutzung üppig bezahlen lässt.

Souleymane hetzt von morgens bis abends durch den chaotischen Großstadtverkehr, um den meist mies gelaunten Kunden des Lieferdienstes pünktlich ihr Essen zu bringen. Nach der Schicht muss er unbedingt den letzten Bus zu seiner Notunterkunft erwischen – sonst droht ihm eine Nacht unter freiem Himmel. Parallel dazu bereitet er sich noch auf seine Anhörung bei den Behörden vor. Eine erfundene Biografie und entsprechende Unterlagen hat ihm jemand aus seinem Bekanntenkreis besorgt, der für seine Dienste natürlich ebenfalls einen Batzen Geld sehen will ...

Authentizität in Thriller-Manier

Um es vorwegzunehmen: Ihr solltet „Souleymans Geschichte“ unbedingt einschalten. In der FILMSTARTS-Kritik erhält das Werk hervorragende 4,5 von 5 möglichen Sternen. Unser Rezensent Thorsten Hanisch beschreibt das Ganze in der Überschrift zu seiner Analyse mit den Worten „Schmerzhaft-realistisch und ungemein packend“. Bemerkenswert ist an Boris Lojkines Arbeit dabei weniger, was erzählt wird, sondern wie es erzählt wird.

„Souleymans Geschichte“ ist eine veritable Stress-Story, in der der Titelheld von allen Seiten unter Druck gesetzt wird. Dabei geht es auch, aber längst nicht nur um die physische Bedrängung als Radfahrer auf den Straßen von Paris, sowie um die psychische durch die Menschen, für die er arbeitet, die Behörden, die Migrantengemeinschaft und nicht zuletzt um seine eigene Vergangenheit. Souleymanes Alltag ist ein einziger Wettlauf gegen die Zeit. Selbst eine Banalität wie ein verpasster Linienbus könnte nämlich existenzielle Folgen für ihn haben.

Souleymans Geschichte
Souleymans Geschichte
Starttermin 19. Februar 2026 | 1 Std. 34 Min.
Von Boris Lojkine
Mit Abou Sangaré, Alpha Oumar Sow, Nina Meurisse
User-Wertung
3,3
Filmstarts
4,5

Lojkine hat das Ganze wie einen Thriller inszeniert. Dynamisch klebt die Kamera fortwährend an dem Gehetzten. Dadurch überträgt sich dessen permanente Anspannung schnell und unweigerlich auf uns Zusehende. Das gelingt aber vor allem auch deshalb, weil dieser Souleymane offenbar ein guter, aufrichtiger Mensch ist. Das Lügen fällt ihm alles andere als leicht, was ihn wiederholt in enorme Bedrängnis bringt.

Schauspiel-Newcomer Abou Sangaré liefert hier eine mitreißende, weil erschütternd authentische Vorstellung ab. Selbst in hochemotionalen Passagen kommt er ohne übertriebenen Gestus aus und macht dennoch jederzeit greif- und spürbar, was in seiner Figur vorgeht. So trägt der junge Mann, dessen eigene Migrationsgeschichte ins Skript eingewoben wurde, und der sich dafür entschied, anstelle einer Karriere vor der Kamera fortan lieber als Kfz-Mechaniker zu arbeiten, maßgeblich zum Gelingen des Films bei.

Eine ganz andere Art von Stress erlebt der Protagonist des neuen Films, den wir euch mitsamt seines Trailers im folgenden Artikel vorstellen:

"Hardcore" trifft "Crank" & "Snatch": Durchgeknallter Trailer zum brutalen First-Person-Actioner "Bad Day At The Office"

Oliver Kube
Oliver Kube
-Freier Autor & Kritiker
Das Schulfach Französisch hätte Oliver Kube um ein Haar das Abitur gekostet. Dennoch liebt er das so vielfältige und facettenreiche Kino unseres Nachbarlandes – von François Truffaut und Jean-Luc Godard bis Céline Sciamma, Jacques Audiard, Gaspar Noé oder Quentin Dupieux.
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