Natürlich kann Dario Argentos im Februar 1999 in die deutschen Kinos gekommene „Das Phantom der Oper“ in Sachen visuellem Prunk und Protz nicht mit der nur fünf Jahre später veröffentlichten Big-Budget-Version aus Hollywood mithalten. Für einen Film des italienischen Horrormeisters („Suspiria“, „Tenebre“) ist die Adaption des zur Weltliteratur zählenden Romans von Gaston Leroux allerdings doch erstaunlich aufwendig geraten. Am späteren Abend könnt ihr die späte TV-Premiere des Werkes mit zwei durchaus bekannten Gesichtern im Cast und einem Score von Ennio Morricone („Spiel mir das Lied vom Tod“) erleben.
Tele 5 zeigt „Das Phantom der Oper“ am heutigen 20. September 2026 um 22.25 Uhr. Eine Wiederholung folgt noch in derselben Nacht um 2.45 Uhr. Eine Möglichkeit, den Streifen zu streamen, gibt es derzeit nicht – weder im Rahmen eines Abos noch als Video-on-Demand. Dafür ist er aber als schmuckes Mediabook mit 4K-Blu-ray oder auch als deutlich günstigere DVD käuflich zu erwerben:
Eine eigenwillige Adaption
Seit seiner 1986er-Premiere haben sagenhafte 140 Millionen Menschen das Musical „Das Phantom der Oper“ von Andrew Lloyd Webber auf den Bühnen dieser Welt erlebt (Stand: 2019). Und jährlich werden es mehr. Allein am New Yorker Broadway wurde das Stück von 1988 bis 2023 über 14.000 Mal aufgeführt. In Hamburg wurde 1990 mit der Neuen Flora sogar eigens ein Theater für das dann auch immens populäre Projekt gebaut. Ähnliche Erfolgsstorys schrieb das Musical auf der ganzen Welt.
Dass seine düstere Liebesgeschichte so viele Dekaden später noch immer die Massen faszinieren würde, hatte sich der Pariser Schriftsteller Gaston Leroux bestimmt nicht träumen lassen, als er sie 1909 als Fortsetzungsroman in einer Tageszeitung veröffentlichte. Bereits 1916 wurde „Das Phantom der Oper“ erstmals als in Deutschland produzierter Stummfilm auf große Leinwände gebracht. Insgesamt gibt es bisher zehn offizielle Film-Adaptionen des Romans und noch zahlreiche inoffizielle. Die dieser Tage wohl bekannteste ist die Leinwand-Version von Webbers Musical gleichen Titels von Joel Schumacher von 2004.
Schon 1998 drehte Dario Argento seine eigene Interpretation der Story – zwar auch mit Gesang, allerdings nicht als Musical. Dafür gibt es einige recht blutige Szenen, denn der „Suspiria“-Macher versuchte, die ohnehin schon reichlich schaurig-gruselige Atmosphäre der Vorlage noch deutlich hochzuschrauben. Zudem nahm er auch diverse kleine bis große Veränderungen am Handlungsablauf vor, um seine Gothic-Romanze noch mehr in Richtung Horror lenken zu können. Wenn fiese Ratten und staubige Fledermäuse euer Ding sind, ist dies definitiv ein Film für euch.
Auf plumpe Schockmomente wie Jump-Scares verzichtete Argento zwar, baute aber einiges an zusätzlichem Gore in den Storyablauf ein. Das Ergebnis mag bisweilen etwas behäbig wirken, ist es aber für echte Fans des Regisseurs sicher dennoch wert, zumindest einmal gesichtet zu werden. Zumal er einige meist nicht wirklich funktionierende, dafür aber zumindest originelle Ideen einbaute. Die bizarrste davon ist wohl eine verstörende Szene, in der der Titelheld auf das Dach des als Hauptschauplatz dienenden Opernhauses klettert und von rattenartigen Menschen träumt, die in eine riesige Falle getappt sind.
Auch aufgrund dieser Abweichungen vom Quellenmaterial fielen die Presserezensionen – speziell in Nordamerika und Großbritannien! – sehr negativ aus. Auf Rotten Tomatoes, der bekanntesten US-Sammelseite für professionelle Filmkritiken, wird „Das Phantom der Oper“ sogar mit katastrophalen null Prozent positiver Besprechungen gelistet (Stand: 13. September 2026).
Das verspricht natürlich nicht gerade ein Highlight. Bewunderinnen und Bewunderer des Romans oder des Musicals sollten deshalb vielleicht doch lieber nochmal Joel Schumachers Hochglanz-Produktion mit Gerard Butler als Phantom anschauen. Auch wenn euch dadurch der leider 2023 verstorbene Julian Sands („Arachnophobia“) als das Monster und Asia Argento („xXx - Triple X“) als von ihm angehimmelte Schönheit in den Hauptrollen entgehen.
"Das Phantom der Oper": Das ist die Story
1877 im Pariser Opernhaus: Während die Bühne von der umjubelten Diva Carlotta Altieri (Nadia Rinaldi) beherrscht wird, lebt in den Katakomben unter dem Gebäude ein Phantom (Julian Sands). Einst von der Mutter ausgesetzt, wurde der Mann als Baby von Ratten gerettet und hier großgezogen. Mit Eindringlingen in sein unterirdisches Reich macht der massiv Entstellte nun kurzen Prozess. Wer sich in sein düsteres, unterirdisches Labyrinth hinabwagt, stirbt.
Eines Tages hört das Phantom die neue Sopranistin Christine Daaé (Asia Argento) singen und verliebt sich auf der Stelle in die attraktive junge Frau. Im Gefühlstaumel schwört der bisherige Einzelgänger, sie ganz nach oben zu bringen. Auch deshalb verfällt Christine dem Phantom, das sich umgehend daranmacht, gegen den bisherigen Star des Hauses, Christines große Konkurrentin Carlotta, vorzugehen. Doch dann tritt der Adlige Raoul (Andrea Di Stefano) in das Leben der Sängerin und kompliziert die Situation noch zusätzlich …
Eine Serie, auf die sich viele Gruselfans freuen dürften, stellen wir euch im folgenden Artikel samt ihres Trailers vor:
Horror-Meister arbeitet jetzt für Amazon statt für Netflix – und verfilmt einen der größten Stephen-King-Klassiker: Hier ist der Trailer*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.