Bis in die mittleren 90er-Jahre war Sylvester Stallone vor allem als charismatischer Action-Held und beinharte Ein-Mann-Armee bekannt, die es auf der Leinwand ordentlich krachen lässt. Das aggressive, krawallige Action-Kino der 80er- und 90er-Jahre machte ihn zu einem der größten Hollywoodstars.
Doch die hypermaskulinen Testosteron-Filme jener Zeit („Rambo 1-3“, „Tango & Cash“, „Cliffhanger“) sorgten gleichzeitig dafür, dass Stallone nur von wenigen als ernstzunehmender Schauspieler wahrgenommen wurde. Das änderte sich erst 1997, als der damals 50-Jährige in James Mangolds „Cop Land“ eine der wichtigsten Rollen seines Lebens verkörperte. Der Film war ein radikaler Bruch mit Stallones bisherigem Image – und machte aus dem „Rocky“-Darsteller einen bei Publikum und Presse gleichermaßen geschätzten Charaktermimen.
Mehr Kilos, weniger Geld: Für "Cop Land" gab Sylvester Stallone alles
Stallone spielt in dem Thriller-Drama einen übergewichtigen, extrem unsicheren und einseitig tauben Dorfsheriff, der mit Korruption unter Cops konfrontiert wird. Seine Figur Freddy Heflin hätte, optisch wie charakterlich, nicht weiter von seinen Kino-Helden der 80er entfernt sein können. Doch der Schauspieler wollte die Rolle unbedingt – und gab alles dafür. Er legte 20 Kilo an Gewicht zu und verzichtete auf seine damals übliche Gage von rund 15 bis 20 Millionen US-Dollar. Stallones Wunsch war es, endlich nicht mehr nur auf den Part des muskelbepackten, wenig tiefgründigen Action-Darstellers reduziert zu werden.
„Damals war ich für alle nur der Musikprotz. Nach dem Motto: 'Du bist nicht besonders schlau. Du bist ein Action-Typ'“, sagte Stallone im Interview mit der New York Times (via The Playlist). „Damals wollte ich mich mit anderen, ernst genommenen Charakterdarstellern messen, um zu sehen, wie wir aufeinander reagieren. Ein war ein herausforderndes aber gelungenes Experiment, dass es absolut Wert war“. Er bezeichnete seine Performance in „Cop Land“ als seine bis heute am meisten unterschätzte schauspielerische Leistung. Das komplette Video-Interview könnt ihr euch hier anschauen, Stallone spricht ab etwa einer Stunde über „Cop Land“:
Doch er hielt dem Vergleich mit den von ihm genannten Schauspielstars (Ray Liotta, Robert De Niro, Harvey Keitel) mehr als Stand und heimste für „Cop Land“ herausragende Kritiken ein. Auch wenn er in den Folgejahren nicht mehr viele vergleichbar tiefgründige Rollen bekam, so bewies „Cop Land“ dennoch eindrucksvoll, dass Stallone auch ohne Maschinengewehr und Boxhandschuhe zu Höchstform auflaufen konnte.
Kult-Rivalität mit dem "Terminator"
Darüber hinaus äußerte er sich im Interview zur Rivalität mit Arnold Schwarzenegger („Terminator“) in den 80er- und 90er-Jahren. Diese war nicht nur von medialen Schlammschlachten und aggressiver PR geprägt, sondern auch von gegenseitigen Höchstleistungen, zu denen sie der Konkurrenzkampf antrieb.
Stallone zufolge habe dieser „Wettkampf“ am Ende beiden genutzt. „Er hat mich auf kreative Weise herausgefordert, und ich ihn ebenso. Wir haben uns gegenseitig das Leben schwer gemacht“, so Stallone. Und der 80-Jährige ergänzte: „Doch genau das zwang uns dazu, immer noch einen draufzusetzen. Und so haben wir dieses maßlos übersteigerte 80er-Jahre-Action-Kino mitbegründet.“
Doch wer ist nun eigentlich überzeugender vor der Kamera und der bessere Schauspieler – Stallone oder Schwarzenegger? Letztgenannter hat dazu eine klare Meinung:
"Es ist, als ob man eine Lunte anzündet": Arnold Schwarzenegger gibt zu, dass Sylvester Stallone der bessere Schauspieler ist