Einige Produktionen der DDR-Filmgesellschaft DEFA erfreuten sich auf beiden Seiten der deutsch-deutschen Grenze großer Beliebtheit – vor allem ihre Märchenklassiker. Andere Produktionen hatten weitaus weniger Glück. Denn von 1951 an erhielten diverse DEFA-Produktionen in der DDR ein Aufführungsverbot, das mitunter jahrzehntelang galt. Einige Filme wurden sogar erst lange nach der Wiedervereinigung aus dem Giftschrank geholt.
Das Label Filmjuwelen hat 19 einst von der DDR-Zensur abgestrafte Produktionen in der DVD-Box „DEFA: Verboten!“ versammelt – und die gibt es jetzt anlässlich der Amazon Prime Deal Days zum Aktionspreis.
Neben 19 abendfüllenden Filmen enthält diese Edition als Bonusmaterial mehrere Kurzfilme, Probeaufnahmen, Interviews mit den Zeitzeugen Wolfgang Kohlhaase, Kurt Maetzig, Peter Reusse, Günter Stahnke, Joachim Mückenberger, Herrmann Zschoche und Egon Günther sowie ein 36-seitiges Booklet mit Begleitinformationen.
"DEFA: Verboten!": Diese Filme sind im Set enthalten
Teil der Box ist das NS-Justizdrama „Das Beil von Wandsbek“, das nach erfolgreichem Kinostart 1951 als erste DEFA-Produktion ein Aufführungsverbot verhängt bekam. 1962 folgte eine Wiederaufführung in Form einer um rund 20 Minuten gekürzten Fassung, erst 1981 wurde die ursprüngliche Version rekonstruiert. Im Film geht es um einen Schlachtermeister, der 1934 von einem SS-Standartenführer dazu gebracht wird, als Henker vier Kommunisten hinzurichten.
Aus dem Jahr 1957 stammt die Theateradaption „Die Schönste“ über zwei Jungen, die sich gegenseitig zum Diebstahl anstiften. Obwohl der Film als Kapitalismuskritik intendiert war, folgte im Schneideraum ein jahrelanges Tauziehen um die Ausrichtung des Films. 1959 wurde er letztlich in den Giftschrank gepackt. Erst 2002 erfolgten die Rekonstruktion und Kino-Uraufführung.
„Sonnensucher“ von Konrad Wolf, einem der prestigeträchtigsten Regisseure des DDR-Kinos, wurde 1958 fertiggestellt, aber aufgrund seiner kritischen Auseinandersetzung mit dem Uranbergbau bis 1972 unter Verschluss gehalten. „Sommerwege“ aus dem Jahr 1960 wurde wiederum gar nicht zu DDR-Zeiten gezeigt: Der Heimatfilm über berufliche wie private Konflikte eines Parteisekretärs wurde direkt nach seiner Fertigstellung von der Abnahmekommission als unzeigbar abgetan. Erst 2014 brachte die DEFA-Stiftung „Sommerwege“ ins Kino.
Der schelmische Märchenfilm „Das Kleid“ schaffte es zügiger aus dem Verbotskeller: 1961 fertiggestellt, wurde er direkt ins Archiv befördert, weil der Film in einer Stadt spielt, die von einer Mauer umschlossen ist. 1991 wurde die humorvolle Mär des für seine Abenteuer- und Kinderfilme gefeierten Regisseurs Konrad Petzold endlich uraufgeführt.
Filmjuwelen / DEFA
Das Drama „Der Frühling braucht Zeit“ über einen Ingenieur, der Opfer einer Intrige wird, wurde wenige Wochen nach seiner Uraufführung im November 1965 verboten und erst 1990 wieder gezeigt. „Das Kaninchen bin ich“ über die Folgen des Duckmäusertums und einer übereifrigen Strafjustiz wurde hingegen noch vor seiner Premiere verboten, die Premiere erfolgte erst 1990.
Genauso verlief es beim komplexen Sozio- und Psychogramm „Denk bloß nicht, ich heule“, dem Kammerspiel „Karla“ über eine freigeistige Lehrerin, der Nouvelle-Vague-Hommage „Jahrgang 45“, Iris Gusners Sozialdrama „Die Taube auf dem Dach“ sowie der malerischen Komödie „Wenn du groß bist, lieber Adam“.
Der vom Generationenkonflikt handelnde Film „Berlin um die Ecke“ hingegen erlebte 1987 seine DDR-Premiere (rund ein Vierteljahrhundert nach seiner Fertigstellung), die Gangsterkomödie „Hände hoch oder ich schieße“ unterdessen wurde 1966 abgedreht und nach wiederholten Zensurbemühungen aufgegeben. Erst 2008 begannen die DEFA-Stiftung und das Bundesarchiv mit der Rekonstruktion des Films.
Auch die experimentell angehauchte Gegenwartsmär „Fräulein Schmetterling“ wurde noch während des Rohschnitts verboten, 2005 wurde eine Rekonstruktion uraufgeführt. Eine lange, komplizierte Veröffentlichungshistorie durchlief indes der Kultklassiker „Spur der Steine“ mit Manfred Krug, der zwar eine Oscar-Nominierung erhielt, aber auch Opfer von Zensuren und Störaktionen der Kinoauswertung wurde, bevor er aus dem Verkehr gezogen wurde – bis November 1989.
DEFA / Filmjuwelen
Der historische Kriegsfilm „Die Russen kommen“ derweil wurde direkt nach seiner Fertigstellung 1968 verboten, allerdings durfte Regisseur Heiner Carow einige Passagen in einem anderen Film wiederverwenden und 1987 wurde das Projekt noch in der DDR rekonstruiert. Das Vergewaltigungsdrama „Jadup und Boel“ hingegen wurde 1980 abgedreht, fast ein Jahr lang im Schnitt überarbeitet und dann Opfer von mehreren Verschiebungen seiner Premiere, bevor im April 1983 das Aufführungsverbot ausgesprochen wurde. 1988 kam es dann doch zur Kinoaufführung in der DDR.
Abgerundet wird das Set durch den Film „Der verlorene Engel“ über den Künstler Ernst Barlach: 1966 abgedreht, erfolgte erst zu Beginn der 1970er-Jahre die Kinoauswertung in einer stark gekürzten Fassung und mit streng limitierter Kopienzahl.
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