Denzel Washington zählt zweifellos zu den größten Hollywood-Schwergewichten überhaupt – und obwohl er manch berühmtem Kollegen sogar Angst macht, gibt es sicher nicht wenige Schauspieler*innen, die sich kaum etwas sehnlicher wünschen, als einmal mit dem zweifachen Oscar-Preisträger vor der Kamera zu stehen.
Zu den Stars, mit denen Washington bereits gedreht hat, zählen Namen wie Julia Roberts, Keanu Reeves, Bruce Willis, Jodie Foster, John Travolta, Russell Crowe oder Angelina Jolie. Doch es gibt eine Kino-Ikone, mit der Washington selbst nur allzu gerne zusammengearbeitet hätte: Sidney Poitier!
Wie viele andere Schwarze Schauspieler*innen sieht Washington in Poitier einen Wegbereiter: In einer Zeit, in der Schwarze Darsteller*innen noch immer zumeist mit kleinen, oft stereotypen Nebenrollen abgespeist wurden, gelang es Poitier, sich als Hauptdarsteller zu etablieren. 1964 schrieb er Geschichte, als er für seine Darbietung in der Tragikomödie „Lilien auf dem Felde“ als erster Schwarzer Schauspieler überhaupt den Oscar als Bester Hauptdarsteller gewann.
Sidney Poitier wurde für Denzel Washington zu einem Mentor ...
Washington und Poitier kannten sich tatsächlich persönlich. Wie Washington gegenüber USA Today in einem Doppel-Interview mit Poitier eröffnet hat, trafen die beiden erstmals im Jahr 1978 aufeinander:
„Ich war zu Fuß unterwegs, wahrscheinlich auf dem Weg zum Bus, als ich Sidney in einer Buchhandlung entdeckte“, so der „The Equalizer“-Darsteller über ihre erste Begegnung. „Da dachte ich: ‚Oh, das ist meine große Chance!‘ Ich sagte: ‚Mr. Poitier, es ist mir eine Ehre, Sie kennenzulernen. Ich versuche gerade, in dieser Branche Fuß zu fassen.‘ Er war ausgesprochen freundlich. Ich hielt das für ein Zeichen von Schwäche. Ich dachte: ‚Das ist meine Chance. Da kann ich ihn genauso gut nach einem Job fragen.‘ Er sah mich an und sagte: ‚Du bist gut, mach weiter so.‘ Ich antwortete: ‚Jawohl, Sir! Darf ich Ihnen noch einen Lebenslauf geben?‘“
Poitier wurde zu einem Mentor für Washington – und gab ihm einige wichtige Lektionen für seine Laufbahn mit. „Mir wurde ein Film angeboten, bei dem mir schon beim Gedanken daran schlecht wurde“, erinnerte sich Washington. „Aber es wäre der erste Film gewesen, bei dem richtig viel Geld im Spiel war. Ich dachte: ‚Das kann ich nicht machen, aber wahrscheinlich sollte ich es trotzdem tun.‘ Also rief ich Sidney an, und er sagte zu mir: ‚Die ersten drei oder vier Filme, die du zu Beginn deiner Karriere drehst, werden darüber entscheiden, wie du in dieser Stadt und vom Publikum wahrgenommen wirst.‘ Ich lehnte das Angebot ab und wartete ungefähr sechs Monate, bis sich eine neue Gelegenheit ergab.“
... aber einen Film haben sie nie zusammen gedreht!
Damit hat der heute 71-Jährige definitiv die richtige Entscheidung getroffen – denn bereits 1988 erhielt er für Richard Attenboroughs Apartheid-Drama „Schrei nach Freiheit“ seine erste Oscar-Nominierung. Nur zwei Jahre später durfte er die begehrte Goldtrophäe als Bester Nebendarsteller im Kriegsfilm „Glory“ zum ersten Mal in den Händen halten.
Im Jahr 2002 trat Washington dann übrigens die direkte Nachfolge von Sidney Poitier an: Er gewann für „Training Day“ als zweiter Schwarzer Schauspieler überhaupt den Oscar als Bester Hauptdarsteller – ganze 38 Jahre nach Poitiers historischem Sieg! In seiner Dankesrede sagte er: „Ich werde dir immer nacheifern, Sidney. Ich werde immer in deine Fußstapfen treten.“
Obwohl sie privat eine enge Beziehung zueinander pflegten, haben die beiden Schauspiel-Giganten übrigens nie einen Film zusammen gedreht – was Washington bis heute bedauert. Nach Poitiers Tod am 6. Januar 2022 gab er gegenüber Variety zu Protokoll: „Gott segne ihn. Aber ja, diese Gelegenheit habe ich verpasst.“
Poitier blieb bis 2001 als Schauspieler aktiv – nach seinem Auftritt im TV-Drama „The Last Brickmaker In America“ setzte er sich endgültig zur Ruhe. Sein Vermächtnis wirkt allerdings bis heute nach: Er trug entscheidend dazu bei, die rassistischen Barrieren in Hollywood aufzubrechen, und ebnete damit den Weg für zahlreiche Stars nach ihm. So haben sich sämtliche Schwarzen Schauspieler, die nach ihm den Oscar als Bester Hauptdarsteller gewannen – von Denzel Washington über Jamie Foxx und Forest Whitaker bis hin zu Will Smith und Michael B. Jordan –, öffentlich zu Poitiers enormem Einfluss auf ihre eigenen Karrieren bekannt.
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