Schon im vergangenen Jahr hob die für die Oscars zuständige Academy of Motion Picture Arts & Sciences die Abstimmungsvoraussetzungen für die Kategorien Live-Action und animierter Kurzfilm sowie für Dokumentarfilme auf. Nun werden auch in den beiden letzten Kategorien die Abstimmungsvoraussetzungen geändert. Bislang musste, wer über den Sieger in den Kategorien "Bester fremdsprachiger Film" und "Bester Dokumentar-Kurzfilm" abstimmen wollte, nachweisen, dass er alle Film bei speziellen Kinovorführungen gesehen hat. Diese Voraussetzung gibt es nun nicht mehr. Dies mache den Weg frei, den Academy-Mitgliedern auch DVD-Screener zu schicken, mit denen sie die nominierten Filme zu Hause sehen können. Der Nominierungsprozess selbst wird nicht verändert. Danach können sich Academy-Mitglieder freiwillig für eine Vorauswahlabstimmung melden. Aus den daraus gewonnen Listen überstehen die sechs besten Filme die erste Runde. Drei zusätzliche Kandidaten werden von einem kleinen Komitee bestimmt. Aus diesen neun Filmen werden dann die fünf Nominierten ausgewählt.
Kritik an der Neuregelung kommt vor allem von jenen, die nun fürchten, dass kleinere fremdsprachige Filme damit weniger Chancen auf einen Oscar-Sieg haben. So wird vor allem befürchtet, dass ein Gros der Academy-Mitglieder für den einen Film abstimmt, der vielleicht größer in den Kinos lief und daher gesehen wurde und sich nicht die Mühe macht, auch weitere Filme zu sehen. Tom Bernard, Co-Präsident von Sony Pictures Classics, die zahlreiche fremdsprachige Filme in den USA vertreiben, kritisierte dann auch gegenüber Deadline, dass es seiner Meinung nach wichtig sei, dass nur Leute abstimmen, die sich an diese Art Film gewöhnt haben und die solche Filme sich auch gerne anschauen.
Die Academy hält dagegen und verspricht sich eine Steigerung der Wahlbeteiligung in diesen Kategorien. Dies zeige das vergangene Jahr, als die Grenze schon für einige andere Kategorien aufgehoben wurde und insgesamt 90 % aller Academy-Mitglieder an der Oscar-Abstimmung teilgenommen haben. Zudem gebe man so auch den Academy-Mitgliedern die Möglichkeit zur Abstimmung, die an den Pflichtvorführungen nicht teilnehmen können.