"Pans Labyrinth" ist nur auf Platz 2: Guillermo del Toro verrät, welche Dreharbeiten in seiner Karriere die allerschlimmsten waren
Christoph Petersen
Christoph Petersen
-Chefredakteur
Schaut 800+ Filme im Jahr – immer auf der Suche nach diesen wahrhaftigen Momenten, in denen man dem Rätsel des Menschseins ein Stück näherkommt.

Im Herbst kommt eine restaurierte 4K-Fassung des dreifach oscarprämierten Fantasy-Meisterwerks „Pans Labyrinth“ in die Kinos. Jetzt feierte sie in Cannes Weltpremiere – in Anwesenheit von Guillermo del Toro höchstpersönlich.

Vor genau 20 Jahren feierte „Pans Labyrinth“ seine Weltpremiere in Cannes – als allerletzter Film des Wettbewerbs. Erst drei Jahre zuvor hatte „Oldboy“ von Park Chan-Wook die Tür dazu aufgestoßen, dass nicht mehr nur klassische Festival-Dramen, sondern auch radikale Genre-Stücke einen Platz an der Croisette haben (so wie später „Titane“ oder „The Substance“). Aber so richtig wusste vorher trotzdem niemand, was da jetzt auf einen zukommen würde. Auch einen Hype gab es vorab nicht wirklich.

Der Rest ist Geschichte, wie man so schön sagt: „Pans Labyrinth“ erhielt im Anschluss an die Premiere 23 Minuten lang stehende Ovationen – bis heute der längste Applaus der 80-jährigen Festival-Historie. Für Guillermo del Toro ist das immer noch schwer fassbar, wie er bei der Vorstellung der 4K-Fassung zum 20-jährigen Jubiläum verrät: „23 Minuten, das ist so lang wie ein typischer Arbeitsweg, von zuhause bis ins Büro.“

Ganz schön geheult

Mit so viel (unerwarteter) Liebe konnte del Toro zunächst gar nicht umgehen. Das Gesicht tränenverschmiert, hielt er Ausschau nach den nächstgelegenen Ausgängen. Besser wurde es erst, als ihm sein Kollege Alejandro González Iñárritu („The Revenant“) die „Erlaubnis“ gab, sich freuen zu dürfen: „Sie lieben dich, genieß das einfach.“ Die Goldene Palme ging 2006 zwar an „The Wind That Shakes The Barley“ von Ken Loach, aber „Pans Labyrinth“ erhielt dafür sechs Oscarnominierungen, darunter drei Siege für die Beste Kamera, die Beste Ausstattung und das Beste Make-up.

Zudem hat „Pans Labyrinth“ bis heute einen festen Platz im Herzen vieler Filmfans, die im Gegensatz zur anwesenden Hauptdarstellerin Ivana Baquero (inzwischen Anfang 30 und kein junges Mädchen mehr) scheinbar auch nicht älter werden: „Wenn ‚Hellboy‘-Fans auf mich zukommen, dann haben sie den Film mit 20 gesehen und sind jetzt 40. Aber wenn ‚Pans Labyrinth‘-Fans auf mich zukommen, dann sind das seit 20 Jahren immer junge Leute.“

20 Kilo Gewicht verloren

Es verwundert nicht, dass „Pans Labyrinth“ mit seinen hervorragend gealterten handgemachten Effekten und seiner zeitlosen antifaschistischen Botschaft auch nachrückende Kinogänger-Generationen immer wieder aufs Neue anspricht. Dabei war es alles andere als leicht, den Film in dieser Form auf die Beine zu stellen: Nachdem er jahrelang um die Finanzierung gekämpft hatte, fanden die Dreharbeiten zu „Pans Labyrinth“ in Spanien während der schlimmsten Dürre seit Langem statt. Künstlicher Nebel und Pyrotechnik aller Art waren deshalb am Set streng verboten – und del Toro musste sich spontan ganz neue Wege ausdenken, den angestrebten Look trotzdem zu erreichen.

Auch bei den Kreaturen wie dem Pale Man wollte er auf keinen Fall Kompromisse eingehen – und verzichtete deshalb nicht nur auf seine komplette Gage, sondern opferte obendrauf auch noch all seine persönlichen Ersparnisse für den Film. Kein Wunder, dass ihn das auch physisch massiv belastete – er verlor während der Dreharbeiten 20 Kilogramm an Körpergewicht.

"Schlimmer als die Entführung meines Vaters"

Guillermo del Toro bezeichnet „Pans Labyrinth“ deshalb auch diesmal wieder als die „zweitschlimmsten Dreharbeiten“ seiner Karriere – und ließ es sich nicht nehmen, erneut einen Giftpfeil an seine Lieblingsfeinde zu verschießen: „Auf Platz 1 ist übrigens ‚Mimic‘, den ich mit den Weinstein-Brüdern zusammen gemacht habe.“

Das ist übrigens noch eine vergleichbar harmlose Formulierung. 2017 brachte er es beim Lumière Film Festival in Lyon noch sehr viel krasser auf den Punkt: „Ich muss Ihnen sagen, in den späten Neunzigern passierten zwei schreckliche Dinge: Mein Vater wurde entführt und ich arbeitete mit den Weinsteins zusammen. Ich weiß, welches von beiden schlimmer war … die Entführung ergab mehr Sinn, da wusste ich wenigstens, was sie wollten.“

Auch nach der 4K-Premiere, bei der wir von FILMSTARTS anwesend waren, gab es wieder tosenden Applaus. Guillermo del Toro fing erneut an zu heulen, streckte dann aber zum Abschluss die Faust kämpferisch in die Höhe und brüllte laut in den Saal: „Fuck KI!“

In der von FILMSTARTS als Medienpartner begleiteten Kinoreihe „Best Of Cinema“ wird „Pans Labyrinth“ am 6. Oktober 2026 auch in die deutschen Kinos zurückkehren.

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