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    Nach neuerlichen Diskussionen wegen "Auslands-Oscar"-Einreichungen: Radikale Änderungen für die Zukunft möglich
    Von Björn Becher — 08.10.2013 um 09:55

    Es ist fast jedes Jahr eine Streitfrage: Welche Filme konkurrieren um den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film, den sogenannten "Auslands-Oscar"? Nachdem für die kommende Oscar-Verleihung die Teilnehmer (mit 76 eine Rekordzahl) feststanden, gab es sofort erneut Diskussionen. Mark Johnson, der Obmann des für diese Kategorie zuständigen Komitees versprach nun im Interview mit Deadline, sich die Probleme genau anzuschauen und stellte "radikale Änderungen" für die Zukunft in Aussicht.

    76 Filme wurden in diesem Jahr für den Besten nicht fremdsprachigen Films bei den Oscars eingereicht und während das Auswahlkomitee nun mit dem Sichtungsprozess beginnt, kochen die Diskussionen schon wieder hoch. Denn im Moment wählt jedes Land genau einen Beitrag aus, der ins Rennen geht. Dies sorgt anschließend immer für Diskussionen. So entschied sich Japan in diesem Jahr gegen den in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichneten und von Steven Spielberg in höchsten Tönen als einen der besten Filme des Jahres gelobten "Like Father, Like Son" und stattdessen für den Film "The Great Passage". In Indien sorgte es für großen Aufruhr und einen Streit quer durch die Kultursparten der nationalen Presse, dass statt des Films "The Lunchbox" der Film "The Good Road" ausgewählt wurde. Sowohl "Like Father, Like Son" als auch "The Lunchbox" galten im Vorfeld sogar als Mit-Favoriten für die Auszeichnung als Bester nicht-englischsprachiger Film bei den Oscars 2014, sind nun aber hier nicht mehr wählbar.

    Im Interview mit Deadline verriet nun Mark Johnson, dass er die stattdessen eingereichten Beiträge von Indien und Japan noch nicht gesehen habe und daher nicht über diese konkrete Fälle reden wolle, aber er denke, dass es Zeit für ein paar weitere radikale Änderungen sei. Man müsse ein paar der Schlüssel-Grundsätze für diese Kategorie überdenken. Ins Gespräch brachte er zum Beispiel die Möglichkeit mit sogenannten "Wild Cards" auch noch Filme aufzunehmen, die von ihren Auswahlländern ignoriert werden, oder Festival-Gewinner automatisch aufzunehmen. Doch man müsse dies genau überdenken. Zu beachten sei aber bei allen möglichen Änderungen, dass die Auszeichnung in dieser Kategorie eine ganz besondere sei. Es gewinne schließlich nicht der Regisseur den Preis, auch wenn er die Statue am Abend der Preisverleihung entgegen nimmt, sondern das Land. Es sei also natürlich problematisch, ein Land für einen Film auszuzeichnen, das diesen Film augenscheinlich gar nicht im Rennen haben will. So ist in diesem Jahr auch der hochgelobte Film "The Attack" nicht wählbar. Dieser wurde im Libanon aufgrund eines Gesetzes, das jeglichen Kontakt mit Israelis verbietet, aus den Kinos verbannt. Der Filme wurde zu Teilen in Tel Aviv mit israelischen Schauspielern gedreht. Nun den Libanon zum Beispiel für diesen Film auszuzeichnen, der selbstverständlich auch nicht eingereicht wurde, wäre sicher problematisch.

    Mark Johnson hat sich auch in der Vergangenheit nicht gescheut, Änderungen bei dieser umstrittenen Kategorie vorzunehmen. So führte er ein, dass ein kleines Exekutivkomitee noch eingereichte Filme in die Finalrunde hieven kann, die beim ersten Wahlgang vom großen Komitee "übersehen" wurden. Er führte zudem die Zwischenrunde mit neun Finalisten ein, aus denen ein Komitee mit 30 besonders ausgewählten Mitgliedern dann die fünf Filme auswählt, die eine Oscarnominierung bekommen. Auch in diesem Jahr gibt es eine Neuerung bei der "Auslandsoscar"-Kategorie: Zum ersten Mal bekommen alle Mitglieder der Academy Screener mit den fünf nominierten Filmen nach Hause geschickt und sind automatisch wahlberechtigt. Bisher waren nur Mitglieder wahlberechtigt, die nachweisen konnten, dass sie alle fünf Filme bei extra veranstalteten Kinovorführungen gesehen haben. Dies führte dazu, dass nur ein paar hundert Mitglieder der Academy schließlich an der Wahl teilnahmen. Diese führte genauso zu Kritik wie die Neuerung. Kritiker dieser befürchten, dass sich nun viele Academy-Mitglieder nicht mehr die Mühe machen, alle Filme zu schauen und so populäre Beiträge, die erfolgreich im Kino liefen, eine höhere Chance haben. Johnson will daher diese Neuerung genau im Auge behalten und sagte, er werde persönlich sicher stellen, dass auch bei dem neuen Prozess nur Mitglieder an der Wahl teilnehmen, die auch die fünf Filme wirklich alle gesehen haben.

    Die kommende Oscar-Verleihung findet am 2. März 2014 statt. Die Nominierungen werden bereits am 16. Januar 2014 bekannt gegeben. Für Deutschland geht "Zwei Leben" ins Rennen um den Oscar für den Besten nicht-englischsprachigen Film.

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