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    #WTF: Warum trägt Brad Pitt in "Fight Club" beim Sex eigentlich einen gelben Gummihandschuh?
    Von Andreas Staben — 01.08.2016 um 12:45

    In unserer wöchentlichen Trivia-Serie #WTF rollen wir unglaubliche, absurde, überraschende oder auch einfach nur saulustige Geschichten aus der Welt des Films neu auf. Außerdem könnt ihr über die #WTF-Story der kommenden Woche selbst mit abstimmen!

    David Finchers Mindfuck-Thriller „Fight Club“ ist einer der Kultfilme der 90er Jahre! Neben dem Twist-Finale diskutieren die Fans dabei seit mittlerweile mehr als 15 Jahren vor allem über ein Detail: Warum trägt Tyler Durden (Brad Pitt) einen gelben Gummihandschuh, als er vom Erzähler alias Jack (Edward Norton) beim Sex mit Marla Singer (Helena Bonham Carter) erwischt wird?



    Eine weitverbreitete Fantheorie lautet etwa, dass Marla Singer genau wie Tyler Durden nur noch eine weitere Persönlichkeit der identitätsgestörten Hauptfigur ist, die womöglich Jack heißt. In dieser Szene hätte dieser Jack also im Prinzip Sex mit sich selbst…

    Aber selbst wenn man sich mit diesem wenig plausiblen Szenario anfreunden kann, erklärt das immer noch nicht wirklich, was es mit dem Handschuh auf sich hat. Wobei: Vielleicht ist das mit dem Gummihandschuh ein ähnlicher Trick wie der, wo man sich vor dem Masturbieren so lange auf seine Hand setzt, bis sie eingeschlafen ist und sich nicht mehr wie ein Teil des eigenen Körpers anfühlt.

    Sexspielzeug, Folterinstrument oder doch nur da, um das Publikum an der Nase herumzuführen?

    Ähnliche unplausibel erscheint die verwandte Idee, dass Marla nur in der Vorstellung Jacks existiert, da sie einmal von sich selbst in der dritten Person spricht und sich dabei als Abfall bezeichnet – und Abfall sollte man eben besser nur mit einem solchen Hygienehandschuh anfassen.

    Der Film selbst liefert jedenfalls keine abschließende Erklärung - und genau so soll es laut Regisseur David Fincher auch sein: Er hat inzwischen nämlich zugegeben, dass er die Verantwortlichen bei Fox damit nur noch weiter verunsichern wollte, die wegen der Sexszenen und anderer von ihnen als kontrovers wahrgenommener Einzelheiten eh schon extrem nervös waren. Und tatsächlich war Produzentin Laura Ziskin angeblich so schockiert, als sie den Handschuh-Moment das erste Mal sah, dass sie sofort die ganze Szene aus dem Film herausschneiden lassen wollte.

    Was genau in Ziskins Kopfkino abgelaufen ist, das sie so entsetzt hat, ist genauso wenig überliefert wie Brad Pitts Gedanken, als er die spontane Idee hatte, sich den Handschuh überzustreifen. Und das ist wohl letztlich auch genau der Punkt: Die Szene ist ein Paradebeispiel für das sogenannte „You Don’t Want to Know“-Prinzip - die Antworten, die der Zuschauer sich selbst ausmalt, sind so unaussprechlich, grausam oder versaut, dass auch er gar nicht drüber sprechen will und lieber abblockt: „Das willst du gar nicht wissen!“

    Auch in „Jurassic Park III“ gibt es eine Szene, die nach dem „You Don’t Want to Know“-Prinzip abläuft.

    Nicht-Wissen regt ja bekanntlich die Fantasie an. Wenn es in einer – vom Prinzip her ähnlichen - Szene von „Jurassic Park III“ etwa darum geht, wie der Junge Eric (Trevor Morgan) an den mit Tyrannosaurus-Urin gefüllten Behälter gekommen ist, dann möchten wir auch das lieber nicht zu genau wissen, aber malen es uns trotzdem aus. Am Ende bleiben wir immer neugierig, deswegen ist das scheinbar nebensächliche, improvisierte Detail des gelben Handschuhs in „Fight Club“ eine weitere der vielen spannenden Kleinigkeiten, die diesen Film so unendlich faszinierend machen.

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