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    "Tote Mädchen lügen nicht" und die versteckten Details auf dem Jungenklo: Diese Kernaussagen werden schon in der 1. Episode verraten
    Von Manuel Berger — 14.05.2017 um 10:54

    In nur einer Minute werden fünf zentrale „13 Reasons Why“-Elemente auf ihre Essenz heruntergebrochen. Versteckte Inschriften zeichnen in besagter Szene ein deutliches Bild der Kernaussage der Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“.

    Netflix
    ACHTUNG SPOILER!

    Wie gehaltvoll und unerwartet tiefgehend Toiletten sein können, legte uns spätestens „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ nahe. Dort werden im Mädchenklo nicht nur Zaubertränke gebraut, maulende Geister bespaßt, sondern auch Tore zu altehrwürdigen Katakomben mit dunklen Geheimnissen geöffnet. Auch in „Tote Mädchen lügen nicht“ spielt das Mädchenklo der Schule eine Rolle: Die Mutter der Selbstmörderin Hannah Baker (Katherine Langford) entdeckt dort gehässige Wandschmierereien, die sie als Beweismaterial vor Gericht vorlegen möchte.

    Doch noch wesentlich bleibenderen Eindruck kann in der Serie die Jungstoilette hinterlassen, so man denn genau aufpasst. Denn bereits in den ersten Minuten der Show werden dort einige wesentliche Elemente von „Tote Mädchen lügen nicht“ vorweggenommen – sowohl auf narrativer als auch auf moralischer Ebene. Wandschmierereien spielen dabei ebenso eine Rolle wie einige Figuren. Wir haben euch fünf Aspekte herausgearbeitet, die innerhalb von nur einer Minute der ersten Episode („Kassette 1, Seite A“) auf dem Bubenklo thematisiert werden.

    1. Die Durchhalteparole
    Im Gegensatz zu den Sprüchen, die Hannahs Mutter (Kate Walsh) zu einem späterem Zeitpunkt unter Entsetzen entdeckt, befinden sich in der Kabine, die Clay (Dylan Minnette) in der ersten Episode betritt, durchaus welche mit positivem Inhalt. Eine lautet: „Don’t let the world bring you down“ – „Lass dich nicht von der Welt unterkriegen“. Nach Veröffentlichung der Serie wurden Vorwürfe gegen die Macher laut, sie würden zwar jede Menge Gründe für einen Selbstmord liefern, aber kaum welche dagegen. Hier positionieren sie sich klar und transportieren die Botschaft: Egal was auch passiert, egal was dir andere auch antun mögen – halte durch.

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    „Don’t let the world bring you down“ – „Lass dich nicht von der Welt unterkriegen“


    2. Der Anti-Vergewaltigunsslogan
    Im Laufe der ersten Staffel „Tote Mädchen lügen nicht“ wird der Zuschauer Zeuge von gleich zwei Vergewaltigungen. Hannah Baker wird ebenso Opfer eines Übergriffs wie ihre einstige beste Freundin Jessica Davis (Alisha Boe). Darauf wird mit der Zeile „No means no“ (dt.: „Nein heißt nein“) Bezug genommen – ein bekannter Anti-Vergewaltigungsslogan. Die angekündigte zweite Staffel der Serie wird sich vermutlich noch stärker mit diesem Thema auseinandersetzen.

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    „No means no“ - „Nein heißt nein“


    3. Der Vergewaltiger
    Bezeichnenderweise kommt kurz nachdem Clay seinen Kopf in Richtung der „No means no“-Anschrift gewendet hat der Täter der eben genannten Vergewaltigungsfälle in den Toilettenvorraum: Bryce Walker (Justin Prentice). Auf diese Weise wird sein später enthüllter Beitrag zum Tod von Hannah Baker bereits angedeutet. Auch die Tendenz von Bryce, sich nur bedingt als Schuldigen anzuerkennen wird bereits thematisiert: In der Szene telefoniert er gerade mit seiner Mutter und wiegelt ihr gegenüber eine offenbar schwerwiegende Anschuldigung vonseiten der Schule als Lappalie ab.

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    Bryce Walker - der Vergewaltiger Hannah Bakers und Jessica Davis'.


    4. Der Fotograf
    Neben Bryce und Clay befindet sich noch eine dritte Person auf der Toilette: Tyler Down (Devin Druid). In Hannahs Fall wird er verwickelt, weil er nachts vor ihrem Fenster kampierte und Fotos von ihr schoss. Diese Fotos wirkten sich nicht nur auf Hannah Baker, sondern auch auf Courtney Crimsen (Michelle Selene Ang) aus. Auch in der Toiletteszene ist Tyler mit seiner Kamera zu sehen – aus versteckter Position heraus fotografiert er durch das Toilettenfenster nach draußen. Clay spricht ihn auf sein merkwürdiges Verhalten an, lässt ihn aber gewähren.

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    Fotograf mit Tendenz zum Stalker: Tyler Down.


    5. Clays Zurückhaltung
    Auch Clay selbst, als zentraler Protagonist der Serie, spielt in der Szene natürlich eine Rolle. Wie bei Bryce und Tyler wird auch seiner der „13 Reasons Why“ schon jetzt geteasert. Denn das, was sich Clay nach dem Hören der Tapes vorwirft, ist seine Schüchternheit, seine Zurückhaltung gegenüber Hannah. Er ist der Meinung, hätte er sich getraut, dem Mädchen seine Liebe zu gestehen, hätte er es dadurch vielleicht retten können. Gleich zweimal kommt Clays Passivität auf dem Jungenklo zum Vorschein: Einmal, als er Tyler zwar beim heimlichen Fotografieren ertappt, sich dann aber mit einem Achselzucken abwendet. Und noch deutlicher, als schließlich Bryce die Toilette betritt: Nur vorsichtig späht Clay aus seiner Kabine, darauf bedacht, nur ja nicht von Bryce in seinem Versteck entdeckt zu werden. Auf Clays Gefühle für Hannah Baker könnte außerdem eine weitere, nur schwer entzifferbare Anschrift an der Kabinenwand Bezug nehmen: „Love is the warm feeling in your ribs“ -  „Liebe ist das warme Gefühl in deinen Rippen“...

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    Clay versteckt sich vor Bryce auf der Toilette.


    „Tote Mädchen lügen nicht“ sorgte seit seinem Erscheinen (Ende März 2017 auf Netflix) international für Aufsehen. Einerseits wurde gelobt, dass die Adaption von Jay Ashers Roman „13 Reasons Why“ wichtige Themen wie Mobbing, Suizid und sexuelle Übergriffe bei Jugendlichen in die filmische Landschaft brachte. Andererseits sorgten teils explizite Gewaltdarstellungen und mangelnde Lösungsansätze für Kritik. Eine zweite Staffel ist in Auftrag gegeben, der erste Teaser ist bereits zu sehen.




    Suizid ist kein Ausweg. Wenn deine Gedanken darum kreisen, dir das Leben zu nehmen, dann empfehlen wir dringend, dass du das Gespräch mit anderen Menschen suchst. Sprich mit deiner Familie oder deinen Freunden, einem Arzt oder Psychologen oder mit einer anderen Vertrauensperson darüber. Wenn du anonym bleiben willst, dann gibt es mehrere Angebote der TelefonSeelsorge, die nicht nur kostenfrei, sondern auch absolut vertraulich sind (und zum Beispiel auch nicht auf der Telefonrechnung auftauchen). Unter den Nummern 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 wird dir geholfen. Alternativ kann man sich auf der Webseite der TelefonSeelsorge auch einen Chattermin vereinbaren oder die Mailberatung in Anspruch nehmen. Auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention gibt es zudem eine Übersicht über weitere Beratungsstellen.
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