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    byNWR: Kostenlose Netflix-Alternative des "Drive"-Regisseurs ab sofort verfügbar
    Von Daniel Fabian — 31.07.2018 um 13:30

    Auf seiner eigenen Streaming-Plattform präsentiert euch Regisseur Nicolas Winding Refn ab sofort vermeintlich in Vergessenheit geratene Kultfilme fernab des Mainstreams in restaurierter Fassung – und zwar völlig kostenlos!

    Koch Films

    Regisseur Nicolas Winding Refn ist bekannt dafür, anzuecken. Er will sein Publikum mit jedem seiner Filme, wie er selbst sagt, überraschen, vor den Kopf stoßen, ihm am besten den Boden unter den Füßen wegreißen. Nachdem der Däne aber eine Zeit lang in den USA lebte, käme es ihm so vor, als wäre Kino wie chinesisches Essen geworden: Es gibt dir billige, unmittelbare Freude wie ein Orgasmus, ist aber weder gesund noch interessant. Aus diesem Missstand heraus entstand die Motivation, eine kreative, gewagte Alternative zu Netflix & Co zu schaffen, die vielleicht am guten Geschmack vorbei zielt, unweigerlich auf Grundpfeiler wie Sex und Horror baut und deswegen vielerorts wohl als Trash abgetan wird – doch Refn will ein Zeichen setzen; und genau das macht er jetzt mit der Streaming-Plattform byNWR, die ab sofort online ist.

    Das Programm

    Aus der Leidenschaft für das Ungewöhnliche, das Vergessene und Unbekannte heraus soll dem Faszinierenden, aber auch dem Extremen des Kinos mit bynwr.com neues Leben eingehaucht werden. Neben Filmen wie „Hot Thrills And Warm Chills“, „Shanty Tramp“ oder „The Nest Of The Cuckoo Birds“, die laut Refn teilweise keinen Funken guten Geschmack enthalten und nicht identifizierbare Genres bedienen, stellt der Däne auf seiner komplett kostenlosen Plattform auch Artikel und Abhandlungen verschiedener Redakteure, die seine Leidenschaft teilen, rund um das Thema Nischenfilm bereit – etwa über das Sexploitation-Genre - Texas Style!

    Das Programm soll mit jedem Quartal erweitert werden, sodass Fans von Nischenfilmen schon bald auf ein breitgefächertes Archiv des Abstrusen und Vergessenen, des Provokativen und Totgeschwiegenen zugreifen können. Als Gewinner soll dabei vor allem die herausfordernde Kunst hervorgehen, die etwas wagt, sich nicht davor scheut, anzuecken oder nicht gemocht zu werden – und die dadurch am Leben erhalten werden soll.

    Finanziert durch Werbung, die keiner sehen will

    Um so einen Service (vor allem kostenlos) zur Verfügung zu stellen, bedarf es monetärer Mittel. Refn stämmt das Projekt gemeinsam mit der Londoner Agentur Bureau, dem Harvard Film Archiv, der Online-Videothek MUBI sowie Milan Records, finanziert das Ganze aber nicht zuletzt auch aus eigener Tasche – und zwar mit Einnahmen aus seiner Werbefilmproduktion, wie er selbst sagt:

    Werbung, die wir eigentlich nicht sehen wollen, finanziert das alles.

    Das Netflix für den Nischenfilm

    In Anbetracht der Inhalte, die Nicolas Winding Refn seinem Publikum mit byNWR offenlegen will, kann genau genommen kaum von einer Alternative zu beliebten Streaming-Plattformen die Rede sein – ist das Portal doch eher eine kleine, aber feine Ergänzung. Denn auch wenn Netflix und Amazon Prime Video immer wieder Klassiker in ihr Programm nehmen, leben die VoD-Giganten allen voran von aktuellen sowie hauseigenen Produktionen. Mit byNWR sollen wir uns hingegen nicht nur an längst in Vergessenheit geratene Nischenfilme erinnern, sondern nicht zuletzt auch an die künstlerische Freiheit, in welcher sich – laut Refn – immer mehr Filmemacher einschränken (lassen). Refn selbst versucht sich derweilen mit seinen eigenen Filmen gegen jene immer steifer werdenden Konventionen Hollywoods zu wehren, etwa mit „Walhalla Rising“, „Drive“ oder „The Neon Demon“.

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