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    Das macht "Star Wars 9" besser als die anderen neuen "Star Wars"-Filme
    Von Martin Ramm — 28.12.2019 um 08:47

    Sicher, mit „Episode 9: Der Aufstieg Skywalkers“ kann man so seine Probleme haben. J.J. Abrams' Film liefert einige gute Gründe dafür. Aber er bringt auch einen schmerzlich vermissten Bestandteil zurück, der "Star Wars" einmal auszeichnete.

    The Walt Disney Company

    +++ Meinung (mit leichten Spoilern) +++

    Zur „Star Wars“-DNA gehören viele Elemente: Lichtschwerter, fatalistische Verwandtschaftsbeziehungen, das Mysterium der Macht, Politik und und und. Und alles wurde sowohl von der verfemten Prequel-Trilogie als auch von Episode 7 und 8 ausgiebig bedient.

    Ein ganz elementarer Bestandteil der „Star Wars“-Essenz wurde seit der Ur-Trilogie aber weitestgehend ignoriert: Die kleinen Abenteuer-Episoden an exotischen Schauplätzen, die mit der Rahmenhandlung nichts am Hut haben. Die „Indiana Jones“-Elemente, wenn man so möchte, die vielgestaltigen Side-Quests am Wegesrand. Und hier besinnt sich gerade „Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers“ wieder auf alte Tugenden.

    Das eigentliche "Star Wars"-Erfolgsrezept…

    Was mich damals am meisten kitzelte, als ich „Star Wars“ in den 90ern kennenlernte, war nicht der zweckmäßige Kampf Hell gegen Dunkel, sondern die verwinkelten Gänge von Jabba dem Hutte auf Tatooine. Oder der Moment, an dem Luke durch die menschenfeindliche Schneewüste stapft und von einem Wampa in dessen Speisekammer für den baldigen Verzehr aufgehangen wird. Oder die Flucht des Millennium Falken in einen vermeintlichen Asteroiden, der sich dann als Exogorth-Weltraumschnecke inklusive Flatterbewohner herausstellt. Was für eine Achterbahnfahrt, wie toll!

    Früher befand sich der Handlungsüberbau viel stärker im Hintergrund und diente eher dazu, die einzelnen spektakulären Erlebnisse sympathischer Figuren an entlegenen Orten miteinander zu verbinden. Im eigentlichen Zentrum stand vielmehr die Erkundung eines fantastischen Universums, in dem wirklich alles möglich schien. Denn das ist der große Vorteil davon, dass „Star Wars“ kein unterkühltes Hard-Sci-Fi-Universum darstellt, sondern in einer fremdartigen Märchenwelt vor langer Zeit angesiedelt ist. Und ich bin überzeugt: Das machte „Star Wars“ zu dem einzigartigen Kultphänomen, das es bis heute ist.

    Lucasfilm
    Aufregend: Weltraumschnecke schnappt nach dem Millennium Falken am Ende einer turbulenten, mehrstufigen Flucht

    …das die neuen Filme verkennen

    Und ich bin ebenfalls davon überzeugt, dass sowohl die Prequels als auch die neuen Teile vielen Leuten sauer aufstoßen, weil genau das viel zu sehr vernachlässigt wird. Die nach wie vor fantastisch und einladend aussehenden Planeten dienen hier nur noch als austauschbare Kulissen für die immergleichen Konfrontationen der immergleichen Fraktionen. Im Vordergrund steht das Geplänkel der Protagonisten, das repetitive Ränkeschmieden und der Gram, den Gut und Böse aufeinander haben, nicht mehr aber das unschuldige, ausgelassene Erlebnis.

    Die großen Geschichten sind, wenn man ehrlich ist, aber nicht übermäßig interessant. Dass die Underdog-Rebellen das faschistische System mit Herz und Cleverness austricksen müssen, ist sicher auch nach Jahrzehnten der Wiederholung noch charmant – aber eben doch nicht das ergiebigste an den Erzählungen. Und genau hier stimme ich Kollege Tobias zu, wenn er feststellt: Auf den Plot kommt es nicht an.

    Ich persönlich will viel lieber miterleben, wie die sympathischen Figuren in unerwartete Zwickmühlen geraten als die x-te durchrationalisierte Hetzjagd zwischen Rey, Kylo Ren und ihren Anhängseln. Denn unschuldiges Abenteuer-Tohuwabohu erlebt man dieser Tage kaum noch irgendwo. Und „Star Wars“ stand einmal genau dafür.

    Abrams zeigt in "Episode 9", was "Star Wars" ausmacht

    Regisseur J.J. Abrams scheint das irgendwie zu wissen. Denn in seine Filme findet dieses verschollene Element, wenn auch nur in reduzierter Form, wieder Eingang. Und während es in „Star Wars 7“ nur Platz für eine klitzekleine Episode mit den Rathtar-Biestern an Bord des Millennium Falken gab, ist er in „Star Wars 9“ schon etwas großzügiger.

    Hier landen Rey, Finn und Poe nach einer turbulenten Ereigniskette mitten auf einer treibsandartigen Masse auf dem Wüstenplaneten Pasaana, werden von ihr geschluckt und unterirdisch wieder ausgespuckt – nur um festzustellen, dass sie sich in einem Gängegewirr befinden. Und zu allem Überfluss lauert in diesem auch noch eine unsichtbare Gefahr – eine Alien-Kreatur, die sich nicht um das politische Kräftemessen kümmert, sondern ihre ganz eigene Alien-Kreaturen-Agenda verfolgt. Und dann wird da auch noch ein altes Artefakt aufgestöbert!

    Hier ist all das drin, was sich mein kindliches Herz von „Star Wars“ erwünscht: Die Planeten sind nicht nur Schauplatz, sondern Erlebnisort, der aktiver Bestandteil der Handlung ist. Kurz liegt ein Gefühl von Geheimnis, von Mysterium über allem. Und für einen Augenblick fühle ich mich wie damals, als ich gebannt vor dem Bildschirm saß, die Luft anhielt und nicht zu blinzeln wagte, weil ich auf keinen Fall verpassen wollte, welche Wunder mir dieser unerschlossene Ort offenbart.

    Die oben beschriebene Sequenz führte mir jedenfalls endlich wieder vor Augen, was mich damals so an diesem Franchise begeisterte. Und macht auch klar, wieso mich der im Grunde gute „Star Wars 8“ nie so recht zu fesseln wusste.

    „Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers“ läuft seit dem 18. Dezember 2019 in den Kinos.

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    "Star Wars 9": Der Umgang mit dieser Figur macht Fans wütend

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