Schnell-Bewerter
Mein FILMSTARTS
    Heute im TV: Ein brutales Meisterwerk, bei dem die Gewalt dem Publikum ins Gesicht springt
    Von Björn Becher — 18.04.2021 um 12:01

    Mit „Bonnie und Clyde“ wurde das Hollywood-Kino gleich auf mehrere Arten revolutioniert. Ein Faktor ist auch das Maß an Gewalt, das damals einzigartig war. Doch das Meisterwerk besticht auch noch darüber hinaus und ist unser TV-Tipp des Tages.

    Warner Bros.

    Als „Bonnie und Clyde“ in die Kinos kam, reagierte die Öffentlichkeit entsetzt: Kritiker verrissen den Film, machten ihn lächerlich, das Publikum blieb fern und Kinos schmissen ihn wieder aus dem Programm. Doch Hauptdarsteller und Produzent Warren Beatty kämpfte um sein Werk, ließ es wieder in die Kinos bringen, bezahlte zusätzliche Werbung aus eigener Tasche – und gewann...

    Nach und nach fand das brutale Action-Thriller-Drama sein Publikum, wurde gefeiert und zum Hit, schließlich für zehn Oscars nominiert und gilt heute als einer der besten Filme aller Zeiten.

    ARTE zeigt den so kompromisslosen wie herausragenden Action-Thriller am heutigen Sonntag, den 18. April um 20.15 Uhr. Als Stream geliehen oder gekauft werden kann der Film bei Amazon Prime Video, iTunes und Co. und es gibt ihn natürlich auch auf DVD und Blu-ray.

    » "Bonnie und Clyde" bei Amazon*

    "Bonnie und Clyde": Das neue Hollywood

    Im Mittelpunkt von „Bonnie und Clyde“ steht das titelgebende Gangsterduo, das wirklich in den 1930er-Jahren sein Unwesen trieb. Als die von der texanischen Provinz gelangweilte Kellnerin Bonnie (Faye Dunaway) den attraktiven Clyde (Warren Beatty) beim Autoklau erwischt, ist sie so fasziniert von seinen Geschichten übers Gangsterleben, dass sie sich ihm kurzerhand anschließt.

    Bald ziehen sie gemeinsam durchs Land, überfallen Banken und hinterlassen eine Blutspur. Während das Gesetz auf ihren Fersen ist, gibt es aus der Bevölkerung auch Beifall für ihren Aufstand gegen Autoritäten...

    Hauptdarsteller und Produzent Warren Beatty sowie Regisseur Arthur Penn brachten „Bonnie und Clyde“ gemeinsam auf einen Weg, bei dem sie wohl sehr oft sehr unterschiedlicher Ansicht waren. Nachdem es bereits im Vorfeld oft krachte (so weigerte sich Beatty seine Figur als bisexuell darzustellen), ging es am Set hoch her. Die Geschichten stundenlanger Streitgespräche zwischen Regisseur und Schauspieler sind legendär. Doch sie einte der Gedanke, es anders zu machen, als es in Hollywood üblich war.

    So drehten sie zum Entsetzen der Branche fernab der kontrollierten Hollywood-Studio-Komplexe dort, wo ihr Film spielte. Und sie widersetzten sich dem bis dato üblichen Branchenprozedere, für die Besetzung des Films einfach die beim Studio fest angestellten Schauspielerinnen und Schauspieler zu verpflichten. Stattdessen suchten sie sich ihren Cast selbst, fanden am Theater und beim TV unter anderem Michael J. PollardEstelle Parsons und Gene Hackman, die alle für ihre Nebenrollen oscarnominiert wurden (Parsons gewann sogar) und so gar nicht dem entsprachen, was man in Hollywood als „Kino-Gesicht“ verstand.

    Die besten Actionfilme auf Netflix - sortiert nach euren Bewertungen

    Doch nicht nur damit revolutionierten und veränderten sie die Filmbranche nachhaltig und eröffneten das sogenannte New Hollywood Kino, die neue Ära der Traumfabrik, mit. Vor allem unterschied sich ihr kompromissloser Ansatz von allem, was in Hollywood bisher so produziert wurde. Damit revolutionierte „Bonnie und Clyde“ das Action-Kino und prägt so auch heute noch Produktionen.

    Vorher war es bei brutalen Szenen üblich, sie mit einem ganz einfachen Trick zu entschärfen. Wenn auf jemanden geschossen wurde, gab es den Treffer erst nach einem Schnitt in der nächsten Einstellung. Das schafft Distanz, mildert die Brutalität. Doch Arthur Penn wollte es anders machen, zeigte den ganzen Weg der Kugel, Schuss und Treffer in einem Bild, machte so die Brutalität der Schießerei für das Publikum greifbar.

    „Die Gewalt soll den Leuten förmlich ins Gesicht springen“, ist sein berühmter Ausspruch über seinen Ansatz.

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "Bonnie und Clyde"

    Das alles gipfelt in einem der besten (und auch brutalsten) Enden der Filmgeschichte. Allzu viel wollen wir hier natürlich nicht verraten, doch auch das Todesballett, bei dem in Zeitlupe Menschen zerfetzt werden, veränderte die Filmgeschichte. Sam Peckinpah inspirierte es kurze Zeit später zu seinem Western-Meisterwerk „The Wild Bunch“, es färbte auf das sogenannte Heroic-Bloodshed-Kino von John Woo („The Killer“, „A Better Tomorrow“) ab und prägte damit das von „Matrix“ mitbegründete moderne Hollywood-Action-Kino.

    Gerade wer Action-Kino liebt, sollte „Bonnie und Clyde“ gesehen haben. Daher ist das unser TV-Tipp des Tages.

    Als wir vor einigen Jahren in einer großen Aktion die 100 besten Filme aller Zeiten wählten und in einer Videoserie vorstellten, war auch „Bonnie und Clyde“ darunter. Im nachfolgenden Video erfahrt ihr noch mehr über diesen Klassiker:

    *Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.

    facebook Tweet
    Ähnliche Nachrichten
    Das könnte dich auch interessieren
    Back to Top