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    Von wegen schlechtester MCU-Film: "Eternals" ist viel besser als sein Ruf
    14.01.2022 um 17:45
    Benjamin Hecht
    Benjamin Hecht
    -Redakteur
    Kann es selbst kaum glauben, dass er nach über 20 MCU-Filmen (und -Serien) immer noch nicht genug von Marvel hat.

    Seit 12. Januar gibt es „Eternals“ auf Disney+. Den Kritiken nach handelt es sich dabei um den schlechtesten MCU-Film überhaupt. FILMSTARTS-Redakteur Benjamin widerspricht diesem Urteil. Er hält „Eternals“ für massiv unterschätzt.

    Walt Disney

    +++ Meinung +++

    Wenn man wissen will, wie gut ein Film bei der Fachpresse ankommt, dann gibt es dafür zwei große Internetplattformen, auf denen Kritiken gesammelt und ausgewertet werden: Rotten Tomatoes und Metacritic.

    Doch egal, bei welchem davon man nachschaut: „Eternals“ schneidet in beiden Fällen von allen MCU-Filmen am schlechtesten ab. 47 Prozent positive Rezensionen bei Rotten Tomatoes und 52 Prozent Durchschnittswertung bei Metacritic sind erschreckend schlechte Werte und meiner Meinung nach überhaupt nicht gerechtfertigt. „Eternals“ ist zwar kein Meisterwerk, aber durchaus einer der stärksten Superheld*innenfilme der vergangenen Jahre. Seit Kurzem ist der Film bei Disney+ ohne Zusatzkosten verfügbar:

    ›› "Eternals" bei Disney+*

    Kurzweilig trotz Überlänge

    Ein häufig genannter Kritikpunkt an „Eternals“ ist die Überlänge. Mit 157 Minuten Laufzeit handelt es sich um den drittlängsten MCU-Film (nach „Endgame“ und „Infinity War“). Trotzdem kam bei mir zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf, was an mehreren Faktoren liegt.

    Zum einen erweitert „Eternals“ die Marvel-Mythologie auf faszinierende Art und Weise. Celestials, Eternals und Deviants: Damit konnte ich vor diesem Film überhaupt nichts anfangen. Und ehrlich gesagt hatte ich befürchtet, dass mich die kosmischen Giganten und gottgleichen Wesen mit ihrer Übermacht eher stören würden. Je größer das Spektakel, je größenwahnsinniger die aufeinanderprallenden Kräfte, desto langweiliger ist oft das Ergebnis, da man als Mensch keinen persönlichen Bezug mehr dazu aufbauen kann.

    Doch hier kommt Regisseurin Chloé Zhao ins Spiel, bekannt als talentierte Autorin intimer Dramen wie dem Oscar-Gewinner „Nomadland“, mit dem sie ihr Einfühlungsvermögen poetisch auf die Leinwand bannte. Chao schafft es, selbst den Göttern und Göttinnen von „Eternals“ menschliche Züge zu verleihen. Der Fokus liegt hier nicht auf Action-Bombast und Spektakel (das allerdings auch nicht zu kurz kommt), sondern auf den inneren Konflikten der einzelnen Figuren sowie auf deren oft angespannte Gruppendynamik.

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    Die Eternals haben von den Celestials den Auftrag bekommen, die Menschen vor den Deviants zu beschützen. Warum? Das weiß nur die Anführerin Ajak (Salma Hayek). Doch natürlich sind auch die anderen Übermenschen neugierig, wollen wissen, was ihr Sinn und Zweck auf diesem Planeten ist und ob sie überhaupt das Richtige tun.

    Das Mysterium um den Auftrag der Eternals sorgt nicht nur ein durchgehendes Maß an Spannung, sondern ist auch dann noch interessant, als es schließlich aufgeklärt wird.

    "Eternals" regt zum Denken an

    Denn die Wahrheit über ihre Mission stellt die Eternals durchaus vor ein moralisches Dilemma, das ich hier aus Spoilergründen nicht vorwegnehmen möchte. Nur so viel sei verraten: Wie auch schon der gefeierte MCU-Schurke Thanos haben die Bösewichte in „Eternals“ durchaus einen nachvollziehbaren Grund für ihre nichtsdestotrotz grausamen Taten.

    Zudem schwingt auch immer die Frage über das Wesen der Menschheit mit. Sind wir wirklich dazu verdammt, auf wenig miteinander Krieg zu führen? Werden wir neue Technologien auch immer dazu nutzen, unsere Macht gegenüber anderen auszubauen? Und wie würde es uns Menschen ergehen, wären wir wie die Eternals unsterblich?

    Chloé Zhao gibt uns auch keine definitiven Antworten auf diese Fragen. Wie der Marvel-Film zeigt, findet zwar jede Persönlichkeit ihren eigenen Weg, mit der existenzialistischen Sinnsuche umzugehen – der eine wird Bollywood-Star, der andere gründet eine Kommune und wieder ein anderer perfektioniert seine Kochkünste – doch allein das Gedankenspiel, wie ich in deren Situation handeln würde, hat mich bei Laune gehalten.

    "Eternals" sollte ursprünglich sogar 12 (!) Hauptfiguren haben: Diese Marvel-Helden wurden rausgestrichen

    „Eternals“ belohnt meine Aufmerksamkeit mit diesen faszinierenden Denkanstößen, während der gefeierte und viel erfolgreichere Marvel-Hit „Spider-Man: No Way Home“ schlechter wird, je öfter ich darüber nachdenke.

    Alle Logikfehler beiseite wirken die Menschen im aktuellen Spidey-Film eben nicht menschlich, sondern wie Figuren auf dem Schachbrett der Marvel-Marketing-Abteilung. Die Konflikte in „Spider-Man“ fühlen sich furchtbar forciert an, die in „Eternals“ ergeben sich aus tragischen Schicksalen und einem verzwickten Dilemma von kosmischer Dimension.

    Ein Gefühl der Bedrohung

    „Eternals“ hielt mich aber noch aus einem weiteren Grund stets bei der Stange. Die wenigsten Marvel-Filme schaffen es, ein echtes Gefühl der Bedrohung zu erzeugen. Selten muss man damit rechnen, dass eine wichtige Figur ihr Leben lässt. Bei „Eternals“ zitterte ich zwischenzeitlich aber um jeden einzelnen und jede einzelne der Held*innen.

    In diesem Film gibt es Konsequenzen und da man als Zuschauer*in nicht weiß, wie groß die Pläne für die Zukunft der Eternals im MCU sind und ob diese überhaupt noch für weitere Filme gebraucht werden, lässt sich schwer vorhersagen, wer „Eternals“ am Ende überlebt.

    Hier sei nochmal Chloé Zhao, ihr Autorenteam und der fantastische Cast hervorgehoben, die es schaffen, eine zehnköpfige Superheld*innen-Truppe innerhalb eines Filmes komplett neu einzuführen und dabei jeder Figur genug Profil zu geben, um mit ihr mitzufiebern.

    Zwar hat „Eternals“ durchaus auch seine Schwächen. So wird aus den Deviants am Ende trotz guter Ansätze zu wenig herausgeholt und an der ein oder anderen Stelle wirkt der MCU-typische Humor reichlich deplatziert. Doch alles in allem war „Eternals“ ein großartiges Kinoerlebnis mit einer für Marvel-Verhältnisse ungewohnten philosophischen Tiefe, das mich die vollen 157 Minuten lang bestens unterhalten hat.

    *Bei diesem Link zu Disney+ handelt es sich um einen Affiliate-Link. Mit dem Abschluss eines Abos über diesen Link unterstützt ihr FILMSTARTS. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.

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