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    Besser als je zuvor: Einer der besten Filme der 90er feiert Heimkino-Comeback
    09.07.2022 um 13:00
    Sidney Schering
    Sidney Schering
    -Freier Autor und Kritiker
    Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

    Es ist einer der besten Filme der 1990er-Jahre und wurde zur besten Regiearbeit einer Frau in der Geschichte des Kinos gewählt. Jetzt ist „Das Piano“ in Deutschland erstmals als 4K-Blu-ray erschienen.

    StudioCanal

    +++ Meinung +++

    Für ein stilles Drama hat „Das Piano“ wahrlich lautes, positives Echo hervorgerufen: Es wurde für acht Oscars nominiert – und gewann in drei Kategorien. Er erhielt die Goldene Palme bei den Filmfestspielen von Cannes. Die BBC wählte „Das Piano“ 2019 zum besten Kinofilm, der je von einer Frau inszeniert wurde. Und obwohl dies ein emotional intensives, teils schwer verdauliches Drama ist, fand es großen Anklang beim zahlenden Publikum: An den Kinokassen nahm das Meisterwerk von Regisseurin Jane Campion etwa das Zwanzigfache seines Budgets ein.

    Kürzlich feierte der Film, der in der FILMSTARTS-Kritik die vollen 5 Sterne erhalten hat, in den deutschen Kinos eine Wiederaufführung mit restauriertem Ton und Bild in 4K-Qualität. Nun reicht StudioCanal konsequenterweise ein lang erwartetes Heimkino-Debüt nach: „Das Piano“ gibt es seit dieser Woche erstmals als 4K-Blu-ray:

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    Der 4K-Edition liegt „Das Piano“ zudem auf Standard-Blu-ray bei. Alternativ könnt ihr aber natürlich auch zur Blu-ray-Neuauflage greifen, die am 11. August 2022 erscheint und schon jetzt vorbestellbar ist. Die frühere deutsche Blu-ray-Auflage des Films ist mittlerweile zumeist nur noch gebraucht zu bekommen.

    "Das Piano": Intensives Schauspielkino

    Mitte des 19. Jahrhunderts: Die stumme Schottin Ada (Holly Hunter) wird von ihrem Vater an den Neuseeländer Alistair Stewart (Sam Neill) verkauft. Der duldet in seinem Haus zwar Adas Tochter Flora (Anna Paquin), nicht aber ihr geliebtes Piano. Als Ada den in der Nähe lebenden George Baines (Harvey Keitel) bittet, sie dorthin zu führen, wo das Piano zurückgelassen wurde, willigt er ein. Zunächst bittet er sie im Gegenzug darum, ihm das Klavierspielen beizubringen – doch schon bald verlangt er mehr...

    Über 3 Stunden Laufzeit & die vollen 5 Sterne in der FILMSTARTS-Kritik: Western-Epos erscheint neu fürs Heimkino

    Jane Campion ist eine Meisterin darin, unfassbar dichte Atmosphäre zu kreieren – das zeigte sie kürzlich auch im Netflix-Westerndrama „The Power Of The Dog“, für das sie mit dem Regie-Oscar ausgezeichnet wurde. Doch so eindringlich die Stimmung dieses Westerns sein mag, „Das Piano“ ist noch intensiver: Campion lässt ihr Publikum tief ins zugewucherte neuseeländische Nirgendwo abtauchen und versetzt es förmlich in die Schuhe ihrer Hauptfigur, die als junges Mädchen beschlossen hat, nie mehr zu reden.

    Hunter gibt als Protagonistin eine virtuose Performance ab. Sie erfüllt die nach außen hin so sanft und angreifbar wirkende Frau mit Stolz, Widerstandsfähigkeit und einem wortlos überdeutlich vermittelten Willen. Die Empathie, die wir für Ada entwickeln, trägt geradezu faszinierende Blüten: Campion erzeugt mit der Frage, ob Ada ihrem selbst auferlegten Schweigegelübde weiter folgen wird, oder Adas teils erschütternden Rückschläge ihr ein Wort entlocken werden, enorme Spannung.

    Das Piano

    Auch Paquin glänzt: Sie verkörpert Flora glaubwürdig als charakterlich komplexes, mit seiner Situation überfordertes Mädchen, das versucht, seine Mutter zu unterstützen, aber wiederholt impulsartige, folgenschwere Entscheidungen trifft. Und auch die zwei wichtigsten Männerrollen im Film werden facettenreich ausgefüllt, selbst wenn Neill und Keitel für das lange Nachhallen von „Das Piano“ weniger von Belang sind als der unter die Haut gehende Score von Michael Nyman.

    Nymans Musik, die opulenten, ins Naturalistische gleitenden Landschaftsbilder und die komplizierte, daher so einnehmende Figurendynamik machen „Das Piano“ zu einem Drama mit enormer Sogwirkung. Darüber hinaus lassen Campions Erzählweise und Bildsprache viel Interpretationsspielraum diesbezüglich zu, wie man die Handlung, die Figuren und ihre Psyche deuten kann. Campion wirft diese Fragen so geschickt auf, dass sie riesige Lust erzeugen, sich „Das Piano“ direkt erneut anzuschauen. Und für ein beklemmendes Drama ist das eine durchaus beeindruckende Leistung!

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