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    "Nope": Das Ende von Jordan Peeles Sci-Fi-Horrorfilm erklärt
    Pascal Reis
    Pascal Reis
    -Redakteur
    Ob "Rosemaries Baby", "Halloween", "Cannibal Holocaust" oder "Scream": Pascal liebt das Horrorkino in seiner ganzen verstörenden Schönheit.

    Mit „Nope“ erwartet uns nun der neue Streich von Jordan Peele („Get Out“, „Wir“) in den deutschen Kinos – und zwar ein Sci-Fi-Horrorfilm. Mysterien und Unfassbares sind Thema des Films – doch was geschieht im Finale eigentlich genau?

    Achtung: Es folgen massive Spoiler zum Ende von „Nope“!

    Im Mittelpunkt von „Nope“ stehen Otis „OJ“ (Daniel Kaluuya) und seine Schwester Emerald „Em“ Hywood (Keke Palmer), die Zeuge einer seltsamen Erscheinung inmitten der Wolken werden. Schon bald ist ihnen klar, dass es sich dabei um ein UFO handeln muss. Was es mit der fliegenden Untertasse auf sich hat, wird jedoch erst im Finale klar.

    Denn obgleich das unbekannte Flugobjekt 100% dem Klischee entspricht, wie man UFOs aus Science-Fiction-Filmen der Vergangenheit kennengelernt hat, bewegt es sich viel zu schnell und scheint hinzu Jagd auf Menschen und Tiere zu machen, die ihren Blick gen Himmel richten. Das liegt daran, dass es sich hier nicht um ein Fluggefährt an und für sich handelt, sondern um ein extraterristisches Raubtier (welches in eigentlicher Form etwas von einer majestätischen Mischung aus Qualle und Blume hat, wie man am Ende sieht), dessen Jagdgebiet eben die Ranch der Haywoods ist.

    Da das außerirdische Wesen alles aufsaugt, was sich ihm mit Blickkontakt in den Weg stellt, werden auch Gegenstände inhaliert, die im Anschluss immer wieder vom Himmel über der Ranch regnen – auf diesem Wege ist einst auch OJs und Ems Vater durch eine Münze ums Leben gekommen. Wenn man so möchte, dann steckt in diesem wunderbar kreativen Ansatz auch eine starke Metapher, nämlich eine düstere Abrechnung mit der eigenen Schaulust. In „Nope“ fallen Menschen und Tiere daher quasi ihrem eigenen Voyeurismus zum Opfer.

    Ein unbesiegbarer Feind?

    Wie man bereits zu Anfang bemerkt, scheint der außerirdische Jäger über eine Art elektromagnetisches Feld zu verfügen, welches in der Lage ist, sämtlichen Strom und elektronische Gerätschaften in seinem Umfeld untätig zu machen. Deswegen werden unzählige Schlauchmännchen verteilt, deren Inaktivität als Zeichen dafür gewertet wird, dass die Kreatur in der Nähe ist. Zudem ist das Wesen in der Lage, dichte Wolken um sich herum zu kreieren, um seinen Opfern so mittels perfekter Tarnung aufzulauern. Ein scheinbar unbesiegbarer Gegner, oder?

    Da es sich bei dem Alien aber um ein instinktgetriebenes Tier handelt, bemerkt OJ schnell, dass sich hinter dessen Verhalten eine gewisse Regelhaftigkeit verbirgt, die es auszutricksten gilt. Zusammen mit dem Überwachungstechniker Angel (Brandon Perea) und dem Kameramann Antlers Holst (Michael Wincott) versucht sich das Geschwisterpaar nun daran, dem Wesen etwas zu fressen zu geben, was diesem überhaupt nicht gut bekommt.

    Nachdem der Plan durch einen sensationsgierigen Reporter auf einem Motorrad erst einmal droht, voll in die Hose zu gehen, Kameramann Holst kurz darauf dabei ums Leben kommt, ein perfektes Bild des außerirdischen Ungetüms zu schießen und letztlich auch nicht gänzlich klar ist, ob Angel den Angriff des Aliens überlebt hat (zwar wurde er nicht aufgesaugt, aber ist aus großer Höhe in Stacheldraht gewickelt auf den Boden gekracht), ist es letztlich an den Haywoods (bzw. vor allem Em) gelegen, die nun weitreichend aufgescheuchte Bestie zu erlegen.

    Während OJ das Alien durch Blickkontakt anlockt, nachdem er versucht hat, den schwer verletzten Reporter zu retten, kann der junge Mann sich im letzten Moment noch durch einen Flaggen-Fallschirm retten, den er zuvor auf seinem Pferd abgelegt hat und sucht aufgrund einer Beinverletzung Unterschlupf in der Pferdekoppel der Ranch. Em, die nun ein wenig Vorsprung erhalten hat, aber alsbald vom Alien gejagt wird, flieht mit dem Motorrad des Reporters in den benachbarten Themenpark Jupiter's Claim vom zu diesem Zeitpunkt bereits verstorbenen Ricky Park (Steven Yeun). Hier gelingt es ihr nicht nur mit einer für Touristen vorgesehenen Brunnenkamera ein perfektes Foto von dem Alien zu schießen (welches sie, wie sie hofft, berühmt macht und in die Show von Ophrah Winfrey bringen wird). Offenbar wird auch das Alien getötet.

    Dafür benutzt Em einen riesigen Werbe-Cowboy-Luftballon des Freizeitparks, den sie in Luft steigen lässt und der das Wesen ablenkt und ihm folgen lässt. Der außerirdische Gigant saugt den großen Cowboy-Luftballon schließlich ein und explodiert kurz daraufhin. Grund dafür ist vermutlich die riesige Menge an Helium, die den den Ballon hat fliegen lassen. Das erinnert, wie vieles in dem Film, an das Ende von „Der weiße Hai“, bei dem Brody (Roy Scheider) der den Hai mittels Druckluftflasche zum Explodieren bringt. Schlussendlich sehen wir in „Nope“ dann, wie OJ mit seinem Pferd in dem Themenpark ankommt, während sich bereits einige Journalisten vor Ort versammelt haben.

    Was hat der Affe mit allem zu tun?

    Zu Beginn von „Nope“ erwartet uns bereits eine verstörende Sequenz, die sich hinter den Kulissen der fiktiven Sitcom „Gordy's Home“ abspielt, in der Ricky Park (Steven Yeun) als kleiner Junge an der Seite eines Schimpansen mitgewirkt hat. Hier sehen wir, wie der blutüberströmte Affe auf den leblosen Körper eines Menschen einschlägt (wie sich später herausstellt, ist es Rickys Schauspielkollegin). Verwirrend an der Szene aber ist der Schuh, der in der Mitte des Sets auf der Ferse steht und in den Himmel gerichtet ist. Möglicherweise haben hier bereits außerirdische Kräfte vor Jahren ihr Unwesen getrieben.

    In der Mitte des Films kehren wir noch einmal zu dem schrecklichen Moment zurück und sehen, wie Ricky sich während der Affen-Attacke unter einem Tisch versteckt hält und von dem vollkommen außer Kontrolle geratenen Schimpansen verschont wird (nachdem dieser ihn entdeckt), während alle anderen Co-Stars brutal angegriffen wurden. Ricky ist der Überzeugung, dass der Affe in ihn einen Freund erkannte. Der unter die Haut gehende Nebenstrang, der lange Zeit mit vielen Fragezeichen versehen ist, bekommt im weiteren Verlauf des Films Gewicht.

    Da Ricky den Affen nicht als gefährliches Wesen, sondern als Freund sieht, ist er auch der Auffassung, dass das Alien, welches er nur als UFO zu Gesicht bekommt, ihm ebenfalls nicht anhaben wird. In seiner Show ist die fliegende Untertasse bereits fester Bestandteil, wenn Ricky dieser Pferde opfert und das Publikum verängstigt wie begeistert. Die Sicherheit, die Ricky zu haben glaubt, keimt daher aus einem kindlichen Trauma – und kostet ihm letztendlich das Leben.

    Ricky, der dem Glauben erlagt, vom „Bösen“ verschont zu bleiben, wenn er mit diesem eine Art Freundschaft vorgibt, wird Opfer seiner eigenen Überheblichkeit. Außerdem spiegelt „Nope“ hier noch einmal das animalische Wesen von (Raub-)Tieren, wenn er den Schimpansen mit dem Alien gegenüberstellt – und erzählt eine bittere Wahrheit über die Unterhaltungsindustrie, die Katastrophen gerne zu kommerziellen Zwecken ausbeutet.

    Noch mehr "Nope" im Podcast

    Im FILMSTARTS-Podcast Leinwandliebe sprechen Moderator Sebastian und FILMSTARTS-Redakteur Pascal über Nope, den neuen Film von Jordan Peele. Ob es sich lohnt, den Film im Kino zu sehen und was das Ganze mit „Akte X“ und Steven Spielberg zu tun hat, erfahrt ihr im Podcast.

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