The Hollow Crown
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Michael S.
Michael S.

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Staffel 2 Kritik
4,5
Veröffentlicht am 27. Oktober 2017
Der letzten Staffel sah man trotz aller Zugänglichkeit den ehrfürchtigen Respekt vor Meister Shakespeare in einigen Folgen noch an. In der zweiten Staffel erweist es sich allerdings als Glücksgriff, den Theaterregisseur Dominic Cooke hier sein Filmdebüt feiern zu lassen. In Sachen Atmosphäre legt Cooke im Vergleich zu den vorigen Folgen nochmal eine ordentliche Schippe drauf und führt seine Schauspieler genauso souverän durch die drei neuen geradezu vollendet in Szene gesetzten Filme, wie über die Bühne. Der Anteil des gereimten Textes ist geringer als bei den ersten vier Teilen, man muss sich also nur noch mit den etwas archaisch intonierten Dialogen anfreunden.

Für alles weitere sorgt ein hervorragend ausgewählter Cast. Man scheut sich auch nicht, Weltstars wie Judi Dench in Nebenrollen zu platzieren und stattet diese Staffel damit vom Haupt- bis zum Kleindarsteller mit dem bestmöglichen Personal aus. Mit der ebenfalls schwer talentierten Sophie Okonedo und manch anderem farbigen Darsteller in adligen und bürgerlichen Nebenrollen bemüht man sich die an britischen Bühnen längst fest verankerte Diversität abzubilden, für die Sehgewohnheiten eines Mittelalterfilm-Publikums kann das allerdings störend wirken. Schließlich sind Großbritanniens Zeiten als weltgrößte Kolonialmacht im fünfzehnten Jahrhundert noch weit weg.

Obwohl die ersten eineinhalb Teile dieser Staffel schon sehr gut besetzt wurden und mit tollem Schauspiel glänzen, dominiert Benedict Cumberbatch den Rest mit seinem durchdachten Spiel derart, dass man am Ende vor allem seinen Richard III. in Erinnerung behält. Mit Exzentrikern kennt sich der Brite spätestens seit "Hawking" und "Sherlock" bestens aus, doch an Richard ist nichts sympathisch. Die Besessenheit dieses wahnsinnigen Buckligen kann aber einfach nicht gut ausgehen und genau das treibt die Handlung spätestens in der letzten Folge nach dem politischen Geplänkel zuvor ordentlich voran.

Eine epische Schlacht, die auch auf einer Kinoleinwand gut ausgesehen hätte, entscheidet schließlich alles. Überhaupt verleiht die zeitgenössische Ästhetik Shakespeares Herrscherdramen sehr viel mehr Größe und Relevanz, als es eine Bühnenaufführung jemals könnte. Wenn das mal jemand mit Schillers "Wallenstein" oder Goethes "Faust" versuchen würde, dann könnte man vielleicht ein größeres Publikum wieder für diese Stoffe begeistern und den Staub von den sparsam bedruckten Reclam-Bänden pusten. Mit "Götz von Berlichingen" hat RTL schon einen entsprechenden Versuch gestartet, mehr als die übliche Seifenoper im Mittelalter kam dabei aber nicht heraus. Wenigstens gelang die Adaption von Karl Mays "Winnetou" etwas besser, Deutschland kann also prinzipiell auch seine Klassiker in gute Filme nach heutigen Maßstäben verwandeln.

Offiziell ist "The Hollow Crown" abgeschlossen. Aber Shakespeare ist mehr als "Romeo und Julia" oder die Stücke, die für die Serie adaptiert wurden. Die Römerdramen um Cäsar, Kleopatra, Mark Anton und andere große Figuren der Geschichte sind noch unverfilmt. Ein waschechter Sandalenfilm nach dem Vorbild des hier gezeigten? "The Hollow Crown" trifft auf "Rom"? Warum nicht? Ein Publikum scheinen diese beiden Staffeln jedenfalls gefunden zu haben und dank der stetigen Qualitätssteigerung dürfte es leicht fallen, in Zukunft bei ähnlichen Verfilmungen wieder einzuschalten.
Michael S.
Michael S.

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Staffel 1 Kritik
4,5
Veröffentlicht am 26. Januar 2016
Mit Shakespeare vertreibt man normalerweise entweder die Schüler aus dem Englischunterricht oder die Hipster aus dem Anglistikstudium. Der Brite ist in seiner Heimat und darüber hinaus so obligatorisch wie Schiller und Goethe hierzulande, man kann ihm einfach nicht entgehen. Entsprechend negativ ist das Bild meist in der breiten Bevölkerung, die sich höchstens noch entfernt an "Romeo und Julia" erinnert. Dass seine Werke aber deutlich vielfältiger sind und mit der richtigen Inszenierung auch heute noch beeindrucken können, beweist eine (wieder mal) sehr stilvolle BBC-Serie, die den Bühnendichter aus dem sechzehnten Jahrhundert für ein modernes Publikum adaptiert und gleichzeitig erstaunlich wenige Kompromisse dabei macht.
Ähnlich wie es der historische Roman heute tut, schrieb William Shakespeare seine Stücke, um möglichst vielen Menschen Zugang zu geschichtlich interessanten Themen des eigenen Landes zu ermöglichen und natürlich auch, um gute Unterhaltung zu bieten. So war das Publikum des vermutlich bedeutendsten Dramatikers der europäischen Renaissance seit jeher ein möglichst großes und bestand vor allem zu seiner Zeit nicht nur aus wenigen Gelehrten. Für die waren die Bühnenstücke höchstwahrscheinlich eher ein allzu vereinfachendes Ärgernis. Umso besser, dass der Stoff jetzt in Form einer modernen Historienserie gesendet wurde, um einmal mehr möglichst viele Zuschauer zu finden. Und es wird eine Menge getan, um das auch zu erreichen.
Da wären zum einen die exzellent ausgewählten Darsteller, die nicht nur Rang und Namen haben, sondern Shakespeares Helden auch jenseits der Bühne mit einer Eindringlichkeit verkörpern, vor der vielleicht sogar der Meister selbst ehrfürchtig erschaudert wäre. Ben Whishaw kann nichts dafür, dass seine Figur ein wenig "überirdisch" abgehoben ist und die erste Episode eher schwerfällig daherkommt, aber er passt ebenso wie alle anderen einfach hervorragend in seine Rolle.
Neben Schauspiellegenden wie Patrick Stewart ("Star Trek"/"X-Men"), John Hurt ("Der Elefantenmensch") und natürlich Jeremy Irons ("Königreich der Himmel") brillieren in den vielfältigen Nebenrollen auch mehrere Darsteller, die einem zeitgenössischen Publikum aus ähnlich aufwändigen Serien bekannt sein dürften: Iain Glen ("Game of Thrones"), James Purefoy ("Rom"), Michelle Dockery ("Downton Abbey") und David Suchet ("Agatha Christie's Poriot") sind nur einige Beispiele für den bis ins Letzte hervorragend besetzten Cast. Da ist es beinahe überflüssig zu erwähnen, dass sämtliche Darbietungen auf einem für Bühnen- und Filmverhältnisse hervorragenden Niveau sind. Die ganze Tragik der hier dargestellten Könige wird mit geradezu erschütternder Wucht deutlich, auch wenn man es nicht sofort erkennen mag. Aber auch der bei Shakespeare nicht immer ganz unschuldige Humor kommt nie zu kurz, sei es bei einer genialen Parodie Prinz Henrys auf dessen knurrigen Vater oder, wenn Mélanie Thierry sich als französische Prinzessin redlich bemüht, verständliches Englisch zu lernen.
Ästhetisch befinden sich die vier Folgen sehr nahe an den kontemporären Historienfilmen und -serien. Von wegen abgefilmtes Theater, in einigen Szenen wähnt man sich beinahe einem ausgewachsenen Kinofilm gegenüber. Die in britischen Produktionen stets stilvoll ausgewählten Locations tragen ebenso dazu bei wie die üppige Ausstattung und der realistische Look, der gleich mehrere äußerst dreckige Schlachten beinhaltet. Die Länge einiger Folgen beträgt mehr als zwei Stunden, also wird es auch in dieser Hinsicht episch.
Gewöhnungsbedürftig sind womöglich die Dialoge, welche durchweg in den von Shakespeare verfassten Reimschemata vorgetragen werden. Für die Darsteller auf der Bühne ursprünglich leichter zu merken, aber auch ein künstlerisches Stilmittel, das der eher prosaischen Filmkunst der heutigen Zeit fehlt. Lässt man sich aber erst einmal darauf ein, verschmelzen Vortragsweise und Bildsprache zu einem Gesamtkunstwerk, das sich gewaschen hat. In seinen besten Momenten weiß "The Hollow Crown" dann auch tatsächlich zu berühren, auch wenn man sich durch den einen oder anderen Monolog hindurchkämpfen muss. Die Distanz zu der meist als altertümlich empfundenen Sprechweise wird von den Darstellern ohne Mühen überbrückt.
Damit steht diese Serie in der besten Tradition von Kenneth Branaghs legendärer Verfilmung von "Henry V.", in dessen Fußstapfen auch ein Tom Hiddleston (der seinerseits schon mit Branagh in der BBC-Serie "Wallander" Verbrecher jagte) eine ausgezeichnete Figur macht. Und es ist noch lange nicht vorbei. Erst im letzten Jahr war mit Justin Kurzels "Macbeth" eine stilvolle Shakespeare-Adaption im Kino zu sehen. Auch "The Hollow Crown" erfährt noch in diesem Jahr eine Fortsetzung - unter anderem mit "Sherlock"-Star Benedict Cumberbatch in der Rolle des durchtriebenen buckligen Königs Richard III.