Adolescence
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The Dark Knight
The Dark Knight

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Serienkritik
2,5
Veröffentlicht am 22. März 2025
Naja, den Hype um die Serie kann ich nicht verstehen. Ist ab 2. Folge recht langweilig und passieren tut die ganze Zeit nichts. Wird sicher seine Fans finden, aber ich gehöre nicht dazu.
Philm
Philm

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Serienkritik
2,5
Veröffentlicht am 19. April 2025
Die Serie täuscht mit stilistischen Mitteln Glaubwürdigkeit vor und trifft ein Modethema. In Wirklichkeit ist allerdings alles recht flach, eindimensional und nicht sonderlich geistreich. Die Dialoge langatmig und schlecht geschrieben. Ein Werk das vom Zeitgeist lebt und nur in diesem funktioniert.
Sebastian Schlicht7
Sebastian Schlicht7

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Serienkritik
5,0
Veröffentlicht am 21. Mai 2025
“We Have Done Nothing Wrong, Have We?“

Kaum eine Serie geht gerade so viral wie „Adolescence“. Oftmals sind solche gehypten Shows nicht der Rede wert, aber hier ist es tatsächlich anders. „Adolescence“ eroberte im März den Streaming-Dienst Netflix und schließlich das Internet. Die vierteilige Miniserie entstand unter der Idee von Jack Thorne („Harry Potter und das verwunschene Kind“) und Stephen Graham. Regie führte Philip Barantini und die Show wurde unter anderem auch von Brad Pitt produziert.
Die Miniserien bei Netflix haben in meinen Augen oftmals die beste Qualität. Neben „Queen´s Gambit“ gab es 2024 noch die großartige Serie „Rentierbaby“, die sich um Stalking und Missbrauch drehte. Und auf dem Level macht „Adolescence“ weiter und wirft den Scheinwerfer auf ein weiteres Tabuthema: Misogynie. Was zunächst vielleicht nicht sonderlich spannend für manche klingen wird, entpuppt sich als bewegendes Spiegelbild unserer Gesellschaft. Besonders der Einfluss von Social Media auf Jugendliche steht hier im Zentrum. Und ja, das wurde schon mehrmals von Filmen und Serien aufgegriffen und meistens eher schlecht als recht. Doch „Adolescence“ ist einzigartig und gibt uns einen ganz frischen und teilweise verstörenden Blick auf das Problem. Dabei geht es nicht darum einen Schuldigen zu finden, sondern zu zeigen, was durch viele verschiedene Einflüsse passieren kann. Und diese Miniserie schafft das auf eine beeindruckende Art und Weise. Für mich ist „Adolescence“ jetzt schon einer der besten Shows der letzten Jahre!

Die Story beginnt bei der Verhaftung des 13-jährigen Jamie Miller. Er und seine Familie sind fassungslos und gehen fest davon aus, dass es sich dabei um ein Missverständnis handelt…

Viel mehr will ich gar nicht schreiben, denn man sollte sich die vierteilige Show so unwissend wie möglich ansehen. Wichtig ist nur zu wissen, dass die Serie einen verstörenden Blick in die Welt von sogenannten Incels gibt. Ein Begriff, der bisher nur in Dokumentationen zu finden war und in dubiosen Internetforen. Doch „Adolescence“ holt das Tabuthema aus dem Keller und stellt es hier auf den Präsentierteller!

„Was bedeutet für dich Männlichkeit?“ fragt eine Psychologin den jugendlichen Jamie. Und genau diese Frage ist ein elementarer Bestandteil der Serie. Denn Serienschöpfer Jack Thorne und Stephen Graham (er spielt den Vater) wollen den strukturellen und tief eingegrabenen Sexismus in unserer Gesellschaft zeigen. Dabei geht es nicht nur darum, dass Frauen benachteiligt werden, sondern um waschechten Hass aufs andere Geschlecht. Wie verbreitet sich dieser, was macht er mit pubertären Jungen und vor allem wozu kann diese toxische Kultur führen? Genau das sehen wir hier, atemberaubend inszeniert und künstlerisch beeindruckend umgesetzt. Dabei liegt der Fokus in jeder der vier Folgen auf einem anderen Aspekt. Besonders intensiv ist dabei die Therapiesitzung, aber auch der Blick auf die Familie. Wir kriegen kleine, aber extrem wichtige Einblicke in das Leben von Jamie. Dafür müssen wir nicht mal ihn selbst begleiten, sondern sehen auf was für eine Schule er geht und mit welchen Freunden er abhängt.

Man könnte jede der vier Folgen intensiv analysieren und besprechen, doch am besten ist es sich das Ganze selbst einfach anzuschauen. In meinen Augen kriegen wir hier einen extrem realistischen und rücksichtslosen Einblick in unsere eigene Welt. Besonders die der Jugendlichen wird hier besonders gut gezeigt, aber auch die Diskrepanz zwischen Kindern und den Erwachsenen. Wie der Sohn des Polizisten in einer Folge selbst sagt: „Du hast keine Ahnung, was das alles bedeutet, Dad!“ Und das stimmt. Wie oft scheitern Eltern oder Lehrer*innen daran die Jugend verstehen zu wollen. Und gerade durch Social Media wird dieser Abgrund zwischen beiden immer größer und größer. Und „Adolescence“ braucht für diese Thematik keinen erhobenen Zeigefinger oder eine schmerzhafte Moralkeule.

Doch wie schafft die Serie das? Für mich ist der wichtigste Faktor das grandiose Drehbuch von Thorne und Graham. Wie oft frage ich mich bei großen Serienproduktionen oder gigantischen Blockbustern, wer zur Hölle diese furchtbaren Dialoge schreibt? Nicht selten bekomme ich das Gefühl, dass gute Drehbuchautoren in der Versenkung verschwunden sind. Aber nein, das sind sie zum Glück nicht. Schon „Rentierbaby“ war ein Paradebeispiel für starke Dialoge und „Adolescence“ steht dem in nichts nach. Die Figuren agieren so natürlich und authentisch, dass ich manchmal das Gefühl hatte wirklich, echte Menschen zu sehen. Ab und zu wurde auch improvisiert, doch der Großteil der Authentizität ist sicherlich dem starken Script zu verdanken.

Dann haben wir einen beeindruckenden Cast: Graham selbst spielt den Vater und zwar absolut fantastisch, wahrscheinlich seine beste Rolle. Erin Doherty als Psychologin beeindruckt in Episode 3 und Owen Cooper als junger Jamie ist die Entdeckung des Jahres. Sein erstes Mal vor der Kamera und er spielt bereits besser als alle Kinderdarsteller*innen in „Sweet Tooth“ zusammen. Was für eine Präsenz von ihm! Auch andere jugendliche Darsteller*innen sind stark, wie der gesamte Cast der Serie. Hut ab!

Natürlich sorgte die Serie aber auch durch ihre technische Machart für Aufsehen: Jeder der vier Episoden wurde in einem One-Take gedreht, also eine Kameraeinstellung ohne Schnitt. Dabei wurde entgegen vieler Annahmen nicht getrickst. In großen Filmen wie „1917“ oder „Birdman“ etwa wurden die langen One-Takes digital zusammen geschnitten. Hier jedoch wurde jede Folge akribisch choreografiert und geprobt. Gerade Episode 2 in der Schule ist eine filmische Meisterleistung! Nicht nur die Arbeit mit über 300 Statist*innen, sondern auch die komplexen Kameraeinstellungen während der Folge. Alles gipfelt in einem atemberaubenden Shot am Ende!

Nicht selten bekommt die Serie dadurch eine Theateratmosphäre, die ich aber sehr passend finde. Und selbst die einfachsten Dinge, wie etwa die Aufnahme von Jamie auf der Polizeistation, bekommen durch die ungekürzten Einstellungen eine sehr passende, unangenehme Atmosphäre. Oftmals hält die Kamera minutenlang auf ein Gesicht und wir kriegen alle Emotionen der Figur mit, was zu sehr berührenden Momenten führt. Selbst ohne dieses visuelle „Gimmick“ wäre die Serie großartig, so aber wird sie zu etwas Besonderem und hebt sich künstlerisch nochmal eindeutig von anderen Shows ab.

Das Einzige, was mich etwas gestört hat, war eine Verfolgungsjagd, die aufgrund des abgestimmten Timings etwas lasch wirkte. Da verfolgt ein erwachsener, muskulöser Mann ein Kind und läuft aber nur in halbem Tempo, weil er den Jungen sonst sofort eingeholt hätte. Die Sequenz dauert nicht lang und hat auch keine Auswirkung auf mein Erlebnis, ist aber etwas, wo ich sagen würde, das hätte man ncoh etwas besser machen können.

Ansonsten noch eine kurze Erwähnung des Scores von Aaron May und David Ridley: Die Musik ist nur selten zu hören, am prägnantesten zu Beginn jeder Folge. Sehr schön ist dabei die melancholische Solostimme einer Frau, die fast schon resignierend die Story untermalt und damit sehr düster die Thematik unterstützt. Auch der letzte Song hat eine besondere Kraft, da er von der Schauspielerin von Katie gesungen wird (wer die Serie gesehen hat, wird wissen, was das bedeutet).

Fazit: „Adolescence“ ist großartig und eine sehr wichtige Serie, die in meinen Augen an Schulen gezeigt werden sollte. Die Auseinandersetzung mit dem strukturellen Frauenhass in unserer Gesellschaft ist so lasch, dass es Serien wie „Adolescence“ braucht, um dieses Problem richtig anzugehen. Und das betrifft junge, aber auch erwachsene Menschen. Daneben glänzt die Serie durch eine herausragende Machart, fantastische Darsteller und meisterhafte Dialoge. Über all dem zeigt die Serie auf herausragend Art, wie komplex solch ein Ereignis ist. Es gibt hier nicht nur gut und böse. Klar, ein Verbrechen wurde begangen. Doch wie lösen wir das Problem? Wie können wir verhindern, dass so etwas wieder passiert? Ist es überhaupt möglich? Alles wichtige Fragen, die diese Show stellt. Und die Antworten müssen wir für uns selbst finden. Eine Serie, die jeder sehen sollte!
Timmmmeee
Timmmmeee

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Serienkritik
3,0
Veröffentlicht am 17. März 2025
Vorne weg, sehr gute Serie.
Manchmal wünscht man sich das Seeien kürzer wären, wie zB bei "Cassandra" wo viel in die Länge gezogen wird.
Hier ist es eher das Gegenteil.
Die letzte Sequenz ist nur schwer zu verdauen.
Ich hätte mir eine 5 Folge gewünscht, vor Gericht.
Die Serie ansich hätte mindestens 4,5 Sterne verdient,obwohl sie eine Folge länger gehen hätte sollen meiner Meinung nach ABER..
Ich habe im Nachgang rechachiert was die Motivation der Produzenten war diese Serie genau so zu machen und Ich war SCHOCKIERT was einige da vom Stapel lasen.
Da reden höchst priviligierte Menschen die so gut wie nichts mit "einfachen Leuten" zu tun haben darüber dass es darum geht das Messer Angriffe bei "jungen Männern" stark zugenommen haben und generell Messerstecherein ein großes Problem darstellen.
So weit so Richtig!
Jetzt kommt es, es sei "toxische Männlichkeit" die dazu führe, konkret wurde Andrew Tate ins Feld geführt,was WAHNSINN ist.
Frauenfeindlichkeit und nicht mit "Ablehnung" klar kommen können wurde ebenfalls thematisiert.
Themen die richtig und wichtig sind, die Frage ist nur GIBT ES DENN LEUTE MIT WELTBILDERN UND KULTUREN bei denen solche Dinge gehäuft auftreten und was sind die Gründe dafür? (Bspw Religion)
Die wahren Gründe und Täter bzw auffälligkeiten warum das vor allem in den letzten Jahrzehnten passiert sein könnte dieser enormer Anstieg,werden dabei natürlich wie IMMER nicht genannt.
Und damit ist die Motivation hinter dieser Serie nicht nur heuchlerisch, sondern auch nicht zielführend.
Davki90
Davki90

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Serienkritik
3,0
Veröffentlicht am 8. August 2025
Eine Serie, die aus 4 Folgen besteht und sich mit der Verhaftung, eines Jungen beschäftigt, der ein Mädchen umgebracht haben soll. In der ersten Folge geht es um die Verhaftung und das Verhör, in der zweiten Folge um die Ermittlungen an der Schule, die dritte um das Gespräch mit der Psychologin und in der vierte um die Konsequenzen der Angehörigen, bei so einem Ereignis. Da hätte ich gerne noch eine fünfte Folge mit dem Gerichts Prozess gehabt, bin nicht ganz so zufrieden, wie sie sich entschieden haben. es wirkt für mich so, irgendwie unvollständig. Aber ich muss wohl damit leben. Die Botschaft, ist aber schon deftig. Minderjährige, sollen keine killerspiele zocken und die Eltern besser auf ihre Kids achten, was sie den ganzen Tag so machen. Die Serie sollte man an jeder Schule zeigen . Denn es ist sehr sehr wichtig. Die Schauspieler sind alle super, besonders der Junge, hat hoffentlich eine goldige Zukunft vor sich. Es wurde vom Team produziert, was auch schon den Film "Yes, Chef!", gedreht hat.
Fabian M.
Fabian M.

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Serienkritik
5,0
Veröffentlicht am 15. März 2025
Hallo Liebe Leute Von Heute,
Die Ganze Serie Wahr Super Gemacht Worden Und Tolle Aufnahmen im Spiel Film
Rob T.
Rob T.

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Serienkritik
4,0
Veröffentlicht am 23. März 2025
Eine Stunde in Echtzeit. Ohne Schnitt. Mit nur einer Kamera.
Polizisten stürmen ein Haus, es ist früh am Morgen. Ziel ist ein 13-jähriger Junge, der noch im Bett liegt. Das Haus wird durchsucht, die Beamten nehmen den Jungen mit. Sie fahren mit ihm ins Revier. Sie führen ihn rein. Ein paar Formalien. Das erste Verhör.
Eine Stunde dauert das.
Als Zuschauer ist man überrascht, was in einer Stunden alles passieren kann. Nach einer Stunde fällt einem auf: Vor einer Stunde lag der Junge noch im Bett, jetzt sitzt er in Untersuchungshaft.
Und, wie gesagt: Es war wirklich nur eine Stunde. Echtzeit.

„Adolescence“ ist der neue Serienhit aus Großbritannien bei Netflix. In vier Folgen wird erzählt, dass ein junges Mädchen ermordet worden ist, und der 13-jährige Jamie wird des Mordes verdächtigt.

Die Aufklärung des Falls ist fast weniger spannend als die Umsetzung. Denn jede der vier Folgen ein ein einziger Take. Die Kamera begleitet die Protagonisten oder es kommen andere, die uns zur nächsten Szene „mitnehmen“. Es dauert alles so lange, wie es dauert.
Wenn die Polizei Jamie von Zuhause mit ins Revier nimmt, dauert es einige Minuten, wie er im Auto sitzend – voller Angst – dorthin gebracht wird.
Das kann reizvoll sein, aber auch quälend, und die vier Folgen haben auch nicht dieselbe hohe Qualität.

Die Festnahme in Folge 1 hat hohes Spannungspotenzial. In Folge 2 wird erzählt, was danach in der Schule passiert. Wie die Polizei mit Kindern und Lehrern spricht. Auch das hat relativ hohen Spannungswert.
Höhepunkt ist mit Abstand aber Folge 3. Jamie trifft dort in Haft auf die Psychologin Briony Ariston (Erin Doherty). Sie muss ein Gutachten über den Jungen verfassen und ergründen, was in dem Jungen vorgeht. Das ist packend ohne Ende – auch wegen der guten schauspielerischen Leistung. Owen Cooper spielt bestechend gut – und es handelt sich wohl um seine erste große Rolle. Wahnsinn ist das deshalb, weil er ja durchgehend eine gute Stunde lang in dieser Rolle steckt.
Da ist dann Folge 4 dann jedoch geradezu öde und lahm – es geht zwar um die Auswirkung auf die Familie, aber nach dem krassen Höhepunkt in der Folge davor, wirkt das nur wie en Ausplätschern, fast überflüssig.
Insofern macht das vermeintliche Serienfinale (das letztlich gar keins ist), die Serie selbst fast schon ein wenig kaputt.

Was aber bleibt ist die krasse Machart. Jede Folge wurde mehrfach komplett am Stück gedreht. Teil 1 ist der 2. Durchlauf. Teil 2 ist der 13. Durchlauf. Teil 3 ist Durchlauf 11, und Teil 4 ist Durchlauf 16.
Kathrin Bartelt
Kathrin Bartelt

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Serienkritik
0,5
Veröffentlicht am 15. April 2025
Ich habe mir die Serie grade angeschaut und kann den Hype dahinter absolut nicht verstehen. Die Serie zog sich wie Kaugummi, es passiert absolut gar nix. Kann sein, dass es einfach auch nicht mein Geschmack war.
Andrew B
Andrew B

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Serienkritik
4,5
Veröffentlicht am 17. März 2025
Toller Mini-Serie: Die Mastershots in der Umsetzung sind eine großartige Idee, die kein Selbstzweck ist, sondern dafür sorgt, dass wir den Charakteren sehr nahe kommen. Großartiges Drehbuch und geniale schauspielerische Leistungen, dazu die fast herausragende Episode 3.
Dare77
Dare77

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Serienkritik
3,0
Veröffentlicht am 14. April 2025
Solide Serie, unsgesamt aber ein bisschen langatmig, es zieht sich dann doch schon etwas wenn z.b. jedes detail der Festnahme langwierig dokumentiert wird.
Tilly Keno
Tilly Keno

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Serienkritik
1,0
Veröffentlicht am 30. Juli 2025
Ich finde die Serie heillos überbewertet. Angeblich nimmt man sich hier des Themas Misogynie an, die Umsetzung ist deshalb aber noch lange nicht gelungen. Neue Erklärungen, Erkenntnisse oder wenigstens Eindrücke? Fehlanzeige.


Da ist also ein 13-jähriger Junge: Jamie, sozusagen ein Bio-Brite aus einer durchschnittlichen Mittelstands- und Handwerkerfamilie, der ein Mädchen mit sieben Messerstichen getötet hat. Wir erfahren: Das Mädchen hat ihn auf Instagram als „Incel“ bezeichnet. Damit ist der Themenkomplex aber auch schon abgehandelt. Der mögliche Frauenhass wird bei Jamie weder gezeigt noch auch nur ansatzweise erahnbar gemacht. Dass er seiner psychologischen Gutachterin gegenüber dreimal aggressiv wird, reicht jedenfalls nicht aus.

Ganz im Gegenteil hat man bis zum Schluss nicht die geringste Idee, warum Jamie das getan haben sollte. Weil das Mordopfer ihm auf Instagram die „Incel“-Kommentare hinterlassen hat? Das ist ziemlich dünn.

Nervig zudem: Der gemobbte Sohn des ermittelnden Kommissars geht natürlich auf dieselbe Schule wie Jamie. Der Faden wird dann aber nicht weiter verfolgt.
Und: Die vierte und letzte Folge, auf die man als Zuschauer dann alle Hoffnungen setzt, ist geradezu sterbenslangweilig - auch dank der so hoch gelobten One Takes.

Fazit:
Die Mini-Serie leistet nicht das, was in sie hineininterpretiert wird. Sie bleibt meilenweit hinter etlichen anderen Produktionen zurück, die sich jugendlichen misogynen Gewaltfantasien und Gewalttaten auf die ein oder andere Weise angenommen haben – zum Beispiel „Bennys Video“ von Michael Haneke, der schon 1992 das Thema ganz anders in die Zange genommen hat. Bei "Adolescence" scheint es ausgereicht zu haben, der Serie thematische Etiketten wie Misogynie, Femizide und Incels aufzukleben, damit sie wie der Weisheit letzter Schluss gehyped wird.
Der Vorhang fällt und alle Fragen offen.
Nicolai Hoennige
Nicolai Hoennige

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Serienkritik
4,0
Veröffentlicht am 28. März 2025
Achtung - Spoilerkritik
Femizide sind auch oder sogar erst recht heutzutage leider keine Seltenheit mehr. Die polizeilich erfasste Zahl von jährlich knapp 1000 Frauen, die in Deutschland deshalb ihr Leben verlieren, hält sich in Deutschland konstant, hatte während der Corona-Pandemie gar ihren Höhepunkt. Sie fallen ihnen nahestehenden Männern zu Opfer, einzig und allein aufgrund ihres Geschlechts. Männern, die sich deswegen hierarchisch überlegen fühlen. Diese toxischen Männlichkeitsbilder können zu Gewalt führen, das ist nun auch in der jüngsten Generation angekommen. „Adolescene“ zeigt den Mord eines vierzehnjährigen an seiner noch jüngeren Mitschülerin und ist damit viel mehr als bloß Krimi-Serie. Sie zeigt die realen Auswirkungen einer Entwicklung, die sich kaum noch bremsen lässt.
Als eines Morgens die britische Polizei bei ihnen im Haus die Tür eintritt, steht für die Eddie Miller uns seine Familie die Welt auf dem Kopf. Er kann lediglich zuschauen, während seine Frau und Tochter kauernd auf dem Boden liegen und sein vierzehnjähriger Sohn Jamie mit durchnässter Hose gewaltsam abgeführt wird. Erst nach und nach wird klar, welche Gründe die Polizei für ihr schonungsloses Verhalten hat. Jamie ist akut tatverdächtig, seine Mitschülerin brutal ermordet zu haben. Während seine Familie mit den Konsequenzen davon leben muss, begeben sich Psychologen und Ermittler auf die Suche nach Hintergründen für die angebliche Tat.
Von Anfang an fühlt sich Adolescence anders an, als die meisten Mord- oder Krimiserien, die die TV-Welt sonst zu bieten hat. Bereits nach einigen Minuten merkt man als Zuschauer, dass hier nicht wie gewöhnlich gedreht wurde. Das liegt daran, dass die von Jack Thorne und Stephen Graham geschaffene Netflix-Miniserie keinerlei Schnitte hat, alles passiert in einem Fluss. Graham ist dabei nicht nur Autor und Schöpfer der Serie, sondern spielt auch den Vater von Jamie. Mit dieser kreativen und innovativen Erzählweise haben die beiden sowohl inhaltlich als auch cinematographisch den Zeitgeist getroffen: Die Serie erzeugt für Netflix einen nun schon länger nicht mehr da gewesenen, qualitativ hochwertigen Hit. Innerhalb von 4 Folgen werden Festnahme, Verhör, Ermittlung, psychologische Untersuchung und Nachbeben einer Tat erforscht, auf die sich die Polizei und Detective Luke Bascomb zunächst keinen Reim machen können.
Erst mit fortschreitender Handlung deutet die Serie an, was sie uns eigentlich erzählen will. Jamie ist Teil einer heranwachsenden Social-Media-Generation und gerät dort in misogyne Kreise. Kreise, die dem weiblichen Geschlecht die Schuld für ihre eigene Einsamkeit geben und zunehmend Hass und Wut entwickeln. Auch wenn Jamies Charakterzüge und Motive für seine Tat immer nur angedeutet werden, handelt es sich hier um ein reales Problem. Diese Gruppierungen existieren wirklich, auch Andrew Tate gibt es in der Realität. Sie stützen das Abdriften junger Männer in toxische Sphären, bei denen sich Frauen ihrem Willen unterordnen sollen. Wie erwähnt wird hierbei immer nur an der Oberfläche gekratzt, gerade so viel um dem Zuschauer die Möglichkeit zu geben, selber seinen Denkapparat anzustellen. Das bezieht sich nicht nur auf Jamies psychotisches Verhalten, sondern auch um die Dinge, die zusätzlich um ihn herum geschehen. An seiner Schule, mit überforderten Lehrern und randalierenden Mitschülern. An Instagram-Geheimsprache. Am latent übergriffigen Polizisten, der versucht einer Psychologin zu erklären, wie Körpersprache funktioniert. An Jamies Vater, der nur Fitness-Content auf Instagram sucht und dabei selbst auf jene Fitness-Influencer mit sexistischem Gedankengut stößt. Oder auch am Baumarkt-Mitarbeiter und True-Crime-Verschwörungstheoretiker. Es wird klar angedeutet, vor welchen gesellschaftlichen Strukturen die Serie warnen möchte, ohne dabei zu plakativ zu werden. Die Gefahr von Radikalisierung im Internet ist so groß wie nie und betrifft besonders Jüngere.
Jüngere Personen, die nicht nur stundenlang Zeit auf Social Media verbringen, sondern sich zusätzlich auch noch in einer der beeinflussbarsten Zeit ihres Lebens befinden. In einer immer oberflächlicher werdenden Welt vereinsamen sie und suchen Zuflucht im Internet und in Gruppen mit anderen Männern, denen es ähnlich geht. Dort versprechen ihnen Einflusspersonen, getarnt als starke Retter, ein besseres Leben, zum „Alpha-Male“ zu werden. Zunehmend schwingen dann zunächst harmlos wirkende, aber dennoch hinterrücks starke misogyne Züge mit. Das fängt bei jenem erwähnten Andrew Tate an mit einfachen Motivationsvideos und endet bei „Frauen sollen gehorsam sein wie Hunde & Vergewaltigungsopfer müssen auch Verantwortung für ihre Tat übernehmen“. Hinterlegt mit epischer Musik erreichen diese Videos unfassbare Reichweite. Laut Statistiken haben über die Hälfte junger Väter und ein Viertel von Teenagern zwischen 15 und 16 Jahren trotz oder vielleicht gerade wegen solcher Aussagen eine positive Assoziation mit Tate.
Die Serie zeigt, wohin das im schlimmsten Fall führen kann. Denn während Jaime nach außen zunächst intelligent und harmlos, stellenweise fast hilflos wirkt, zeigt er immer wieder psychopathische & narzisstische Tendenzen zusammen mit Aggressions-Problemen. Im Wechsel schwankt er zwischen diesen Persönlichkeitsbildern und bleibt dadurch sowohl für den Zuschauer als auch die ihn behandelnde Psychologin wenig durchschaubar. Dennoch lässt er immer wieder durchblicken, von welchem Frauenbild er wirklich geprägt ist, allein schon in den leichten Unterschieden, wie er seinen Vater und seine Schwester oder Mutter behandelt. Er sieht es als gute Tat von ihm, dass er seinem späteren Opfer nichts getan hat, sie nicht angefasst hat, obwohl er hätte können. Er traut sich erst, sie richtig anzusprechen, als sie sich an einem Punkt der Schwäche befindet, er also vermeintlich überlegen ist. Als sie ihn dennoch ablehnt und sogar verhöhnt, kippt sein fragiles Ego, was schlussendlich zur viel erwähnten Tat führt. Auch gegenüber der Psychologin Briony Ariston, gespielt von Erin Doherty, zeigt er, dass er sich ihr erhaben fühlt. Jamie wiederholt vehement gegenüber ihr, dass SIE IHM nicht sagen kann, was er tun soll.
Als die psychologische Untersuchung in Folge 3 zu Ende ist, fängt Jaime an Angst zu bekommen. Angst vor sich selbst, davor allein zu sein und auch davor, nicht gemocht zu werden. Sowohl er, als auch der Zuschauer werden gezwungen, mit ihren Gedanken zur Tat alleine klarzukommen. Eine Tat, die er bis auf wenige Ausnahmen durchweg leugnet. Offen bleibt, ob er die Schuld auf andere projiziert oder schlichtweg lügt. Erst in der letzten Folge scheint Jaime ein Schuldeingeständnis anzudeuten. An einem Punkt, an dem bereits sein eigenes und das Leben seiner Familie zerstört ist.
Die Auswirkungen auf seine Familie werden erst in der letzten Folge intensiver behandelt. Sie zeigt eine Familie, die versucht wieder ins Leben zu finden und dabei jedoch am laufenden Band von den Geschehnissen wieder eingeholt wird. Sein Vater scheint ebenfalls mit Aggressionsproblemen zu tun zu haben und kämpft gemeinsam mit der Mutter gegen die eigenen Schuldgefühle. Im Lauf von Folge 4 wird klar, dass diese Familie vermutlich nie wieder normales leben kann.
Die erwähnte One-Take-Methode, die so in letzter Zeit auch schon in „The Bear“ zum Einsatz kam unterstützt die sich fortschreitend entwickelnde Handlung. Dafür mussten sich die Macher der Serie kreative Kniffe ausdenken, wie die Übergabe der Kamera vom Kameramann zur Drohne für eine weitläufige Landschaftsfahrt. Diese Hingabe und Liebe zum Detail spürt man und sollte honoriert werden. Vom Startpunkt jeder Folge fühlt sich das Geschehnis an wie ein Fluss, der immer weiter vor sich hin fließt, bis er uns ins Chaos stürzt. Wir als Zuschauer werden deshalb so emotional und angespannt mitgenommen, weil es keinen Bremspunkt gibt, was geschieht ist unvermeidlich. Wie im echten Leben gibt es schlichtweg keine Schnitte. Das macht die Serie mit ihren sowieso schon tatsächlich vorhandenen gesellschaftlichen Strukturen noch realer.
Auch die Dialoge und das Schauspiel wirken dadurch intensiver. Besonders hervorzuheben sind hier Serienschöpfer Stehen Graham als Vater und natürlich Jaime alias Owen Cooper. Mit 14 Jahren unter diesen speziellen Drehbedingungen eine solche Performance abzuliefern ist beeindruckend. Seine Wechsel zwischen Angst und Wutausbruch, aber auch seine vermeintliche Überlegenheit und Intelligenz funktionieren perfekt. Vater, Mutter und Schwester (Christine Tremarco & Amélie Pease) dürfen dann besonders in der letzten Folge durch Emotionen glänzen.
Insgesamt bietet Adolescene damit ein breites Spektrum an Highlights. Stellenweise lässt sich kritisieren, dass die One-Take-Methode nicht für jede Folge und Szene perfekt funktioniert. Gerade Folge 2 weist einige Durchhänger und etwas zu lang geratene Szenen auf. Hier werden viele Dinge zwar angedeutet, aber dann später nicht mehr ausreichend berücksichtigt. Die Dynamik der beiden Detectives, aber auch die Mitschüler von Jaime und deren Einfluss auf die Tat spielen dann überhaupt keine Rolle mehr. Die Anspannung in Folge 1 und besonders in der vermutlich besten Folge 3 machen dies allerdings wett und rechtfertigen durch die Art der Handlungsentwicklung auch die Drehmethode. In der letzten Folge wird diese Spannung dann durch die emotionalen Nachwirkungen entladen und die Serie findet einen runden Abschluss.
Durch seine Machart und Handlung ist „Adolescene“ für quasi jeden eine Empfehlung. Derartige Probleme haben die Aufmerksamkeit, die die Serie momentan bekommt, definitiv verdient. Sie ist eine Warnung an Eltern, Lehrer & die Gesellschaft. Lasst eure Kinder nicht außer Acht. 8/10