Trotz einer Prise Kitsch ein starker Auftakt zur Erfolgsserie aus England!
Die viel gefeierte Serie „Downton Abbey“ wirkte auf mich immer etwas öde und hölzern. Doch nachdem meine Frau mich nun dazu bewegt hatte endlich mal die erste Staffel zu sehen, war ich doch sehr überrascht.
Die Serie entstand durch Julian Fellowes und richtete den Fokus unter anderem auch auf die Dienerschaft. Ich glaube, dass dies einer der tragenden Punkte für den Erfolg der Serie ist, denn den Adel und seine Problemchen zu begutachten ist schön und gut, aber leider auch schon stark ausgelutscht. 2010 aber überraschte „Downton Abbey“ mit einem überaus menschlichen Blick auf die unterschiedlichen Rangordnungen. Wie auch „Game of Thrones“ überzeugt „Downton Abbey“ mit Figuren, die tatsächlich aus einer anderen Welt zu stammen scheinen. Zuerst kommen die Figuren und dann die Schauspieler, was leider bei so vielen anderen Serien dieses Genres nicht der Fall ist. Und so kommt es, dass man am Ende mit den menschlichen Schicksalen wirklich mitfiebert. Ein Zeichen für eine wirklich qualitativ gute Serie.
Die Story spielt kurz nach dem tragischen Untergang der Titanic im Jahre 1912. Graf und Gräfin Grantham sind dabei ihre Töchter zu vermählen, allen voran Mary (die Älteste der drei). Das Erbe des Grafen kann nur an einen Sohn oder Erben weitergegeben werden. Doch Mary ist alles andere als „einfach“, was dieses heikle Thema angeht. Zeitgleich trifft ein neuer Kammerdiener ein: John Bates. Doch seine Kriegsverletzung macht es ihm nicht leicht seinen Pflichten nachzukommen. Schnell wird er ein Dorn im Auge bei manchen seiner Kollegen…
„Downton Abbey“ überzeugt neben dem menschlichen Aspekt auch durch das Auslassen eines bestimmten Protagonisten. Es gibt viele Figuren, manche haben etwas mehr zu tun in der Geschichte, manche weniger. Doch jeder ist relevant. So wie bei einem großen Anwesen wie Downton selbst. Niemand steht wirklich im Vordergrund, denn auch die Menschen „Hinter dem Vorhang“ sind wichtig. Umso passender, dass auch die Story keinen klaren Hauptcharakter hat. Ebenfalls stark finde ich den ruhigen Grundton der Serie. Große, forcierte Dramen werden (fast) immer vermieden. Und wenn mal etwas schiefläuft, wird sachlich und mit Verstand darüber diskutiert. So ergeben sich natürlich, aufgebaute Probleme, die man selbst äußerst gut nachvollziehen kann.
Der Cast ist wirklich sehr gut. Hugh Bonneville, Dan Stevens und Maggie Smith (McGonagall aus den „Harry Potter“-Filmen) dürften sicherlich die meisten kennen, aber wirklich jede Rolle ist klasse besetzt bis in die kleinste Nebenrolle. Brendan Coyle als Mr. Bates und Joanne Froggatt sind wunderbar charmant, während Thomas und O´Brien die wohlplatzierten Ekel sind, die jedoch ihre Beweggründe haben.
Die Musik von John Lunn gefällt mir und auch die Optik der Serie ist schön anzusehen, wenn auch nicht sonderlich herausragend.
Fazit: Auch wenn der Soap-Faktor der Serie manchmal ziemlich hoch sein kann, so wirkt er jedoch nie einschläfernd oder nervig. Ein wenig Kitsch gönne ich der Serie gern, solange sie weiterhin so gut unterhält. Ein toller Auftakt, der Lust auf viel mehr macht!