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    Bezaubernde Lügen
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Bezaubernde Lügen
    Von Valentina Resetarits
    Wenn Hollywood ruft, sagt auch der europäische Filmschauspieler traditionell selten nein. Das gilt bis in die Gegenwart, und Stars wie die Oscar-Preisträger Christoph Waltz, Marion Cotillard, Javier Bardem und Penélope Cruz gehören längst zum Establishment in der Traumfabrik. Als „Amélie" Audrey Tautou 2006 eine Rolle in Ron Howards Blockbuster „The Da Vinci Code - Sakrileg" an der Seite von Tom Hanks übernahm, wurde durchaus damit gerechnet, dass auch sie sich in Hollywood etablieren würde. Doch es kam anders, Tautou blieb in Frankreich und macht bis heute das, was sie am besten kann: Sie bereichert leichte französische Liebeskomödien mit ihrem einzigartigen Charme. In „Bezaubernde Lügen" schlägt sie gelegentlich zwar einen ungewohnt zickigen Ton an, bleibt aber nicht zuletzt aufgrund ihres nach wie vor mädchenhaften Aussehens stets liebenswert. Ihre zweite Zusammenarbeit mit Regisseur Pierre Salvadori (nach „Liebe um jeden Preis") ist eine weitere romantische Sommerkomödie nach bewährtem Rezept, aber mit einer Extraportion Herz und Humor.

    Emilie (Audrey Tatou) versucht so gut es geht, ihren Friseurladen am Laufen und ihre Mutter Maddie (Nathalie Baye) bei Laune zu halten, die auch nach Jahren noch unter der Trennung von ihrem Mann leidet. Als die Friseurin einen anonymen Liebesbrief erhält, freut sie sich zunächst wenig über die emotionalen Zeilen. Doch ihrer Mutter würde ein solcher Gruß gut tun, also tippt sie den Brief kurzerhand ab und sendet ihn an Maddie. Die ist völlig aus dem Häuschen und will den vermeintlichen Urheber und geheimen Verehrer unbedingt ausfindig machen. Nach einem Missverständnis fällt ihr Verdacht auf den schüchternen Jean (Sami Bouajila), der im Frisiersalon Handwerksarbeiten durchführt. Jetzt muss Emilie ihn nur noch dazu bringen, tatsächlich so zu tun, als wäre er in ihre Mutter verliebt. Doch was weder Emilie noch Maddie wissen: Jean hat tatsächlich den Liebesbrief geschrieben, doch natürlich war er für Emilie bestimmt...

    Sowohl der Filmtitel, als auch die Inhaltsangabe deuten auf eher leichte Unterhaltung hin, und genau das bekommt man auch. Aber Pierre Salvadoris Romantikkomödie hat dabei durchaus Pepp und ist über weite Strecke nicht nur äußerst charmant, sondern auch irre komisch. Das liegt einerseits an den pointierten Dialogen und andererseits an den für dieses Genre erfrischend anderen Figuren. So manche Pointe lässt sich zwar allzu schnell erahnen und die Geschichte verläuft genretypisch überraschungsarm, aber selbst einige überflüssige Wiederholungen – so etwa, wenn Emilie einmal zu oft versucht, ihrer begriffsstutzigen Mitarbeiterin, eine Anweisung zu geben – trüben die lockerflockige Grundstimmung des Films kaum. Dafür sorgt auch Regisseur Salvadori, der immer dann einen pfiffigen Kniff findet, wenn die Romantik in allzu seichte Kitschgefilde abzurutschen droht. So wird ein sexuell aufgeladener Dialog zwischen Emilie und Jean zum Schattentheater für ihre Mutter und eine Mitarbeiterin, die genau so gespannt dem Geschehen folgen wie der Zuseher.

    Ein Glücksfall für den Film ist das Dreiergespann an der Spitze: Audrey Tatou („Zusammen ist man weniger allein"), Nathalie Baye („Catch Me if You Can") und Sami Bouajila („Outside The Law") harmonieren prächtig und setzen komödiantische Glanzlichter. Vor allem Letzterer begeistert als schüchterner Romantiker. Der Genreneuling spielt die hoffnungslose Verliebtheit dermaßen überzeugend, dass er als Sympathieträger sogar Everybody's Darling Audrey Tautou ernsthafte Konkurrenz macht. Die muss ihren zuckersüßen Charme sowieso etwas zügeln, weil ihre Figur gelegentlich sogar ein klein bisschen fies und selbstsüchtig ist. Die Schauspielerin hat sichtbar Spaß an der kleinen Abweichung, bleibt ihrem Rollentypus des ganz normalen Mädchens mit witzigen Alltagsproblemen aber insgesamt treu.

    Fazit: Pierre Salvadori erfindet das Genre der Liebeskomödie mit „Bezaubernde Lügen" natürlich nicht neu. Doch mit netten Gags, mitunter ziemlich witzigen und von Missverständnissen durchsetzten Dialogen sowie einem charmanten Schauspielertrio zaubert er viele amüsante Momente auf die Leinwand.
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