Only God Forgives
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Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion Only God Forgives

4,0


Von Carsten Baumgardt

Nicolas Winding Refn („Pusher“) ist an den Ort zurückgekehrt, wo er vom vielversprechenden Talent zum Regiestar aufgestiegen ist: Zwei Jahre nachdem er bei den Filmfestspielen in Cannes für sein Action-Drama-Meisterwerk „Drive“ mit dem Regiepreis prämiert wurde und seinen großen Durchbruch feierte, stellt sich der Däne mit dem umstrittenen „Only God Forgives“ erneut dem Wettbewerb an der Croisette. Und eines ist gewiss: Kein anderes Werk wird 2013 in Cannes so inbrünstig diskutiert wie das eigensinnig-brutale Crime-Drama – dieser in jeder Beziehung außergewöhnliche Film spaltet das Festivalpublikum auf extreme Weise. Eines muss dazu vorweg gesagt werden: Wer hier ein „neues Drive“ erhofft, wird radikal enttäuscht werden. „Only God Forgives“ ist völlig anders, Refn kümmert sich nicht um eventuell an ihn gestellte Erwartungen, er zertrümmert sie vielmehr regelrecht und liefert ein hyper-stylishes, ultra-brutales und von jedem inhaltlichen Ballast befreites Arthouse-Husarenstück ab, das am Ende nur knapp an der Selbstparodie vorbeischrammt. Faszinierend und abstoßend zugleich.

Der vor Jahren vor der Justiz in seinem Heimatland geflüchtete Amerikaner Julian (Ryan Gosling) ist in Bangkok Mitbetreiber eines Box-Clubs, der als Fassade für einen florierenden Drogenhandel dient. Als sein Bruder Billy (Tom Burke) in einem Hotelzimmer eine 16-jährige Prostituierte vergewaltigt und tötet, wird der selber zur Zielscheibe der Gewalt und zu Tode geprügelt. Julians und Billys hartgesottene Mutter Crystal (Kristin Scott Thomas), selber Kopf einer kriminellen Organisation, reist aus den Vereinigten Staaten an, um Blutrache für den Tod ihres Sohnes einzufordern. Doch Julian zögert. Erst als Chang (Vithaya Pansringarm), ein pensionierter Polizist, der die Unterwelt aufräumt, und für Billys Ableben verantwortlich ist, weiteren Ärger macht, überdenkt er seine Meinung.


Das Projekt „Only God Forgives“ wollte Nicolas Winding Refn eigentlich schon vor seinem vielbeachteten Triumph „Drive” realisieren, doch dann entschied er dafür, zunächst den kommerziell eher erfolgversprechenden Film zu drehen. Das hat sich bezahlt gemacht, denn Refns Reputation ist durch den Instant-Kult um „Drive“ kometenhaft gestiegen, was die kompromisslose Umsetzung von „Only God Forgives“ um einiges erleichtert haben dürfte. Seine mit dem Vorgänger neugewonnenen Fans stößt der Regisseur mit diesem anderthalbstündigen Rache-Inferno allerdings ordentlich vor den Kopf. Er knüpft an frühere Werke wie „Bronson“ und „Walhalla Rising“ an und setzt noch einen drauf: Mit „Only God Forgives“ taucht er in die schwül-fiebrige Atmosphäre der Unterwelt in der thailändischen Metropole Bangkok ein und inszeniert ein virtuos durchkomponiertes Blut-Ballett von bizarr-morbider Schönheit. Er verzichtet auf eine echte Story und macht dafür aus jeder einzelnen Einstellung ein visuell atemberaubendes kleines Kunstwerk mit betörendem Farbdesign, deren Wirkung er durch den (mal tatsächlichen, mal nur gefühlten) Einsatz von genießerischen Zeitlupen noch verstärkt.  

Auf die Frage, warum ihr heißgeliebter Ekelpaket-Sohn Billy ein junges Mädchen brutal geschändet und umgebracht hat, raunt die Mutter Crystal nur knapp: „I am sure, he had his reasons!“. Die lapidar-verächtlich hingerotzte Replik bringt die moralische Verkommenheit der Welt von „Only God Forgives“ auf den Punkt. Hier herrscht politisch höchst unkorrekte Gefühlskälte, ein Innenleben gönnt Refn seinen Figuren nicht und entsprechend gibt es auch keine Sympathieträger. Hier kämpft nicht Gut gegen Böse - ersteres existiert in diesem Kosmos endloser Gewalt längst nicht mehr -, sondern jeder hat eben seine Gründe und so geht es Auge um Auge, Zahn um Zahn weiter ohne Aussicht auf einen Ausweg. Nach sachtem Start steigert der Regisseur die Brutalität zur Unerträglichkeit und die doppelte Rache-Geschichte bekommt Züge eines nihilistischen Höllentrips. Da werden dann Schwerter gewetzt und Leiber aufgeschlitzt, als gehöre dies zum guten Ton in der Unterwelt. Exemplarisch ist eine Szene, in der Chang ein Mitglied von Julians Clan (Byron Gibson) foltert. Er malträtiert zunächst Hände und Beine mit Stahlspießen, bevor er dem gefesselten Gegner Augen und Ohren aussticht. Diese Gewaltorgie ist nichts für zarte Gemüter und schon bei der Weltpremiere in Cannes hat sie so manchen Zuschauer zur Flucht aus dem Kinosaal motiviert.

Refn nimmt immer wieder Anleihen bei der griechischen Mythologie und Kristin Scott Thomas („Der englische Patient“) ist seine Furie: Sie geht komplett over the top, pöbelt wie die sprichwörtliche Kesselflickerin und macht aus ihren krachend-bösartigen Onelinern ein Ereignis – eine ebenso beängstigende wie charismatische Figur. Ryan Goslings Julian ist dagegen ein Weichei der Güteklasse A – vom obercoolen Driver trotz des auch hier immer bestens gestylten Äußeren keine Spur mehr. Der Kontrast zu „Drive“ ist also auch in dieser Hinsicht augenfällig, was aber eher dem Zufall geschuldet ist, denn die Rolle wurde ursprünglich für einen anderen Schauspieler geschrieben (die Indizien deuten auf Luke Evans). Erst als der absprang, übernahm Gosling und steht gegenüber der Kollegin Scott Thomas genauso zurück wie im Vergleich zum thailändischen Schauspieler Vithaya Pansringarm („Hangover 2“), der den Part des einheimischen Gegenspielers innehat. Er glänzt als Bangkoks Racheengel in Uniform mit düster-faszinierender Ausstrahlung. Eine psychologisch klar definierte Figur ist allerdings auch dieser Chang nicht, Stimmung und Aura sind für Refn wichtiger als ausgefeilte Charakterzeichnung. Gesprochen wird ohnehin kaum, die Personen, die zuweilen wie Untote umeinanderschlurfen, werden bestenfalls von einer mysteriösen Vergangenheit umweht. Refn behandelt die Akteure wie Schachfiguren, die er strategisch und bedächtig auf der Bühne seines Todesballetts verschiebt – ihrem unausweichlichen Schicksal entgegen.
 
Fazit: Nicolas Winding Refns visuell beeindruckendes Arthouse-Todesdrama „Only God Forgives“ ist ein archaischer, ultraharter und verstörender Schocker, der mit seinem Vorgänger „Drive“ wenig gemein hat. „Only God Forgives“ hat etwas von Katastrophen-Tourismus, man kann den Blick trotz des blutigen Desasters nicht abwenden.

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Kommentare

  • mercedesjan

    Nach dem der Film gestern teilweise zerissen wurde bin ich jetzt doch wieder optimistisch das mein Filmhighlight des Jahres was wird^^ Jetzt weiß man ja das man kein zweites Drive erwarten kann...Und das was ich hier lese gefällt mir richtig gut...Ich freu mich weiterhin unglaublich auf den Film ;)

  • Ragism

    Sehr schön! "Drive" ist mit "Pusher 2" vielleicht der schwächste Film im Werk Winding Refns, was allerdings noch immer großartig ist. Es freut mich sehr, daß er nicht das geringste Interesse zu haben scheint, noch einmal einen Film für den Geldbeutel zu drehen. Dies ist eines der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale zwischen dänischen und US-amerikanischen Regisseuren.

  • niman7

    Drive habt ihr gelobt wie es nur ging. Anfangs dachte ich mir "der ist total langweilig" aber jetzt könnte ich mir ihn jeden Tag anschauen. Trotz extrem schlechten Pressespiegel, freue ich mich jetzt sehr auf dem Film. Danke!

  • P14INVI3VV

    @Ragism Du behauptest also, dass jeder bekannte US-amerikanische Regisseur nur auf Geld aus ist? Absoluter Schwachsinn. Sieh' dir mal Paul Thomas Anderson an, um nur ein Beispiel zu nennen.

  • niman7

    Was ist mit Anderson gemacht wird, ist einfach eine Schande! Jetzt kriegt er seine Filme nicht mehr finanziert und MUSS nun irgendeine (vllt) idiotischen Komödie drehen nur damit etwas Geld in die Kassen kommt.

  • sky_erosion

    Das Off-Topic von Plainview muss ich auch noch mal unterstreichen. Diese Generalisierungen sind echt zum Kotzen. Unterscheidungsmerkmale liegen nicht in Nationalitäten sondern im Individuum des Regisseurs, inwieweit er seine Vision von dem Film, den er drehen möchte, bedingungslos durchsetzt oder sie bezüglich Finanzwünschen seinersteits oder von Seiten des Studios ändert.

  • Venom

    Hört sich für mich alles super an. Ich frage mich nur (in letzter Zeit sehr häufig) wo die Abzüge bei dem Film sind. Ich lese eigentlich nichts negatives, außer das Gosling nicht seine absolute Höchstleistung abruft. Warum bekommt der Film dann keine 5 Sterne? Was ist das Kriterium für einen 5 Sterne Film?

    Zum Offtopic: Ragism pauschalisiert halt immer. Arm, aber ist halt so. Werfen wir halt mal Jim Jarmusch mit Michael Bay in einen Topf. Oder Wes Anderson mit Spielberg. Warum auch nicht....

  • Ragism

    @P14INVI3VV Nein, das behaupte ich nicht. Von "jedem" Regisseur habe ich nichts geschrieben. Es wird Dir nur sehr schwer fallen, auch nur einen dänischen Regisseur zu finden, der gerne Blockbuster für den Mainstream, also für den Kontostand der Produzenten dreht. Bei US-amerikanischen Regisseuren ist das allerdings die Regel, und nur gelegentlich finden sich ein paar Regisseure, die an der Kunst interessiert sind (wie Dein Paul Thomas Anderson, Joel & Ethan Coen, David Lynch etc...). Das liegt auch nicht an Nationalitäten, sondern am gänzlich anderen Geschäftsmodell und dem ihm folgenden Kulturverständnis der US-amerikanischen Filmindustrie.

  • Ragism

    Gewisse User hier können nicht ordentlich lesen. Arm, aber ist halt so ;)

  • Christoph Petersen

    @ Venom: Ihr lest die Kritiken immer falschrum. Ein Film beginnt mit einer schwarzen Leinwand - dafür gibt es 0,5 Sterne. Anschließend muss sich der Film alle weiteren Sterne verdienen - und wenn da nur genug für 4 Sterne zusammenkommt, gibt es halt nur 4 Sterne, auch ohne dass die Macher dafür irgendwie noch groß Mist bauen müssten.

  • Venom

    Ok, so macht das natürlich Sinn. Danke für die Antwort!

  • Jimmy V.

    Die Kritik ist ganz gut geschrieben. Was mich interessiert hätte: Wenn er so ist wie "Bronson" und "Valhalla Rising", wird er dann auch ähnlich enden? Ich finde Refns Filme ja prinzipiell gut, doch sind sie auch alle sehr ähnlich, meiner Meinung nach.

  • David Kind

    ich habe mal versucht "walhalla rising" zu sehen. es ging nicht: die sinnlosigkeit dieses films war dröhnend. die gewaltätigkeit verstörend. ähnliches empfnand ich bei "drive": völlig sinnfrei. aber nichtmal mit der sinnlosigkeit wurde sich auseinandergesetzt und was noch viel schlimmer ist: refjn ist dermaßen humorlos und - abgesehen von hass, gewalt etc emotionslos ... er nimmt sich einfach unglaublich ernst. und komplex sind seine geschichten auch nicht gerade ... ästhetik ist nicht alles und virtuosität schließt für mich handlung mit ein.

  • Ragism

    @David Kind: Sieh Dir mal "Pusher" an. Wenn Du danach nicht sagst, daß dies der realistischste Streifen im Kleingangstermilieu ist, weiß ich auch nicht weiter ;) Hier gibt es auch noch einen roten Faden, was er in den späteren Werken tatsächlich vernachlässigt hat. Ich schätze seine Filme aber durchgehend, vor allem "Bronson" hats mir angetan.

  • Fain5

    Also ich bin ein wenig enttäuscht, dass in der Kritik kein Wort über die Mitarbeit von Gaspar Noe (ihr berichtetet^^) verloren wird. Denn zumindest auf dem Blatt liest sich der Film als könnte er auch von ihm stammen.

    @Ragism: Du hast dich nunmal echt zu allgemein ausgedrückt und ich glaube nicht, dass das nicht beabsichtigt war. Kenn wir doch alle, dass wir erstmal weit ausholen um dann die Kompromisse zu suchen. Jedenfalls hab ich mal nachgedacht und mich gefragt woran dieser Unterschied bei dänischen und amerikanischen Regisseuren liegt. Man kann ja jetzt auch sagen, dass die Dänen generell schonmal nicht das Budget für richtige Blockbuster haben oder halt filmisch anders erzogen wurden. In Amerika herrscht ja ständig das Motto "höher schneller weiter". Jedenfalls sehe ich beides eher positiv denn ich liebe es genauso durch US Bombastkino unterhalten zu werden als durch eine zynische Komödie ala Adams Äpfel. Die Vielfältigkeit macht unsere Welt doch erst interessant. Die Asiaten zum Beispiiel schaffen es ja schon länger beide Sachen zu kombinieren.

  • Ragism

    War ja auch allgemein, aber nicht ausschließend. Hab nicht geschrieben, daß dieser Trend auf alle Regisseure zutreffen würde. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gerne Menschen Dinge lesen, die nirgendwo stehen. Ist ja auch egal.

    Klar, das Budget ist natürlich ein wichtiger Faktor. Hat man wenig Geld für Spezialeffekte und teure Technik, zwingt es die Filmemacher automatisch dazu, in der Darstellung und der Erzählung punkten zu müssen. Unter den Dänen gibt es also weitaus mehr Künstler, die ihr Handwerk verstehen, da sie nicht jede Unzulänglichkeit in diesen Bereichen mit Effekten und Actionsequenzen ausbügeln können. Je höher die Budgets für Filme sind, umso risikoärmer und uneigenständiger werden die Filme. Vermutlich rührt dort auch die große Langeweile im Blockbuster-Kino her.

    Trotzdem ist es immer wieder faszinierend, daß im europäischen Vergleich Unsummen in Deutschland für Filmförderung ausgegeben werden, unsere direkten Nachbarn (Dänemark, Frankreich, Österreich) aber ein viel mutigeres und originelleres Kino produzieren.

  • DerEinevomDorf

    @Ragism: In Bezug auf deinen letzten Absatz gebe ich dir absolut Recht. Es ist mehr als erstaunlich, was aus dem reingesteckten Geld in die deutsche Filmindustrie für ein Murks herauskommt. Habe mich neulich schon mit einem Freund darüber unterhalten. Uns fiel wirklich nicht viel ein, was - abseits von Werner Herzog - seit "Das Boot" wirklich Vernünftiges herausgekomme ist.

  • Fain5

    Wir haben Roland Emmerich und August Diehl gefördert :-P

  • Schnafffan

    @Ragism - Interessant, dass du ausgerechnet "Pusher 2" am schwächsten von Refn findest, für mich ist er innerhalb einer starken Trilogie unangefochten der beste, mit einem großartigen Ende. Meine Lieblinge sind aber "Bronson", "Walhalla Rising" und "Drive", ich werde demnächst noch mal alle kurz hintereinander sehen müssen, um meinen Favoriten unter ihnen auszumachen. Ich finde tatsächlich den von sätmlichen Kritikern gefeierten "Fear X" am schwächsten, aber selbst dieser war noch hochfaszinierend.

  • Schnafffan

    SO, und nun als vermutlich erstes Community-Mitglied, das ihn gesehen hat:

    Ich muss das Erlebnis erstmal noch ganz tief sacken lassen und ihn unbedingt demnächst noch einmal anschauen......JETZT spontan gut zwei Stunden nach dem Kinobesuch würde ich aber sagen:

    DER BESTE FILM DES JAHRES!!!!!!

    Zwei Dinge: Macht UNBEDINGT nicht den grandiosen Fehler, ein zweites "Drive" zu erwarten. Und zweitens: Genießt einfach!!! Obwohl dieser Film der langatmigste, zerdehnteste und zeitlupenartigste des Jahres ist, war er für mich gleichwohl der kurzweiligste. Nicht eine einzige Sekunde empfand ich als zu lang.
    Und endlich etwas, was ich dieses Kinojahr so sehr vermisst habe: Obwoh ich ununterbrochen die visuelle Pracht dieses Kunststücks genossen habe, kam ich aus dem Deuten und Interpretieren nicht mehr heraus.....intellektuell kann man den Film wahrlich am besten noch mit "Walhalla Rising" oder "Fear X" vergleichen und doch ist er so völlig anders.

    Ich will nicht weiter drum herumreden: Zumindest jetzt im Moment würde ich diesem Film - was ich seit mehreren Jahren und selbst bei meinem heißgeliebten "Drive" nach langem inneren Ringen nicht getan habe - die magische 5-Sterne-Wertung vergeben!!!

  • Fain5

    Du warst nicht der erste, ich war nur gestern zu faul zum schrieben :-P

    Also ich weiß nicht was alle haben, wenn man mal Drive aussen vor lässt ist diser Film nichts neues für Refn Kenner. Ich meine damit, dass meist sehr ästhetische Bilder aneinander gereiht werden anstatt der Hauptstory zu folgen.

    Aber wie mein Vorposter schon sagte, man muss den Film erstmal sacken lassen. Er ist auf jeden Fall ein sehr gut gemachter Film aber es gilt noch rauszufinden was genau er einen sagen möchte.

    Ein Witz ist es, dass er eine 16er Freigabe bekommen hat.

  • PaddyBear

    Ich finde es schwer den Film zu bewerten. Wirklich lesen konnte ich ihn nicht. Da ist zum einen dieser unglaublich gute Style, den der Film definitiv hat, aber der Rest ist dermaßen substanzlos das es mir schwer fällt dem Film etwas positives abzugewinnen. Ich habe den Film zwar als intensives Erlebnis empfunden welches ich nicht umbedingt genießen konnte (was positiv gemeint ist) aber trotzdem kann ich mich im Allgemeinen nicht für den Film begeistern. Ich werde ihn mir nochmal angucken. Faszinierend ist er jedenfalls. Ob positiv oder negativ, dass sollte jeder für sich selbst feststellen. Die Synchonisation war mit das schlechteste was ich jemals hören musste. Ganz, ganz schlimm. Schon alleine deswegen MUSS ich den Film nochmal im Original gucken. Ersteindruck, unter Vorbehalt, 3/5

  • maessju

    ein grandioser film, ohne frage!
    aber wie hat der FSK 16 erhalten?

  • maessju

    @Fain5
    Danke für die Info bzgl. Gaspar Noe

  • Andreas Anyways

    @maessju
    Der Film hat eine Einberufung gehabt, vor jener war er ab FSK 18

    @PaddyBear
    Ich will hier nichts spoilern, aber du weist gar nicht wieviel Substanz der Film hat, wenn du die Bilder richtig intepretierst. Refn erzählt nunmal keine richtige Story, er lässt Bilder sprechen und das geht hier auch auf.

    Zu deinem anderen gebe ich dir Recht, der Film ist ein wahres Erlebnis, wirkt wie ein grauenhaft schlimmer Albtraum, aus dem man einfach nicht erwachen will. Dies sagte auch Kristin Scott thomas in einem Interview, auch, dass ihr der Film selber gar nicht gefallen hat.

  • P-Saimon

    Das passiert also, wenn mal ein Independent-Kunstwerk (und wahrscheinlich auch noch das konsequenteste der letzten Jahre) in die Mainstream-Sparte rutscht.
    Ich war mit einer größeren Gruppe im Kino, die ich (da ich auch die alten Refn-Filme kenne) davor noch explizit gewarnt habe was den Film angeht, und natürlich waren die Reaktionen überall zwischen "unterirdisch" und "ganz interessant, aber was zur Hölle sollte das?". Überall im Kino wurde getuschelt, gekichert, geraschelt, 2 Leute sind nach 15 Minuten gegangen und ich saß in der Mitte und musste mich zum Teil schon hart konzentrieren um den ganzen Lärm auszublenden, damit ich das geilste Kinoerlebnis der letzten Jahre vernünftig genießen konnte. So geflasht bin ich das letzte Mal nach Inception aus dem Kino gegangen.
    Nachdem ich das Ganze jetzt 2 Tage sacken lassen konnte hat sich an meiner Begeisterung nichts geändert, im Gegenteil.
    Wer behauptet, dass in diesem Film nichts passiert hat nicht richtig hingeschaut. Allein die Farben erzählen mehr als jeder durchschnittliche 2-Stunden-Film, die Kombination aus Rückblenden, Vorstellung und Realität machen aus der Rolle von Gosling einen unglaublich interessanten Charakter, ohne dass überhaupt ein Minenspiel notwendig wäre und die Interpretationsansätze werden einem an jeder Ecke um die Ohren geklatscht, man muss sie nur sehen wollen. Und die Aufnahmen sind so unglaublich brilliant, dass mir bei ein paar Szenen buchstäblich die Kinnlade runtergeklappt ist.
    Das einzige was mir nicht gepasst hat war die einfach nur GRAUENHAFTE deutsche Synchronisation. Aber dafür kann der Film nichts. Denn der ist mein neues Highlight in dem durchgehend aus Highlights bestehenden Schaffen von Nicolas Winding Refn.

  • korkell

    Statt darüber zu reden wie viel Substanz und Tiefe der Film hatte könnte mir ja mal jemand grob erklären....ja genau "was das ganze sollte".
    Also ich gehe davon aus, dass ab jetzt jeder lakonische Film mit meditativer Cliff Martinez Musik, einschläfernder Kameraführung, ohne klare Struktur und brachialer Gewalt die (vermeintlich!) aus dem Nichts kommt und vielen gefrorenen Blicken ins Nichts als nihilistischer, archaischer Höllentrip gefeiert wird?
    "Story" bzw. Vorgänge verstanden, Inszenierung kann ich teilweise nachvollziehen aber ich verstehe nicht wo jede einzelne Einstellung ein so künstlerisches Meisterwerk ist, dass man ganze Abhandlungen hinein interpretieren kann. Ich verstehe ja die Ästhetik und den Gedanken find ich auch gut es eben so Zwischenmenchlich eiskalt und brutal zu gestalten im Kontrast zu den schönen Farben (wieder so ein Film der bei schlechtem Dämmerlicht in modern, minimalistisch durchgestylten Räumen spielt die nur aus Projektionsfläche für das....Seelenleben(?) der Charaktere dienen soll....).
    Aber ich frage mich warum?
    Was zieh ich jetzt aus diesem Film anderes raus als Ästhetik und ein paar Abgründe die man schon 10 mal gesehen hat?
    Drive war ein Meisterwerk, Valhalla Rising für einen kleinen Zuschauerkreis (zu dem ich bedingt gehöre) vermutlich auch.
    Aber das?
    Ich finde auch den Vergleich zu Drive nicht so weit hergeholt, die Art der Gewalt ist 1 zu 1 genauso inszeniert und gelagert. Der Protagonist ist nun mal der selbe. Die Kameraführung ähnlich, die Score fast identisch (außer, dass der Synthiepop mehr fehlt) die Farbzeichnung ebenfalls identisch stilisiert...und das Szenario ebenso archaisch und pessimistisch.
    Auch wenn die Wortkargheit und die fehlende Struktur mehr an Valhalla Rising erinnern hab ich mindestens genauso viel Drive darin gesehen. Nur in langweiliger sorry aber schöne bdeutungsschwangere Bilder die keiner der von ihrer Tiefe schwafelt zu deuten vermag halten mich einfach nicht bei der Stange, nicht mal über die kurze Laufzeit.
    Vllt. hat doch jemand die Güte mir die konkrete Botschaft zu erklären?
    Ein weiteres mal kommt Refn da bei mir nicht mehr durch, soll er mal zeigen, dass er auch was komplett anderes kann.

  • Andreas Anyways

    ACHTUNG (MASSIVER SPOILER!)

    @korkell

    So dann fange ich jetzt an. In OGF haben wir drei Fraktionen: Die Mutter, sie ist der Teufel. Chang, der Racheengel und Gott. Julian, der zwischen diesen 2 Typen umherpendelt.

    Julians Bruder schickt mit seinem Vergehen den Teufel und Gott gegeneinander und Julian wird durch den Teufel, weil er in Gestalt seiner Mutter erscheint mit Gott konfrontiert. er selber hat schwere Bedauern zu tragen (das sind immer die Nahaufnahmen seiner Hände), da er vor Jahren seinen eigenen Vater umgebracht hat. Jetzt wird er dazu gebracht sich dem Gott zu stellen, dabei ist er jedoch chancenlos (landet keinen einzigen Schlag in der "Wanna fight?"-Szene). Der teufel wird besiegt, da Chang ihn tötet, ergo er tötet die Mutter, dadurch ist Julian von Fesseln befreit, hat aber noch seine Bedauern, seine Bürden zu tragen. So geht er freiwillig mit Chang mit, er bietet seine Hände an, damit Chang ihn weiterleben lässt. Chang schlägt ihm diese ab, damit nimmt er Julian seine schwere Last und Julian kann ein anderes Leben führen. In der letzten Szene in der Karaokebar singt Chang ein Lied, welches bei genauem Betrachten der Übersetzung der Lyrics ein Liebes und Vergebungslied ist.

    Chang hat Julian für seine Taten vergeben, denn er ist der Gott, der den Teufel bezwungen und seinem Sünder vergeben hat.

    "Only God Forgives" - Nur Gott vergibt.

    Noch irgendwelche Fragen? Dann frag.

    Gruß Andy

  • Schnafffan

    Wow, Andy, nicht übel! ;)

    Steht ja jedem völlig frei,was anderes raus- oder reinzulesen, aber deine Interpretation klingt definitiv erstmal sehr plausibel und bemerkenswert.

  • P-Saimon

    ACHTUNG SPOILER!

    Zum Charakter von Julian:
    Er ist zwar der Sohn des Teufels, möchte sich aber (im Gegensatz zu seinem Bruder) möglichst von dieser bösen Macht distanzieren. Aufgrund der überstarken Präsenz seiner Mutter gelingt ihm das aber nicht (er flieht nach Thailand und steht noch immer unter ihrem Einfluss -> Drogengeschäfte) und diese ungewollte Fixierung auf seine Mutter beeinflusst auch sämtliche zwischenmenschlichen Beziehungen, die er sich verzweifelt wünscht (in den Szenen mit seiner Freundin ist er entweder passiv als Zuschauer beteiligt oder es findet gleich alles in seiner Vorstellung statt). Dabei versucht er trotzdem die ganze Zeit so gerecht wie möglich zu handeln (will seinen Bruder nicht rächen, lässt das Kind am Leben), weshalb er von seiner Mutter verachtet wird. Allerdings kann er sich auch nach ihrem Tot nicht aus ihrem Bann lösen (die Szene wo er ihr in den Bauch greift), weshalb er wohl niemals wirklich Frieden finden wird.
    Chang erkennt, dass Julian im Kern gerecht ist und seine schlechten Taten nur von der Beziehung zu seiner Mutter herrühren, weshalb er ihm am Ende nur die Hände abhackt anstatt ihn zu töten. Damit befreit er ihn von seiner "Schuld" der Sohn des Teufels zu sein (only god forgives) und stellt ihn auf die Stufe eines gewöhnlichen Verbrechers (welche in Thailand ja zum Teil immer noch dadurch bestraft werden, dass ihnen die Hand abgehackt wird).
    Zu den Farben:
    Rot ist der Teufel, Blau ist Gott (interessant: diese Farben spielen auch bei Muay Thai eine wichtige Rolle), Gelb ist die Sünde. Diese Farben werden zum Teil unterschiedlich eingesetzt, um die Ambivalenz der Mächte darzustellen.
    Das sind einige meiner Gedanken zum Film, auf alternative Ansätze bin ich natürlich gespannt :)

  • Jannek

    Danke, Andy, die eigentlich sehr offensichtliche Verbindung "Hände abschlagen - Vater mit bloßen Händen getötet" hatte mir irgendwie gefehlt.

  • Slady XY

    Eine sehr gute - aber wie immer etwas zu kurze - Kritik.

  • Slady XY

    Interessant.

  • Thomas G.

    Dieser Film ist sinnloser Mist, der mit Hilfe von Pseudoathmosphäre versucht, nicht vorhandene Geschichte und Charaktäre zu ersetzen. Griff ins Klo!

  • Fain5

    so jetzt komme ich endlich mal dazu meine Interpretation zum Film abzugeben obwohl ich ihn direkt zum Kinostart gesehen habe. Mittlerweile sind einige neue dazu gekommen also entschuldigt falls das hier schon steht:
    Ich finde es ja wirklich toll, dass der Film so viel Interpreationsspielraum lässt und dies auch rege ausgenutzt wird, nur denke ich dass heir viele viel zu kompliziert und aufwendig denken.
    Meiner Meinung nach hat Julien einfach einen Ödypusskomplex. Er sehnt sich danach wieder im Schoss/Unterleib seiner Mutter zu sein, in dem er beschützt und behütet ist. Deswegen hat er auch keinen eigentlichen Sex mit den Prostituierten sondern dringt mit seinen Händen in sie ein. Die Hände sind in diesem Fall auch sein Verbindungsmedium und für ihn äusserst wichtig. Das erklärt auch die ziemlich absurde Szene am Schluss, in der er tatsächlich in den Unterleib seiner Mutter eindringt.
    Chang ist nichts weiter als ein Polizist, der für Ordnung in seiner Stadt sorgen will.
    Der Film ist ein klassischer Rachethirller und der Titel sollte nicht all zu wörtlich genommen werden sondern nur als Sinnbild dafür, dass im Gegensatz zum gütigen Wesen Gott die Menschen nicht vergeben können und sich somit in einen Strudel aus Rache und Gewalt hinein ziehen lassen.
    Meine bescheidene Interpretation.

  • Andreas Anyways

    @Fain5
    Da gibt es nur ein Problem, Refn selber hatte auch in einem Interview gesagt, dass Chang die "Gott" Rolle einnimmt.

    Das mit dem Ödypusskomplex ist wirklich sehr interessant und erläutert das Verhältnis zur Mutter näher (gerade die Abendmahl-Szene und die darauffolgende Reaktion, dass sie doch seine Mutter sei), aber mMn bleibt die Metaphorik und Symbolik bestehen. Gerade, weil Refn eben diese Elemente stets selber als Teil seines, seiner Meinung nach im Kern, Western im asiatischen Bereich ansieht.

    Schlussendlich bleibe ich auch bei meiner eigenen Interpretation, weil sie, wie ich finde, den Film auch im Detail "erklärt".

    PS: Außerdem deckt sich deine Ansicht nicht mit dem Ende, wenn Julian dann von Chang aufgesucht wird und mit ihm mitgeht, damit seine "Instrumente" abgenommen werden.

  • Fain5

    Ok, dass Refn das gesagt hat wusste ich nicht. Wie ich schon sagte, finde ich es gut, dass es so viele Interpretationen gibt und dir sei deine auch gelassen. Doch ich finde schon, dass meine zu dem Ende passt. Nachdem seine Mutter tot war konnte Julien sich von seinem Komplex befreien und hat quasi als Befreiungsschlag seine Hände, eben die "Instrumente" mit denen er seinen Komplex ausgelebt hat, geopfert.

  • J?rg K.

    Seit James Dean wurde kein männlicher Darsteller mehr in wenigen Jahren mit drei aussergewöhnlichen Filmen auf hoher Qualität auf einen neuen Charakter festgelegt, den er selbst hervorgebracht hat - bis Ryan Gosling. Da Refn diesmal im Stil eines Anti-Films mit gefühlten zwei Bildern pro Minute vor allem auf Form und Farbe setzt, ist Gosling hier vor allem Form. Inhaltlich großartiger ist die Rolle der bad mother! Sie schreibt Geschichte mit jedem Satz! Wegen ihr ein must-seen!

  • pil

    wen juckts????

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