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    Und dann der Regen
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Und dann der Regen
    Von Lars-Christian Daniels
    Eigentlich müsste sich in Bolivien niemand Sorgen um die eigene Wasserversorgung machen – der südamerikanische Kontinent zählt schließlich zu den wasserreichsten Regionen der Erde. Allein auf das Nachbarland Brasilien entfallen über ein Fünftel der weltweiten Wasserressourcen. Und doch hat die Bevölkerung Boliviens, das trotz seiner Bodenschätze das exportschwächste Land Lateinamerikas ist, seit Jahren mit Wasserknappheit zu kämpfen. Schuld daran sind international operierende, auf Profit ausgerichtete Konzerne, die die Versorgung kontrollieren und damit Millionen Bolivianer in Existenzängste stürzen. Diese soziale Problematik beleuchtet die spanische Filmemacherin Icíar Bollaín in ihrer spanisch-mexikanisch-französischen Co-Produktion „Und dann der Regen": Sie erzählt vordergründig zwar die Geschichte eines hindernisreichen Filmdrehs in der Pampa, macht in ihrem Drama zugleich aber eindringlich deutlich, dass die Wasserknappheit in Bolivien ein Problem ist, dessen Lösung längst überfällig ist.

    Der spanische Regisseur Sebastián (Gael García Bernal) bricht gemeinsam mit seinem Produzenten Costa (Luis Tosar) und seiner Crew nach Bolivien auf, um dort einen Film zu drehen, der endlich die wahren Beweggründe für die Seereisen von Christoph Columbus offenlegen soll: die Gier nach Gold und die Jagd auf Sklaven. Der Drehort ist dem knapp bemessenen Budget geschuldet, zudem müssen vor Ort noch zahlreiche Laiendarsteller besetzt werden, die im Film die Ureinwohner spielen sollen. Kaum haben die Arbeiten am Set begonnen, sehen sich die Filmemacher jedoch ersten Problemen ausgesetzt: Ihr Hauptdarsteller Daniel (Juan Carlos Aduviri) ist einer der führenden Aktivisten im bolivianischen Wasserkrieg und kämpft beim gewaltsamen Widerstand gegen die gierigen Konzerne in vorderster Front. Schon bald müssen Sebastián und Costa einsehen, dass die politischen Unruhen den ursprünglichen Drehplan ad absurdum führen...

    Die ungerechte Wasserverteilung in Bolivien ist ein Thema, das international zunehmend in den Blickpunkt rückt. Es verwundert daher nicht, dass sich 2008 kein Geringerer als der Geheimagent Ihrer Majestät in seinem 22. Leinwandabenteuer „James Bond 007 - Ein Quantum Trost" mit einem Bösewicht auseinandersetzen musste, der ebenfalls um das profitable Geschäft mit dem bolivianischen Wasser wusste. Was in „Ein Quantum Trost" Randnotiz blieb und naturgemäß hinter dem 007-typischen Actionfeuerwerk und der Bondschen Vergangenheitsbewältigung zurückstehen musste, wird in „Und dann der Regen" erfreulich ausführlich aufgearbeitet: Drehbuchautor Paul Laverty („It's a Free World") verknüpft die Schwierigkeiten, die Regisseur Sebastián und Produzent Costa an ihrem Filmset zu meistern haben, gekonnt mit den aufkeimenden Unruhen in der bolivianischen Großstadt, ohne dabei einen der beiden Handlungsstränge zu vernachlässigen.

    Dabei erinnern die stockenden Dreharbeiten im Dschungel fast ein wenig an die legendären Auseinandersetzungen Werner Herzogs mit Enfant terrible Klaus Kinski („Fitzcarraldo"), die der Filmemacher in „Mein liebster Feind" so brillant dokumentierte. Natürlich ist Aduviris Daniel kein Exzentriker vom Kaliber eines Kinski, doch bringt auch der bolivianische Schauspieler die Filmcrew mit seinen Eskapaden regelmäßig zur Verzweiflung. Als die Ausschreitungen und Auseinandersetzungen in der Stadt sich verschlimmern, schert sich der Laiendarsteller schon bald einen Dreck um die Einhaltung des Drehplans. Der noch weitgehend unbekannte Aduviri bringt den moralischen Konflikt des Familienvaters, der sich zwischen seinen Protestaktivitäten und der zumindest für bolivianische Verhältnisse üppigen Gage entscheiden muss, überzeugend zum Ausdruck. Ohne große Worte oder emotionale Ausbrüche macht der heimliche Star des Films deutlich, wie belanglos ein Film über Christoph Columbus angesichts der sozialen Probleme seines Heimatlandes doch sein kann.

    Fazit: Iciar Bollains überzeugendes Polit-Drama ist stringent erzähltes, engagiertes Kino ohne erhobenen Zeigefinger. Die spanische Regisseurin, die sich auf eine ausgezeichnete Besetzung aus Unbekannten stützt, macht komplexe Probleme sachlich verständlich, lässt auf der Zielgeraden aber auch die großen Gefühle zu: So ist „Und dann der Regen" letztlich nicht nur informativ, sondern auch emotional packend.
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