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    Late Bloomers
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Late Bloomers
    Von Ulf Lepelmeier
    In allen Industriestaaten das gleiche Bild: Der Altersdurchschnitt der Bevölkerung steigt. So entwickelt sich die Generation 50Plus zum immer größeren Wirtschaftsfaktor und zur äußerst lukrativen Zielgruppe. Regisseurin Julie Gavras („Blame It on Fidel") widmet sich in ihrer Komödie auf bemüht locker-humorvolle Art eben dieser Zielgruppe und zeigt ein Paar, das sich an der Grenze zum 60. Geburtstag zwischen der Sehnsucht nach Jugendlichkeit und dem Sich-Abfinden mit den Beschwerlichkeiten des Alters befindet. Nicht schwungvoll wie die energiegeladenen Protagonisten, sondern vielmehr behäbig und verkrampft arbeitet sich die französische Regisseurin dabei an Klischees rund ums Altern ab. Immerhin verleihen Isabella Rossellini und William Hurt ihren Figuren eine gewisse Würde, so dass die romantische Komödie nicht gänzlich zum klamaukigen Kaffeeklatsch verkommt.

    Mary (Isabella Rossellini) ist gerade pensioniert worden und nähert sich dem sechzigsten Lebensjahr. Bereits seit dreißig Jahren ist die Mutter dreier erwachsener Kinder mit Adam (William Hurt) verheiratet. Als sich Mary plötzlich nicht mehr an die Vorkommnisse des vergangenen Abends erinnern kann, ergreift sie die Angst, dass sie sich in einem frühen Demenzstadium befinden könnte. Bei einem Arztbesuch stellt sich ihre Befürchtung schnell als unbegründet heraus, doch die Gewissheit, langsam aber sicher alt zu werden und als Senior zu gelten, bleibt. Also fängt Mary an, ihre Londoner Wohnung altersgerecht herzurichten und Adam entsprechendes Verhalten einzubläuen. Doch der will noch nicht zum alten Eisen gehören und fühlt sich vom Alterskoller seiner Frau zunehmend genervt. Während Mary sich auf den Herbst des Lebens einstellen will, orientiert sich Adam lieber an den jungen Kollegen in seinem Architekturbüro. Ein Ende der langen Ehe aber wollen die drei Kinder partout nicht zulassen...

    In einer der ersten Szenen sitzt Mary im schwarzen Cocktailkleid und kurzen roten Mantel in dem durch seine strenge Symmetrie und seine Farblosigkeit äußerst markanten Eingangsbereich einer Konferenzhalle, in welcher ihr Ehemann soeben einen Ehrenpreis für seine Verdienste als Architekt entgegennimmt. Dort sinnt sie darüber nach, dass sie und ihr Mann langsam als Seniorenpaar angesehen werden. Die Kamera entfernt sich dabei ruhig und grazil von der immer noch wunderbar anzuschauenden Isabella Rossellini („Blue Velvet") und lässt sie in dem sterilen Raum verloren erscheinen und zugleich erstrahlen. Wie ein naturalistisches Kunstwerk mutet dieser Blick auf die fast 60-jährige Frau an, die vor der Frage steht, wie sie den vor ihr liegenden Lebensabschnitt erfüllend gestalten und sich mit den Tücken des Alters arrangieren soll.

    Doch von der Eleganz dieser gelungenen Einstellung ist Julie Gavras' romantische Komödie ansonsten weit entfernt. In ihrem zweiten Spielfilm verzettelt sie sich mit zahlreichen, schnell wieder versandenden Nebenhandlungen und nähert sich dem Thema des Älterwerdens überhaupt nur arg vorsichtig. Weder werden die sich ergebenen Probleme wirklich ernsthaft aufgearbeitet, noch werden sie leichtfüßig zum charmanten Spaß umgemünzt oder auf bissige Weise zugespitzt. Einige wenige Seitenhiebe auf die gesellschaftliche Einstellung zum Altern sind dennoch durchaus gelungen. Wenn Maria sich in der nur aus jungen Frauen bestehenden Wassergymnastikgruppe wie ein Fremdkörper vorkommt oder die älteren freiwilligen Mitarbeiter eines karitativen Unternehmens wie Minderbemittelte behandelt werden, wird ein schärferer Humor aufgefahren, der dann aber sogleich wieder verwässert wird.

    Isabella Rossellini machte in den letzten Jahren unter anderem mit der skurrilen TV-Serie „Green Porno" von sich reden und bereicherte in kleinen Nebenrollen die Filme „Two Lovers" und „Huhn mit Pflaumen". In „Late Bloomers" tritt sie nach langer Zeit wieder als Hauptdarstellerin auf. Die in Schönheit gealterte Rossellini wirft wie auch ihr Filmpartner William Hurt („A History of Violence", „Bis ans Ende der Welt"), ihren Charme in die Waagschale und zumindest in den gemeinsamen Szenen gelingt es ihnen durchaus, den beiden etwas schablonenhaft angelegten Hauptfiguren echtes Leben einzuhauchen. Während Mary und Adam so eine gewisse Ausstrahlung haben, bleiben die Figuren der drei Kinder allesamt eindimensional.

    Fazit: „Late Bloomers" fehlt es an Schwung und Tiefe. Zu oberflächlich arbeitet sich Julie Gavras am Themenkomplex des Alterns ab, als dass sich die beiden charismatischen Hauptdarsteller dabei nachhaltig profilieren könnten.
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