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    Wickie und die starken Männer
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Wickie und die starken Männer
    Von Christoph Petersen
    Michael „Bully“ Herbig entwickelt sich seit seinem Regiedebüt „Erkan & Stefan“ zunehmend vom Komiker zum Filmemacher. Der Schuh des Manitu war kaum mehr als eine (wenn auch verdammt lustige) Sketchparade – und avancierte wohl auch deshalb mit knapp zwölf Millionen Zuschauern zum erfolgreichsten deutschen Film seit offizieller Erhebung der Publikumszahlen. Der Nachfolger TRaumschiff Surprise – Periode 1 kam dann zwar mit aufwendigen Spezialeffekten daher, diese erwiesen sich jedoch lediglich als eine überflüssige inszenatorische Fingerübung. Damit war Michael Herbigs Experimentierwut allerdings noch lange nicht gestillt. Dieser stürzte sich in der Folge nämlich auf den Animationsfilm Lissi und der wilde Kaiser, mit dem er zwar scheiterte, der ihm aber wiederum ganz neue Einblicke ins Regiehandwerk erlaubte. Mit dem Abenteuerfilm „Wickie und die starken Männer“ legt Herbig nun zum ersten Mal ein Werk vor, in dem mehr Filmemacher als Komiker steckt. Das hat aber leider auch zur Folge, dass die typischen Bully-Elemente bisweilen wie enervierende Fremdkörper wirken, die den ansonsten sympathischen Kinderspaß ein wenig verderben.

    Wickie (Jonas Hämmerle) ist alles andere als ein typischer Wikinger. Der kleingewachsene und ziemlich schmächtige Bengel löst Probleme nämlich nicht wie seine Stammeskumpane mit purer Muskelkraft, sondern mit Köpfchen. So besiegt er seinen Vater, den sturen Wikinger-Chef Flake (Waldemar Kobus), selbst in dessen Paradedisziplin, dem Steinewettschleppen. Eines Tages bricht ein großes Unheil über das Wikingerdorf herein. Während die tapferen Krieger nach einer durchzechten Nacht noch ihren Met-Rausch ausschlafen, klaut der finstere Pirat Pokka (Christoph Maria Herbst) im Auftrag des Schrecklichen Sven (Günther Kaufmann) alle Kinder des Dorfes, um mit ihrer Hilfe einen lange verborgenen, mystischen Schatz zu bergen. Natürlich machen sich Flake und seine Mannen, nachdem die Kopfschmerzen ein wenig nachgelassen haben, sofort auf, um die Kinder zu retten. Und auch Wickie, der den Häschern entwischen konnte, lässt es sich nicht nehmen, seine liebe Freundin Ylvi (Mercedes Jadea Diaz) persönlich aus den Fängen der widerlichen Piraten zu befreien…

    „Wickie und die starken Männer“ ist nicht wie zuletzt Mord ist mein Geschäft, Liebling als Parodie angelegt. Stattdessen ging es den Machern darum, der inzwischen zum Kult avancierten, 78-teiligen Zeichentrickserie aus den 70er Jahren gerecht zu werden. Und tatsächlich hat Michael Herbig den Geist der Vorlage weitestgehend auf die Leinwand hinübergerettet: Wenn Wickie einen brillanten Einfall hat und grüblerisch sein Näschen krault, dann sprühen auch im Hintergrund des Realfilms die goldenen Sterne. Und die Mitglieder der Wikingerhorde sehen allesamt aus, als seien sie den gezeichneten Originalen wie aus dem Gesicht geschnitten. Kein Wunder, hat Herbig doch extra ein werbewirksames, deutschlandweites TV-Casting auf Pro 7 in die Wege geleitet, um optische Übereinstimmungen zu garantieren.

    Doch wenn sich die Financiers Michael Herbig als Regisseur ins Boot holen, dann wollen sie keinen Film, auf dem Michael Herbig draufsteht, sie wollen einen Film, in dem Michael Herbig drinsteckt. Und an dieser Stelle beginnen die Probleme der „Wickie“-Verfilmung. Da gibt es etwa den von Herbig persönlich verkörperten Reporter Ramon Martinez Congaz vom spanischen Depeschendienst, der zwar wie ein Wasserfall plappert, dabei aber für kaum einen Lacher gut ist und am Ende einfach nur noch nervt. Mindestens ebenso überflüssig ist die Chinesin Lee Fu (Ankie Beilke), die ein wenig amourösen Schwung in die Angelegenheit bringen soll, aber genau wie Congaz stets wie ein Fremdkörper wirkt, der von der eigentlichen Story ablenkt, ohne selbst etwas zum Geschehen beizutragen. Immer dann, wenn Herbig den ihm eigenen Humor Marke „Bullyparade“ hervorkramt, sinkt die Qualität merklich. Mit jedem neuen Projekt wechselt der Regisseur Genre und Machart, doch der Humor bleibt stets derselbe. Dass das nicht immer gutgehen kann, liegt auf der Hand.

    Ein ähnliches Problem zeigt sich auch bei der Besetzung. Alle Darsteller, die aufgrund ihrer Kompatibilität zur Zeichentrickserie ausgewählt wurden, überzeugen durch die Bank weg. Dazu zählen Jonas Hämmerle (Das Morphus-Geheimnis) als Nachwuchswikinger mit Köpfchen, Waldemar Kobus (Operation Walküre) als störrischer Anführer, Casting-Sieger Jörg Moukaddam als Vielfraß Faxe sowie Fassbender-Schauspieler und Dschungelcamp-Held Günther Kaufmann (Die Ehe der Maria Braun) als rumpelnder Piratenkapitän. All diejenigen, die mit ihren bloßen Namen auf dem Plakat den Film pushen sollen und deshalb eine Nebenrolle abgestaubt haben, reißen das Publikum mit ihren Cameos hingegen immer wieder unnötig aus der Abenteuerstory heraus. Neben Christoph Maria Herbst (serie,Stromberg) als Pirat Pokka zählen auch Nora Tschirner, Hannah Herzsprung, Herbert Feuerstein und Jürgen Vogel als stotternder Pi-Pi-Pi-Pirat zu diesen Störenfrieden.

    Fazit: „Wickie und die starken Männer“ funktioniert als sympathischer Abenteuerfilm für Kinder, aber nicht als Bully-Comedy für Erwachsene. Michael Herbig wird sich zukünftig einfach entscheiden müssen, ob er zu seinen Wurzeln als TV-Komiker zurückkehren oder sich ganz seiner Passion als Filmemacher verschreiben will.
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