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    Ziemlich beste Freunde
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Ziemlich beste Freunde
    Von Anne Facompre

    Ende 2010 lockte Guillaume Canet mit seiner Tragikomödie „Kleine wahre Lügen" über fünf Millionen Franzosen in die Kinos. Neben einer Starbesetzung in bester Spiellaune sorgte vor allem die einfühlsame und leidenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Freundschaft für Begeisterung. Ähnliches gelang in unserem Nachbarland nun auch dem Regieduo Olivier Nakache und Eric Toledano mit „Ziemlich beste Freunde", der zu einem riesigen Überraschungserfolg avancierte. Das Regie-Duo, das schon mehrmals erfolgreich zusammengearbeitet hat, erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem Sozialhilfeempfänger und einem reichen Querschnittsgelähmten. Herausgekommen ist ein schön inszeniertes und überaus berührendes Drama mit tragikomischen Untertönen.

    Der junge Schwarze Driss (Omar Sy) ist arm, arbeitslos und in einem Plattenbau zu Hause. Der gut 30 Jahre ältere Weiße Philippe (François Cluzet) dagegen ist reich und wohnt in einer Villa voller Angestellter, die den Querschnittsgelähmten umsorgen. Auf den ersten Blick verbindet die beiden nichts. Zumindest solange nicht, bis Driss in Philippes Villa auftaucht. Wirklich bewerben will er sich um die ausgeschriebene Stelle als Philippes Pfleger nicht, er braucht lediglich eine Unterschrift, um weiter Geld vom Arbeitsamt beziehen zu können. Trotz besser qualifizierter anderer Bewerber beschließt Philippe, den vorlauten Driss einzustellen. Dieser findet sich in einer Welt voller Luxus wieder und erfreut sich an Annehmlichkeiten, die ihm bisher vollkommen fremd waren. Allerdings erwarten ihn auch ungewohnte Herausforderungen, denn er musste sich vorher noch nie um einen anderen Menschen kümmern. Trotz ihrer grundlegenden Verschiedenheit finden die beiden Männer einen Draht zueinander: Philippe lehrt Driss Verantwortung und der hilft dem zurückgezogen lebenden Älteren seinerseits, sich wieder aktiv für die Außenwelt zu interessieren. Doch immer wieder wird die neue Freundschaft auf die Probe gestellt...

    „Ziemlich beste Freunde" überzeugt in erster Linie durch seine Darsteller. Jungstar Omar Sy („Micmacs") und François Cluzet („Kleine wahre Lügen") brillieren gleichermaßen in ihren Rollen, wobei letzterer ausschließlich mit seinem Mienenspiel und seiner Stimme ein überaus vielschichtiges Porträt zeichnet, ohne die Behinderung Philippes zu sehr zu betonen. Der erfahrene Darsteller profitiert zudem von der Frische und Unbekümmertheit seines jüngeren Partners, die dem Zusammenspiel eine besondere Dynamik verleihen: Driss nimmt kein Blatt vor den Mund und keine falsche Rücksicht auf seinen Chef im Rollstuhl, den er so aus der Reserve lockt. Die Beziehung der beiden prächtig harmonierenden Protagonisten ist eindeutig das Herzstück des gefühlvollen Films. Aber auch Nebenfiguren wie Philippes Hausangestellte Yvonne (Anne Ly) und Magalie (Audrey Fleurot) setzen positive Akzente.

    Nakache und Loredana beschönigen nichts - und die Schauspieler folgen ihnen auf diesem Weg: Philippes Reichtum verschafft ihm zwar gewisse Annehmlichkeiten, aber die können die enormen Einschränkungen, die seine Lähmung mit sich bringt, nicht vergessen machen. Und hinter Driss‘ großer Klappe offenbart sich eine tiefe Unsicherheit, denn er kennt weder Geborgenheit, noch Sicherheit. Die Geschichte der ungleichen Freunde ist durchweg einfühlsam und glaubwürdig inszeniert, die vielfältigen Probleme der beiden Hauptfiguren werden unverblümt dargestellt und auch Unangenehmes wie die Tatsache, dass Philippe die Toilette nicht besuchen kann und hierzu auf Driss angewiesen ist, kehren die Filmemacher nicht unter den Tisch. Wenn Philippe von Driss schließlich zum Haschisch-Rauchen angeregt wird und ihm das dort hilft, wo die Schulmedizin versagt, und wenn der Jüngere durch den Älteren seine künstlerische Ader entdeckt, dann entfalten diese Wendungen zum Positiven gerade durch die großen Widerstände, die es zuvor zu überwinden galt, eine besonders intensive Wirkung.

    Fazit: Der französische Überraschungshit ist ein berührender Film über Freundschaft und Hoffnung, in dem ein schwieriges Thema mit angemessenem Ernst und dennoch mit jeder Menge Leichtigkeit angegangen wird.

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