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Für immer Liebe
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Für immer Liebe
Von
Auf den ersten Blick mutet Michael Sucsys Romanze „Für immer Liebe" an, als würde sie der berühmt-berüchtigten Herzschmerz-Schmiede von Bestsellerautor Nicholas Sparks entstammen. Auch die beiden Stars Channing Tatum („Das Leuchten der Stille") und Rachel McAdams („Wie ein einziger Tag") waren bereits in erfolgreichen Sparks-Verfilmungen dabei. Doch der Schein trügt: „Für immer Liebe" hat nichts mit Sparks zu tun, auch wenn Regisseur Sucsy („Die exzentrischen Cousinen der First Lady") in seinem Romantik-Drama, durchaus manches Mal dem hemmungslosen Gefühlsüberschwang frönt. Aber die Emotionen sind echt und der Kitsch wohldosiert, außerdem findet der Kinodebüt einen hochinteressanten Kniff, der „Für immer Liebe" aus der einförmigen Masse der romantischen Stoffe hervorhebt.

Bildhauerin Paige (Rachel McAdams) und Musikproduzent Leo (Channing Tatum) scheinen wie füreinander geschaffen und leben den Traum der ganz großen Liebe. Ein Verkehrsunfall im winterlichen Chicago lässt ihre Bilderbuch-Ehe jedoch jäh entgleisen. Während Leo nur leichte Verletzungen erleidet, hat es Paige schwer erwischt. Sie zieht sich ein Schädel-Hirn-Trauma zu und verliert bis auf ihr Langzeitgedächtnis all ihre Erinnerungen. Die vergangenen fünf Jahre sind für Paige einfach ausgelöscht - allerdings lernte sie Leo erst vor vier Jahren kennen. Als sie im Krankenhaus nach ihrem Unfall erwacht, erkennt Paige ihren Mann nicht wieder, der schwer irritiert ist von ihrer Umnachtung. Paiges herbeieilende Eltern (Sam Neill, Jessica Lange) wollen ihre Tochter nach Hause holen. Von ihrer Heirat mit Leo wissen sie nichts, da sie seit Jahren keinen Kontakt mehr zu Paige hatten. So entbrennt ein Kampf um die junge Frau, die sich zögerlich entschließt, erst einmal bei ihrem Mann Leo einzuziehen, obwohl der ihr völlig fremd ist.



Das Genre der romantischen Komödie ist von jeher durch eine besonders offensichtliche Formelhaftigkeit gekennzeichnet, die altbekannten Zutaten erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, wenn sie entsprechend schmackhaft verpackt sind. Wer die gewohnten Erzählmuster auf den Kopf stellen will, der hat allerdings nicht selten einen schweren Stand. Michael Sucsy fasst sich dennoch ein Herz und bietet eine originelle Variante an: Sein „Für immer Liebe" beginnt zwar wie eine handelsübliche Romanze, wenn im Dauerregen die große Liebe zelebriert wird und Channing Tatum Rachel McAdams schmachtende Dackelblicke zuwirft. Bei diesem emotionalen Vollbad zur Einführung geht es aber in erster Linie darum, das Traumpaar auf eine beachtliche Fallhöhe zu schrauben, denn die beiden Turteltauben werden anschließend brutal auf den Boden einer ernüchternden Wirklichkeit zurückgeschleudert. Unabhängig von der letztlich unwesentlichen „wahren Geschichte", auf die sich das Drehbuchautoren-Team um Regisseur Sucsy bezieht, erweist sich die oft verwendete Grundidee des Gedächtnisverlusts hier als besonders wirkungsvoll. Diese Wendung ist in „Für immer Liebe" weit mehr als ein reiner Erzähl-Effekt und verleiht dem eine Ernsthaftigkeit und eine dramatische Substanz, die ihn aus dem Gros der Konfektionsromanzen heraushebt.

Der Ton der Romanze ist mehr tragisch als beschwingt, das Dilemma von Rachel McAdams' Figur Paige rückt immer stärker in den Fokus der Geschichte. Sie findet nicht zu ihrer Erinnerung zurück und ihr zuvor so geliebter Mann bleibt ihr fremd. Dieses emotionale Drama wird einfühlsam ausgespielt und es bekommt durch die radikale Veränderung von Paiges Persönlichkeit einen zusätzlichen erzählerischen Widerhaken. War Paige vor fünf Jahren, wo ihre jüngsten Erinnerungen ansetzen, noch eine snobistische Biederfrau, die Jura studierte, Lacoste-Polohemden trug und sich in jenen Zirkeln bewegte, in denen Michael Bublé als Gott gilt, mutierte sie als Leos Frau zum Freigeist, der jeglichen Kontakt zur gutsituierten Spießerfamilie abgebrochen hatte. Über den Grund für diesen Bruch darf das Publikum eine ganze Weile spekulieren, bevor die Situation einigermaßen stimmig aufgelöst wird.

Das Wohl und Weh eines romantischen Films steht und fällt natürlich mit den beiden Liebenden. Und hier hat Regisseur Michael Sucsy auf die richtigen Pferde gesetzt. Rachel McAdams („Midnight in Paris", „Die Hochzeits-Crasher") und Channing Tatum („G.I. Joe", „Fighting") ist die ganz große Liebe während der Exposition vorbehaltlos abzunehmen. Tatum muss sich dabei mit der etwas undankbareren Rolle zufrieden geben, seine Figur fällt etwas eindimensional aus, dafür vereint er alle Sympathien auf sich: Man leidet mit diesem Leo, der durch das Schicksal um seine große Liebe gebracht zu werden droht. Wie ein romantischer Don Quixote kämpft er waidwund gegen Windmühlen an. McAdams wiederum fallen dank der Drehbuchkonstellation im Grunde gleich zwei ganz unterschiedliche Rollen zu: Ihr Romantikdoppel mit Tatum zu Beginn ist die Pflicht und die Zurückverwandlung von der „Paige 2.0", die Leo kennt und liebt, zurück in ihr altes Ich als „Frau von Stepford" im Spießer-Umfeld die Kür. Beide Aspekte verkörpert McAdams überzeugend und lässt dabei auch die Verunsicherung und Verletzlichkeit von Paige, die nach ihrer wahren Identität sucht, nicht zu kurz kommen.

Die Nebendarsteller stehen naturgemäß hinter den Protagonisten zurück und bilden allenfalls das Spalier für McAdams und Tatum. Während der Freundeskreis von Leo und Paige kaum individuelle Konturen annimmt und als optisch perfekt durchgestylte „Freundesmasse" wahrgenommen wird, ohne dass sich jemand daraus in Erinnerung spielen könnte, schaffen dies zumindest die Veteranen Sam Neill („Jurassic Park") und Jessica Lange („Wenn der Postmann zweimal klingelt") als Paiges Eltern. Scott Speedman („The Strangers") als Paiges Ex-Verlobter Jeremy ist dagegen nicht mehr als ein emotionaler Punchingball, dem die undankbare Aufgabe zufällt, dem Glück des Protagonisten-Paars im Wege zu stehen. Bei Jeremy verfällt Sucsy in jene Formel- und Klischeehaftigkeit, die er sonst weitgehend meidet, aber für die Auflösung der Beziehungsmisere hat er dann wieder cleveren Schachzug parat. Das Ende ist erstaunlich weise und wahrlich nicht so offensichtlich wie das in diesem Genre zu befürchten stand.

Fazit: „Für immer Liebe" ist ein berührendes Romantik-Drama mit vielen frischen Ideen, das sich trotz einiger genretypischer Klischees positiv von der Konkurrenz abhebt.
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