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Wild Card
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Wild Card
Von
Die 1970er waren das Jahrzehnt von William Goldman. Der Drehbuchautor hat damals nicht nur gleich zwei Oscars gewonnen (für „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ sowie „Die Unbestechlichen“), sondern mit Filmen wie „Der Marathon Mann“ oder „Die Brücke von Arnheim“ nebenbei auch noch einen Publikumshit nach dem anderen gelandet. Diese Zeiten sind jedoch lange vorbei und so kommt 2015 das erste verfilmte Goldman-Skript seit zwölf Jahren in die Kinos: Der Jason-Statham-Actioner „Wild Card“ von Regisseur Simon West („Con Air“) bedeutet für den Autor zwar noch keine Rückkehr zu alter Stärke, aber nach seinem Stephen-King-Flop „Dreamcatcher“ von 2003 definitiv einen gewaltigen Schritt in die richtige Richtung. Und dafür besinnt sich Goldman auf eine Ära, mit der er sich auskennt wie kaum ein anderer: Denn obwohl „Wild Card“ (eine Neuauflage seines eigenen Skripts zu „Heat – Nick, der Killer“ von 1986) im Heute spielt, fühlt sich der Film an wie ein atmosphärisch-abgefucktes 70er-Jahre-Charakterstück, irgendwo zwischen „Spieler ohne Skrupel“ und „Kalter Hauch“ (der als „The Mechanic“ ebenfalls schon mit Jason Statham neu aufgelegt wurde).

Seit er in Las Vegas gestrandet ist, hält sich Nick (Jason Statham) als Privatdetektiv und Gelegenheitsbodyguard über Wasser. Für den alkohol- und spielsüchtigen Ex-Söldner ist das Zockerparadies genau der richtige Ort, denn zu verlieren hat er nichts mehr, ganz nach seinem Motto: „Sterben ist gar nicht so schlecht, immerhin komme ich dann endlich aus Las Vegas raus.“ Als die Prostituierte Holly (Dominik García-Lorido) von Gangster-Sprössling Danny DeMarco (Milo Ventimiglia) brutal gedemütigt und vergewaltigt wird, bittet sie anschließend ihren guten Freund Nick, ihr bei der Rache an dem Mafiaschwein zu helfen. Und nebenbei muss sich Nick auch noch um einen neuen Klienten kümmern: Der ängstliche Dotcommillionär Cyrus Kinnick (Michael Angarano) hat ihn als Bodyguard angeheuert, um beim Spielen im Casino auf ihn aufzupassen…


„The Transporter“, „Crank“, „Parker“, „Homefront“ – der einst von Guy Ritchie für „Bube Dame König grAS“ entdeckte Ex-Wasserspringer Jason Statham (beste Platzierung: Platz 12 der Weltrangliste) ist inzwischen längst seine eigene Marke: störrisch, effizient, schnörkellos. Und wer nun wegen dieser Qualitäten ins Kino geht, dem wird hier zwar kein typischer Action-Reißer serviert, aber voll auf seine Kosten kommt er trotzdem – denn wenn es in „Wild Card“ Prügel gibt, dann richtig: Im Gegensatz zu seiner ausufernden Action-Extravaganz „The Expendables 2“ besinnt sich Regisseur Simon West nach einem selbstironischen Statham-lässt-sich-absichtlich-von-einem-halben-Hemd-vermöbeln-Auftakt diesmal wieder auf knüppelhart-intensive Kloppereien, die in einer grandios-gradlinig choreographierten, mit dem versöhnlichen Festtagslied „White Christmas“ von The Drifters konterkarierten Casino-Schlägerei kulminieren. Aber das Störrische von Statham passt diesmal nicht nur perfekt zu den Actionszenen…

… sondern auch zu dem nihilistischen Charakterstück inmitten der heuchlerisch glitzernden Lichter von Las Vegas: Wie James Caan in „Spieler ohne Skrupel“ (oder Mark Wahlberg im Remake „The Gambler“) scheint sich nämlich auch Nick an eine Hoffnung zu klammern, von der er insgeheim fürchtet, dass sie tatsächlich in  Erfüllung gehen könnte: 500.000 Dollar will er zusammenbekommen, um sich dann fünf Jahre völlige Freiheit irgendwo auf der Welt leisten zu können. Aber als er mit einer unglaublichen Glückssträhne tatsächlich aus 500 Dollar eine halbe Million macht, setzt er trotzdem wieder alles auf eine Karte… In solchen Momenten ist „Wild Card“ von einer schmerzhaften Melancholie und einer verklärten Erinnerung an das gute alte Las Vegas durchzogen, wundervoll flankiert von den trügerisch-schwelgerischen Glitzerbildern von Kameramann  Shelly Johnson („Captain America: The First Avenger“). Nur das Ende gerät den Machern dann einen Tacken zu versöhnlich, in den 70ern wäre der Film ziemlich sicher anders ausgegangen.

Fazit: Atmosphärisches Spieler-Drama trifft in „Wild Card“ auf kompromisslosen Jason-Statham-Prügelfilm – eine unerwartet gut funktionierende Kombination.

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Kommentare

  • screener
    welcher war eigentlich der schlechteste film mit statham? gab es sowas überhaupt?
  • Monty
    Die Kritik klingt wohlwollend. Bleibt für MICH der öde beigeschmack, dass es doch immer nur das gleiche ist. EX-Sowieso mischt die Stadt/Mafia/wasWeißIchNichtWas auf. Keiner traut sich Filme zu machen im Stil von DIE HARD (Teil 1!, 2 geht auch noch). Ein Normalo gerät in die übelste Scheiße. OHNE irgendwelche Supergimmigs, Spezialkräfte oder Ex-Militär-Fähigkeiten. Dabei muss er kräftig einstecken und leiden....Was die Kämpfe angeht: Raid hat die Messlatte ziemlich hoch gesetzt. Ich hab keine Lust mehr auf Blitzdingsbums-Kämpfe (Taken), denen man vor lauter Schnitten nicht mehr folgen kann. Aber wie gesagt, die Kritik klingt ganz gut und ich wäre geneigt mir den auf BlueRay anzugucken.
  • FAm Dusk Till Dawn
    Schwerter des Königs, Ghosts of Mars, Expendables 3, Chaos, War
  • screener
    stimmt, ein paar davon habe ich sogar gesehen, hatte ich wohl verdrängt^^
  • Fain5
    Also soweit ich weiss, ist John McClane Polizist. Polizisten werden ausgebildet. Er ist also kein Normalo. Bei der Sache mit The Raid kann ich dir nur zustimmen.
  • Monty
    Hast schon Recht. Aber sein Hintergrund als Cop lässt ihn nicht einfach zitternd in der Ecke sitzen, sondern Handeln. Mehr hat ihm die Ausbildung/ Hintergrund aber auch nicht gebracht. Das macht die Motivation zur Handlung der Figur nachvollziehbarer (dem Verbrechen auf der Spur). Er handlet nicht aus persönlichem Interesse, es ist sein Job. Was ihn im Gebäude erwartet hat, konnte er so nicht absehen, sonst hätte er nicht so gelitten. Er musste sich drauf einstellen und improvisieren. Bleibt für mich ein "Normalo".John Wick ist ein gutes Gegenbeispiel. Einfach nur schlechte Figuren- und Storyzeichnung. Hat schon was Comichaftes
  • Fain5
    Ok ich verstehe was du meinst. Aber John Wick war klasse. Gerade eben weil man die ganze Zeit wissen wollte, warum er das jetzt kann und was er für ein krasser Typ er früher war.
  • Monty
    Auf seine Weise war er schon unterhaltsam. Für mich aber reines Effekt- HirnAus-Kino. Seine Motivation....ähm...es war gut inszinierte Action :) Fand ich als Gegenbsp gut. Bin gespannt, ob in 27 Jahren (so alt ist Die Hard schon) noch jemand über John Wick spricht ;)Was war dein letzter guter Action-Geballer-Kinoabend? Ausgenommen J.Wick. Nicht, dass ich noch was verpasst hab oO' Mir ist Dredd im Gedächnis geblieben.
  • Fain5
    Uh gute Frage. Ich hätte sofort The Raid 2 gesagt aber du sprichst von Action-Geballer. Ich muss da jetzt mal kurz überlegen und melde mich nochmal wenn ich es weiß. Aber Dredd fand ich echt schlecht.
  • Monty
    Ok, mach das ^^ Ja, Raid würde ich ins Martial-Arts-Genre packen.An Dredd hat mir gefallen, dass er nicht versucht hat eine komplizierte Story oder Figurenzeichnung einzubauen, die nicht so recht ins Konzept passen will. Es war ein reinrassiger Actionfilm, der nicht mehr sein wollte. Das fand ich am besten an dem Film und warum er mir so gut im Gedächnis geblieben ist. Der war mal wieder "ehrlich" und kein PG-13-Mist. Der Rookie an seiner Seite hat mich auch nicht gestört, die war gut bei der Sache. Nach Dredd musste ich auch erstmal überlegen was es da noch gab. Mir will aber nix einfallen was mich wirklich gepackt hat. Was sagt das über die letzten (Action-)Filme aus?
  • Monty
    Nachtrag:Nach seinem Transporterjob ist er Crank geworden und jetzt in Las Vegas gelandet. Irgendwie alles das gleiche, oder?!Parker und Homefront kenn ich schon nicht mehr. Wie passen die in meine Reihenfolge? :D
  • Fain5
    Ja aber dafür hat er mir persönlich viel zu viel Augenwischerei mit der Droge und ihren Effekten gemacht. Und genrell hat mich die Story nicht interessiert. Ich mochte halt die Erstverfilmung und war schon etwas voreingenommen. Also spontan fällt mir zu Ballerfilmen noch Shot em up ein.
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