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Die Entscheidung - Blade Runner 2
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
0,5
katastrophal
Die Entscheidung - Blade Runner 2
Von Robert Cherkowski
Wenn deutsche DVD-Verleiher sich an die Vergabe alternativer Titel machen, sorgt das oft für Heiterkeit. Schon in den 90ern, als etwa „Just Heroes" irreführenderweise zu „Hard Boiled 2" mutierte, war der Spaß groß. Ganz hat dieser Trend nie nachgelassen, so wurde vor kurzem aus dem schönen Harvey-Keitel-Thriller „Copkiller" kurzerhand „Bad Lieutenant 2", obwohl er ganze neun Jahre vor Abel Ferraras Klassiker gedreht wurde. Eher selten wird durch diesen Quatsch wie in jenem Fall ein kaum bekannter, aber dennoch sehenswerter Film unter falscher Flagge veröffentlicht. In der Regel sind es eher kaum bekannte und zugleich ganz und gar nicht sehenswerte Werke, die von einem Etikettenschwindel profitieren sollen. Wie dreist man dabei vorgehen kann beweist der Fall des Thriller-Totalausfalls „Earthkiller", denn der bekam den bahnbrechend irren Titel „Die Entscheidung - Blade Runner 2" spendiert! Hier wird natürlich nicht Ridley Scotts Replikanten-Klassiker fortgesetzt, wer dennoch reinschaut, bekommt einen Film zu Gesicht, der in jeder Hinsicht so desaströs ist, dass man seinen Augen und Ohren kaum trauen möchte.

In einer scheinbar unkontrolliert um die Erde kreisenden Raumstation erwacht die Androidin Helen (Robin Kurtz) aus dem Kälteschlaf. Die Situation ist chaotisch: Untote schleichen durch die Katakomben, während sich eine zusammengewürfelte Gruppe von Überlebenden so gut es geht durchschlägt. Bald stößt Helen zu dieser kleinen Schar und es gilt einen gnadenlosen Kampf gegen die Untoten zu bestehen. Die Gruppendynamik ist brüchig und die Nerven liegen schnell blank, als schließlich auch noch ein Killerroboter durchs Raumschiff pirscht...

Mit Superlativen sollte man vorsichtig sein. Manchmal aber gibt es Filme, die nach extremer Wortwahl verlangen. „Die Entscheidung - Blade Runner 2" ist ein solcher Fall, denn man darf mit Fug und Recht behaupten, dass es sich hier um einen der schlechtesten Filme handelt, die je ihren Weg auf eine DVD gefunden haben. Schon die Story ist ein einziges Klischee, die filmische Umsetzung aber ist schlicht und ergreifend indiskutabel: Eine Handvoll orientierungsloser und unangebracht eitler Mimen bewegt sich durch billige und zudem grausig-bunte Kulissen, die wohl das Innere eines Raumschiffes darstellen sollen, aber eher an eine Lagerhalle erinnern. Die Dialoge sind von seltener Einfalt und werden nur vom Dilettantismus der Mitwirkenden unterboten. Der Beitrag von Regisseur Andrew Bellware scheint wiederum daraus zu bestehen, dass er seine Schauspielerinnen dazu überredet hat, in unschöner Regelmäßigkeit blankzuziehen. Aber immerhin haben sie in solchen Momenten nicht viel Text...

Angesichts des durch die Bank amateurhaften Niveaus dieser Produktion scheint es fast schon unfair, an den Film die üblichen kritischen Maßstäbe anzulegen. Vermutlich ist den Verantwortlichen selbst nicht ganz wohl, wenn sie sich an den Unsinn erinnern, den sie hier verzapft haben. Auf die unterirdischen Effekte kann man jedenfalls ebenso wenig stolz sein wie auf Aufnahmen, bei denen (nur) der Kopf der gerade sprechenden Person nicht im Bild ist. Und über die hanebüchene Handlung, die den Namen eigentlich kaum verdient, sei hier besser der Mantel des Schweigens gelegt. Letztlich hat der findig-unverschämte deutsche Verleih mit seiner Titelschöpfung dafür gesorgt, dass man näher hinguckt. Dieser Blick offenbart aber nur eine reine Schund-Produktion, die selbst von x-beliebigem Durchschnitts-Trash Lichtjahre entfernt ist.

Fazit: Man möge sich vom Titel nicht täuschen lassen. Mit Ridley Scotts „Blade Runner" und der angedachten echten Fortsetzung „Blade Runner 2" hat dieser grottenschlechte Film nichts zu tun. Stattdessen ist „Die Entscheidung - Blade Runner 2" ein formaler wie inhaltlicher Tiefschlag wie er äußerst selten zu sehen ist.
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