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    S-VHS aka V/H/S 2
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    S-VHS aka V/H/S 2
    Von Lars-Christian Daniels

    Gleich zehn Regisseure steuerten die Einzelteile zur finsteren Horrorkollektion „V/H/S – Eine mörderische Sammlung“ bei, die den Zuschauer im Found-Footage-Stil durch verschiedene Subgenres des Horrorfilms führte. Ein Kurzfilmprogramm im Schafspelz – waren die Episoden doch inhaltlich voneinander unabhängig und wurden nur durch die Rahmenhandlung, in der Kleinkriminelle im Haus eines leblosen Mannes eine Videosammlung entdecken, zusammengehalten. In „S-VHS aka. V/H/S/2 - Who's Tracking You?“, in dem mit Adam Wingard  nur einer der an „V/H/S“ beteiligten Filmemacher erneut mit von der Partie ist, ist dies nicht anders: Zwar gibt es diesmal eine Episode weniger, weshalb die Spielzeit mit 96 Minuten deutlich kürzer ausfällt, der Unterhaltungswert ist aber der gleiche: „S-V/H/S“, der auf dem Fantasy Filmfest 2013 gezeigt wurde und in Deutschland direkt auf DVD erscheint, überzeugt mit einer düsteren Mischung aus Gore-Szenen und Schockmomenten und knüpft damit nahtlos an den sehenswerten Vorgänger an.

    Die privaten Ermittler Larry (Lawrence Michael Levine) und Ayesha (Kelsy Abbott) dringen nachts in das Wohnhaus eines verschwundenen College-Studenten ein. Das Haus scheint verlassen. Doch in einem der unbeleuchteten Zimmer entdecken Larry und Ayesha mehrere TV-Geräte und VHS-Recorder, Videobänder und einen Laptop, der gerade per Webcam einen Clip aufzeichnet und Aufschluss über den Verbleib des Studenten gibt. Während Larry das düstere Haus erforscht, beginnt Ayesha mit dem Sichten der Bänder, auf denen es von blutdurstigen Untoten, fanatischen Massenmördern, grauenerregenden Kreaturen und todbringenden Invasoren aus dem Weltall nur so wimmelt…

    Wie schon in „V/H/S“ teilen die Episoden in „S-V/H/S“ eine Gemeinsamkeit: Passend zur Rahmenhandlung „Tape 49“ von Simon Barrett, die im vermeintlich leer stehenden Haus mit einem knackigen Twist aufwartet, sind auch die vier anderen Kurzfilme im typischen Found-Footage-Stil gehalten. Gleich der erste der inhaltlich nicht verknüpften Filme treibt die Wackelbild-Ästhetik dabei auf die Spitze: In „Phase I Clinical Trials“ von Adam Wingard, der mit „You’re Next“ auch den starken Abschlussfilm des Fantasy Filmfests 2013 inszenierte, lässt sich der Regisseur selbst in der Hauptrolle als Versuchspatient Herman eine Miniaturkamera ins Auge transplantieren und filmt die gruseligen Ereignisse, die mit Einsetzen der Linse in seinem Wohnhaus vor sich gehen, aus nächster Nähe. Mehr Opferperspektive geht nicht! Wingard setzt zwar vor allem auf konventionelle Schockmomente, lässt Herman und seine freizügige Besucherin Clarissa (Hannah Hughes) aber einen fesselnden Alptraum durchleben, bei dem ein Hauch von „The Sixth Sense“ über die Leinwand weht.

    Gänzlich anders gestaltet sich die Episode „A Ride In The Park“ von Gregg Hale und Eduardo Sánchez („Blair Witch Project“): Wann hat man schließlich schon mal einen Found-Footage-Film aus der Perspektive eines Zombies gesehen? Ein Hobby-Mountainbiker (Jay Saunders), der eigentlich die Tücken der rasanten Abfahrt mit seiner Helmkamera dokumentieren möchte, wird bei einer Tour im Wald von einer Untoten attackiert und mutiert daraufhin selbst zum Zombie, den Schutzhelm noch immer auf dem Kopf. Das Ergebnis ist ein Gore-Trip der härtesten Sorte, der dank der Detailverliebtheit und einigen köstlichen Einfällen aber zugleich brüllend komisch ausfällt. Hätten Hale und Sánchez „A Ride In The Park“ bei den Horrorfilm-Festivals dieser Welt als Beitrag für ein Kurzfilmprogramm eingereicht, wären dank der unverbrauchten amüsanten Momente wohl zahlreiche Publikumspreise garantiert gewesen.

    Bei der dritten Episode „Safe Haven“ von Timo Tjahjanto („Macabre“) und Gareth Evans („The Raid“) bleibt dem Zuschauer das Lachen hingegen im Halse stecken: Der Besuch einer Filmcrew bei einer sektenähnlichen Erziehungseinrichtung, die grausame Massenrituale vollzieht, ist die mit Abstand blutigste der Episoden und wird die Meinungen auch dank des plötzlichen Auftritts einer grotesken, trashigen Horrorkreatur spalten. Eher harmlos fällt dagegen der letzte Kurzfilm aus: Jason Eiseners „Slumber Party Alien Abduction“ erinnert an Matt Reeves‘ Found-Footage-Schocker „Cloverfield“, verlegt das Geschehen aber von den Straßen New Yorks in ein Landhaus am See und macht ein halbes Dutzend schabernackfreudiger Kinder zu Gejagten. Dabei verschenkt „Hobo With A Shotgun“-Regisseur Eisener eine vielversprechende Grundidee: Die Kamera wird immer wieder auf dem Kopf eines Hundes platziert, der die Welt aus einer anderen Perspektive sieht und an Orte vorstößt, die der Mensch nur schwer erreichen kann. Einen Großteil der Zeit wird der Vierbeiner allerdings einfach von den Kids getragen, so dass zwar dichte braune Fellbüschel durchs Bild flattern, die Kamera aber meist auf Brusthöhe bleibt.

    Fazit: Wer „V/H/S“ mochte, wird auch am Nachfolger „S-V/H/S“ Gefallen finden. Das auf sieben Personen reduzierte Regiegespann unternimmt trotz der Reduktion der Spielzeit wieder eine bunte Fahrt durch viele Subgenres, bei der für jeden horroraffinen Zuschauer der passende Kurzfilm dabei sein dürfte und sogar eine leicht höhere Durchschnittsqualität als beim Vorgänger geboten wird.

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