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Pets
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Pets
Von
Der etwas tumbe Kater jagt die pfiffige Maus durch das ganze Haus, für sieben bis acht Minuten sind die Regeln der Schwerkraft und sonstige Naturgesetze außer Kraft gesetzt, in irrem Tempo wird mit leichtem Herzen eine virtuose Choreografie der brutalen Fiesheiten und staunenswerten Finten in Szene gesetzt - von lautmalerischer Musik spöttisch kommentiert: Die anarchische Energie der klassischen „Tom und Jerry“-Cartoons blitzt heute immer mal wieder in den Animationsfilmen von Illumination Entertainment auf, in den „Ich – Einfach unverbesserlich“-Abenteuern oder bei den diversen anderen Auftritten der gelben „Minions“-Chaostruppe. Wenn in Chris Renauds tierischer 3D-Komödie „Pets“ nun eine atemlose Verfolgungsjagd nach der anderen durch New York tobt und nebenbei diverse Inneneinrichtungen zerstört werden, dann kommt ebenfalls gelegentlich „Tom und Jerry“-Feeling auf, nur dass die Vollgas-Aufgedrehtheit hier mit geringen Verschnaufpausen fast über 90 Minuten anhält. Das ist einerseits irgendwann ermüdend und passt andererseits nicht besonders gut zu den gefühligeren Seiten des „Toy Story“-mit-Haustieren-Konzepts. Abgesehen davon bietet „Pets“ jedoch einmal mehr hervorragend animierte und abwechslungsreiche Familienunterhaltung.

Der Terrier-Mischling Max (Stimme im Original: Louis C.K. / deutsche Stimme: Jan Josef Liefers) ist rundum glücklich mit seinem Leben bei Katie (Ellie Kemper/Stefanie Heinzmann) in ihrer gemütlichen Wohnung in Manhatten. Nur dass sein Frauchen jeden Morgen aus dem Haus geht und ihn den ganzen Tag alleine lässt, stört den anhänglichen Hund. Doch dann wird das Idyll empfindlich gestört: Katie nimmt den riesigen Neufundländer Duke (Eric Stonestreet/Dietmar Bär) auf. Max ist tierisch eifersüchtig auf sein neues „Brüderchen“ und will den Konkurrenten möglichst schnell loswerden. Bei einem Ausflug wittert er seine Chance, doch die beiden Hunde landen gemeinsam in den Händen von Tierfängern. Während ihr Verschwinden zunächst nur der verliebten Zwergspitz-Dame Gidget (Jenny Slate/Jella Haase) aus der Nachbarschaft auffällt, geraten Max und Duke alsbald auch noch ins Visier der „Flushed Pets“, einer Armee verlassener Haustiere, die von dem irren Kaninchen Snowball (Kevin Hart/Fahri Yardim) angeführt wird. Gidget organisiert einen Rettungstrupp und wendet sich an den gebrechlichen alten Basset Pops (Dana Carvey/Dieter Hallervorden), der die Stadt besser kennt als jeder andere Vierbeiner…


Wie unzählige andere Filme beginnt auch „Pets“ mit Bildern von New York. Doch die anderswo durch ewig gleiche Postkartenansichten längst zum Klischee gewordene Eröffnung bekommt hier besonderen Pep – Chris Renaud und seine Mitstreiter nutzen die Mittel des Animationsfilms gleich zu einem furios-fulminanten 3D-Kabinettstückchen und machen aus der Einführung des Schauplatzes einen mitreißenden virtuellen High-Speed-Flug in und durch die Stadt – auch wenn die Begleitmusik mit Taylor Swifts „Welcome to New York“ alles andere als originell ausfällt. „Pets“ ist nicht nur eine Liebeserklärung an die besten Freunde des Menschen, sondern auch an den hier in zauberhaftem Herbstlicht leuchtenden Big Apple - die Animation der Stadt erinnert ein wenig an die verführerische Künstlichkeit von Technicolor-Klassikern. Die New Yorker Straßen, Dächer, Parks, Gewässer und selbst die Kanalisation bilden attraktive Kulissen für die Abenteuer eines guten Dutzends tierischer Hauptfiguren, die hier durchaus typisch für Illumination-Produktionen eher witzig als niedlich ausfallen. Und sie werden ganz ähnlich wie zuletzt bei Disneys „Zoomania“ extrem vermenschlicht, nur dass hier die gewohnt unförmig gezeichneten Menschen selbst auch eine (Neben-)Rolle spielen.

Wenn der Terrier Max ganz zu Beginn von der Beziehung zu seiner Besitzerin Katie schwärmt, dann klingt er wie ein frisch verliebter junger Mann und spricht von Seelenverwandtschaft und Zärtlichkeiten. Später wird dem Falken Tiberius (Albert Brooks/Uwe Ochsenknecht) der „Killerinstinkt“ kurzerhand als egoistisch ausgetrieben und die Katze Chloé (Lake Bell/Martina Hill) lässt nach einem Lernprozess den Vogel Sweet Pea (übrigens das einzige nicht sprechende Tier) in Ruhe. Umso größer fällt der Hunger der Tiere auf Hähnchen, Torte, Sandwiches oder Würstchen aus – letzterer führt sogar zu einer der irrsten Sequenzen des Films, wenn der kleine Max und der so viel größere haarige Duke in eine Wurstfabrik einbrechen und sich einvernehmlich der Völlerei hingeben. Spätestens in diesem musicalartig stilisierten, fast schon psychedelischen „All You Can Eat“-Traum werden aus den Konkurrenten Kumpel. Die Handlung um Freundschaft und Zusammenhalt ist allerdings absolut zweitrangig, eine Szene mit den beiden Hunden vor dem ehemaligen Zuhause Dukes wirkt absolut überflüssig. Die Prämissen-Frage „Was machen unsere Haustiere eigentlich, wenn wir nicht da sind?“ führt sowieso schnell raus aus den Wohnungen und rein in das Großstadtchaos, wobei vor allem die vielen Gags und die ausgetüftelten Action-Einlagen wichtig sind - und am besten ist der Film, wenn beides zusammenkommt.    

Der größte Krawallmacher und die ungewöhnlichste Figur im tierischen Ensemble ist der übelgelaunte Anführer der verlassenen Haustiere: Das jähzornige und missgünstige Kaninchen Snowball (der Name ist bis zum versöhnlichen Ende reine Ironie) landet als Schurke mit täuschend flauschigem Äußeren auch schon mal am Steuer eines Linienbusses (während Max für ihn Bremse und Gas bedient), poltert mit dem Großfahrzeug über eine Brücke und sorgt so für den Action-Höhepunkt des Films. Einmal krault sich ein Dackel mit einem Mixer das Fell, einmal fällt die Katze in die Schüssel mit den Snacks und gerät in eine cartooneske Kettenreaktion, die als YouTube-Video viral geht, aber die von Pops angeführte Suche einer wahrlich bunten Tierschar nach Snowball und seiner Bande sorgt in dem bunten Sammelsurium an Einfällen für die größte Dichte an witzigen Pointen und rasanten Momenten, ganz nach dem Motto des sich blindlings über Dachränder in die Tiefe stürzenden Hundegreises mit den Stützrädern: „Jeder Atemzug ist ein Cliffhanger“. An den absurden Witz und die unwiderstehliche Gelbheit der Minions kommen Max und Co. letztlich aber nicht heran, das zeigt nicht nur der kurze Vorfilm „Rasenmäher Minions“ - auch mit einem Gag kurz vor Schluss von „Pets“ wird den pillenförmigen Kultwichten gehuldigt.

Fazit: Die 3D-Animationskomödie „Pets“ ist ein actionreiches, witziges und gut animiertes Großstadtabenteuer mit mauer Handlung.

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Kommentare

  • Mr.Anderson.
    Es sind doch eigentlich hauptsächlich Kinder die mit ihren Eltern in den Film gehen. Ist halt ein typischer Familienanimationsfilm und die sind nunmal meistens sehr erfolgreich und gerade Ice Age ist in Deutschland verdammt beliebt.
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