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    Pan
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Pan
    Von Christoph Petersen
    Eine gute Verfilmung von J.M. Barries Kindergeschichten um den niemals erwachsen werdenden Peter Pan und seinen Erzfeind Captain Hook sollte in ihrem Publikum möglichst die Sehnsucht wecken, einfach aus dem Fenster springen und losfliegen zu können. Der unverstellte Kinderblick auf die unendlichen Möglichkeiten dieser Welt, der unverblümte Hunger auf tollkühne Abenteuer – das ist der Stoff, aus dem bestenfalls pure Kinomagie entsteht. Der Disney-Animationsklassiker „Peter Pan“ von 1953, Steven Spielbergs „Hook“ und P.J. Hogans Version von 2003 haben jeweils auf ihre eigene Weise durchaus die Fantasie beflügelt. Diese Qualität fehlt „Pan“, dem neu konzipierten Prequel zur bekannten Geschichte, nun fast vollständig. Bei den Flugszenen von Joe Wrights aufwändigem 3D-Spektakel denkt der Zuschauer hier an die mäßigen Greenscreen-Effekte, statt Lust zu bekommen, selbst eine Runde mit Peter und Tinker Bell zu drehen. Trotzdem ist „Pan“ keine seelenlose Hollywood-Dutzendware, denn der Regisseur von „Anna Karenina“ und „Abbitte“ hat eine ganze Menge Ideen, um seinem Nimmerland einen frischen Anstrich zu verpassen. Allerdings überfrachtet er den Film mit zu vielen disparaten Elementen, die sich kaum miteinander vertragen. So werten seine Einfälle letztlich nur einzelne Szenen auf, während das erzählerische Ganze kurioses Stückwerk bleibt.

    Seit ihn seine Mutter (Amanda Seyfried) als Baby weggegeben hat, lebt der inzwischen 12-jährige Peter (Levi Miller) in einem Londoner Waisenhaus. Während draußen der Zweite Weltkrieg tobt und die deutschen Bomben einschlagen, verschwinden nachts immer wieder Kinder von dort. Die keifende Heimleiterin Barnabas (Kathy Burke) behauptet zwar, sie seien adoptiert worden, aber irgendwas stimmt da nicht. Und tatsächlich: Als Peter eines Nachts länger wach bleibt, bekommt er mit, wie Piraten an Bungee-Seilen durch die Dachfenster kommen und die schlafenden Kinder aus ihren Betten reißen. Auch Peter kann sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen und landet auf dem fliegenden Piratenschiff, das unter britischem Fliegerfeuer Kurs nach Nimmerland setzt. Dort sollen die Gefangenen in den Minen des bösartigen Piratenkapitäns Blackbeard (Hugh Jackman) unter menschenunwürdigen Bedingungen nach Feenstaub graben. Als sich Peter widersetzt, wird er von Blackbeard über die Planke seines fliegenden Schiffs geschickt – doch statt am Boden zu zerschellen, beginnt Peter zu fliegen…


    Wenn Blackbeard das erste Mal vor seine Piratencrew und die versklavten Minenarbeiter tritt, schmettern die Horden zu seiner Begrüßung „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana. Ein 90er-Jahre-Rocksong in Nimmerland? Das wirkt erst einmal merkwürdig, zumal die Idee nur noch ein weiteres Mal aufgegriffen und auch nicht wirklich schlüssig ausgearbeitet wird. Aber dafür macht die launige Musicaleinlage zumindest Spaß. Auch sonst stürzt sich Wright immer wieder in abseitige Spielereien: Alle Meerjungfrauen werden von Topmodel Cara Delevingne („Margos Spuren“) verkörpert und wenn jemand erschossen wird, zerplatzt er zu farbigem Staub, weshalb selbst die tödlichsten Gemetzel an das fröhliche indische Holi-Fest erinnern. Diese Sperenzchen sind teilweise durchaus faszinierend und visuell beeindruckend, reißen einen aber auch immer wieder aus dem Film heraus. Wobei: Wirklich schlimm ist das nicht, denn während Blackbeards erste Ansprache vor seinen Sklavenmassen noch an eine vergleichbare Szene mit Immortan Joe aus „Mad Max: Fury Road“ erinnert, fehlt den zahlreichen folgenden Actionszenen genau jene Körperlichkeit und Energie, die George Millers Endzeit-Epos zum kinetischen Meisterwerk gemacht haben. So verpuffen vor allem die übertrieben aufgeblähten Luftschlacht-Sequenzen meist erschreckend wirkungslos, was nicht nur auf die einfallslose Choreographie zurückzuführen ist, sondern auch viel mit den für diese Preisklasse erstaunlich durchwachsenen CGI-Effekten zu tun hat.

    Von den Schauspielern kann einzig „X-Men“-Star Hugh Jackman überzeugen, dem seine Lust am Bösewicht-Dasein in jedem Moment anzumerken ist. Ansonsten sieht es an der Darsteller-Front eher finster aus: Während sich Garrett Hedlund („TRON: Legacy“) zumindest noch an einem gewissen Indiana-Jones-Vibe versucht (ohne dabei nur ansatzweise den Charme von Harrison Ford zu erreichen), wirkt Rooney Mara („Verblendung“) als Tiger Lily völlig planlos. Um ihre Besetzung in der indigenen Rolle hat es im Vorfeld eine Kontroverse (inklusive Unterschriftenaktion) gegeben, auf die Regisseur Wright mit der Aussage reagierte, dass Mara eben – indianische Wurzeln hin oder her - die beste Schauspielerin für die Figur sei. Leider ist im Film nichts davon zu ahnen, wie er zu dieser Einschätzung kommt, dafür ist der Part schon viel zu diffus angelegt. Und schließlich ist auch Peter Pan selbst fehlbesetzt: Nachwuchs-Star Levi Miller („Supergirl“) passt zwar optisch perfekt, agiert aber arg steif und unnatürlich. Kein Wunder: Statt kindliche Begeisterung zeigen zu dürfen, muss dieser Peter ständig mit einer so schweren Verantwortung ringen, dass er zum kleinen Erwachsenen wird. Und so fallen dann auch seine Flugeinlagen äußerst freudlos aus.

    Fazit: Regisseur Joe Wright probiert eine Menge inszenatorische Spielereien aus, liefert schlussendlich aber doch nur Spektakel statt Magie.
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