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    Whiplash
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,5
    hervorragend
    Whiplash
    Von Christian Horn
    Mit „Whiplash“ ist dem jungen Filmemacher Damien Chazelle ein echter Coup gelungen. Beim renommierten Festival in Sundance 2014  gewann er sowohl den Publikums- als auch den Jurypreis und ein Jahr später erhielt sein Independent-Drama gleich fünf Oscar-Nominierungen, darunter für den Besten Film und für Nebendarsteller J.K. Simmons. Doch bevor es zu diesen Triumphen kam, musste Chazelle einige Hindernisse überwinden. Zunächst fand er nach seinem Regiedebüt, dem Mumblecore-Musikfilm „Guy and Madeline on a Park Bench“, keine Geldgeber für die Realisierung seines neuen Drehbuchs über einen jungen Musiker und dessen schikanösen Lehrer. Also entschied sich der Regisseur, erst einmal einen Kurzfilm aus dem Stoff zu machen. Diese Visitenkarte, die ebenfalls den Titel „Whiplash“ trägt, ebnete Chazelle dann den Weg zur Verwirklichung seiner Vision. Und die erweist sich als herausragend: Das Künstler-Psychoduell besticht durch seine erzählerische Konsequenz, den musikalischen Sog der Inszenierung und außergewöhnliche Darstellerleistungen.

    Der 19-jährige Jazz-Schlagzeuger Andrew (Miles Teller) will als nächster Charlie Parker in die Musikgeschichte eingehen. Dass er an einer angesehenen New Yorker Musikschule landet, bringt ihn diesem Ziel ein Stück näher. Es kommt noch besser, als der legendäre Dozent Terence Fletcher (J.K. Simmons) den jungen Drummer als Zweitbesetzung in seine Big Band aufnimmt. Die Freude lässt jedoch bald nach, denn Fletcher ist ein wahrer Tyrann, der seine Band mit fiesen Methoden zu Höchstleistungen anspornt und dabei auch nicht vor seelischen Grausamkeiten zurückschreckt. Anstatt aufzugeben versteigt sich Andrew in den manischen Wunsch, Fletcher zu beeindrucken und übt mit großem Ehrgeiz die Stücke für die Wettbewerbsauftritte der Band ein. Seine Liebelei mit Nicole (Melissa Benoist) und die Beziehung zu seinem alleinerziehenden Vater Jim (Paul Reiser) spielen bald nur noch die zweite Geige…


    Der Titel „Whiplash“ bezieht sich auf das gleichnamige Jazz-Stück von Hank Levy, das im Film leitmotivisch verwendet wird, und lässt sich als „Schleudertrauma“ oder „Peitschenhieb“ übersetzen. Beide Worte passen wie die Faust aufs Auge: Die zerstörerische Lehrer-Schüler-Beziehung verursacht nämlich nicht nur seelische, sondern ähnlich wie in „Black Swan“ von Darren Aronofsky auch körperliche Verletzungen - dass Andrew vom manischen Trommeln mit den Drumsticks blutige Finger bekommt, ist schon bald keine Seltenheit mehr. Die Zuspitzung hat in diesem Film System. Das beginnt bei den bewusst überzeichneten Figuren, setzt sich bei den reduzierten Schauplätzen fort und endet bei der rhythmischen Präzision von Kamerafahrten, Musikeinsatz und Montage. „Whiplash“ wird dabei zu einer sinnbildlichen, gleichwohl emotionalen Erzählung über die Mechanismen von Macht und Abhängigkeit sowie über den unbedingten Willen zur Kunst. Im Finale explodieren die angestauten Gefühle und Gedanken schließlich in einem orgiastischen Rausch, der noch lange nach dem Abspann nachwirkt.

    Die Wirkung dieses wuchtigen, ganz auf die beiden Hauptfiguren zugeschnittenen Kammerspiels, das fast ausschließlich im Probenraum und auf der Bühne stattfindet, hängt trotz aller formalen Finesse natürlich ganz entscheidend von den Darstellern der zwei Protagonisten ab – und die sind perfekt. Miles Teller („The Spectacular Now“) verkörpert das ambitionierte Talent mit aufopferndem Einsatz und ist damit der ideale Gegenpart zu J.K. Simmons‘ spektakulärer Darbietung. Der hauptsächlich aus markanten Nebenrollen etwa in „Juno“ oder „Spider-Man“ bekannte Golden-Globe-Gewinner und Oscar-Favorit verleiht dem an den brutalen Drill-Sergeant Hartman (R. Lee Ermey) aus Kubricks „Full Metal Jacket“ erinnernden Mentor eine geradezu dämonische Präsenz. Mit der Mischung aus brachialer Gewalt und besitzergreifender Besessenheit ist dieser tyrannische Lehrer zugleich so etwas wie die Antithese zum humanen Pädagogen, den Robin Williams einst in „Der Club der toten Dichter“ verkörpert hat.
     
    Fazit: Geradliniges, genial gespieltes Psychoduell mit unwiderstehlicher Sogwirkung und famosem Soundtrack.
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