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    A Girl Walks Home Alone At Night
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    A Girl Walks Home Alone At Night
    Von Björn Becher
    Spätestens seit dem Erfolg der „Twilight“-Reihe sind Vampirgeschichten ein die ganze (Pop-)Kultur prägendes Phänomen, das selbst in Nischen vordringt. Dort hat es auch den gefeierten Indie-Regisseur Jim Jarmusch erreicht, der nun wahrlich nicht im Verdacht steht, auf den Massengeschmack zu schielen. Und so ist seine stimmungsvoll-düstere Blutsauger-Liebelei „Only Lovers Left Alive“ auch gewohnt eigenwillig. An diesen Eigensinn erinnert nun „A Girl Walks Home Alone at Night“, das in den USA in persischer Sprache gedrehte Kinodebüt von Ana Lily Amirpour, wobei die Parallelen ihrer Vampir-Romanze zu Jarmuschs Melo-Spätwestern „Dead Man“ noch offensichtlicher sind. Die beiden Filmemacher teilen die Vorliebe für sich in schwelgerischen Bildern entfaltende Stimmungen, die immer wieder die eigentliche Handlung überlagern. Amirpours mit Anklängen an den Spaghetti-Western angereicherter Vampirfilm entfaltet einen fast hypnotischen Sog und es tut seiner Wirkung keinen Abbruch, dass das Geschichtenerzählen im klassischen Sinne dabei nur eine untergeordnete Rolle spielt.

    In der fiktiven iranischen Stadt Bad City trifft der nicht nur wegen seiner Tolle und der Lederjacke deutlich an Schauspiel-Ikone James Dean erinnernde Arash (Arash Marandi) auf ein mysteriöses, in einen Tschador gehülltes Mädchen (Sheila Vand). Die namenlose Gestalt ist eine Vampirin, die nachts durch die Straßen streift und sich ihre Opfer unter all den Dealern, Zuhältern und zwielichtigen Gestalten der heruntergekommenen Industriestadt sucht. Der einzige Ausweg aus dem Elend könnte für die beiden Außenseiter die Liebe sein, aber zunächst zelebriert Regisseurin Amirpour die endzeitliche Atmosphäre in schick-morbiden Schwarz-Weiß-Bildern: Bad City ist eine Art Geisterstadt, in der es scheinbar mehr Ölförderanlagen gibt als Bewohner. Wer sich auf der Straße herumtreibt, führt mit Ausnahme eines verirrten kleinen Jungen (Mila Eghbali) nichts Gutes im Schilde. Die Strukturen der Stadt sind weitgehend aufgelöst und auch Regisseurin Amirpour lässt sich von einer Nebenfigur zur anderen treiben, begleitet sie einen Moment, ehe sie schließlich den Weg des Vampirmädchens kreuzen.


    Wie die Verwahrlosung die ganze Stadt infiziert zeigt sich vor allem in der Person von Arashs Vater Hossein („How I Met Your Mother“-Taxifahrer Marshall Manesh in einer eindrucksvollen Nebenrolle). Der Junkie ist immer auf der Suche nach dem nächsten Schuss und ist darüber mittlerweile selbst bad geworden und kommt damit auch als Ziel für das blutsaugende Mädchen infrage – so ergeht es früher oder später allen Bewohnern der nicht umsonst Bad City getauften Stadt. Doch trotz dieser Düsternis ist „A Girl Walks Home Alone at Night“ letztlich ein optimistischer Film. Die grandios inszenierten Szenen zwischen Arash und dem Mädchen (allen voran das romantischste Ohrenpiercing der Filmgeschichte) sind eine wahre Feier der Liebe: Die zauberhafte Atmosphäre, zu der auch die abwechslungsreiche Musik beiträgt, und die erwachenden Gefühle zwischen den beiden schüchternen Verliebten lassen die Zeit förmlich stehenbleiben. Wer verstärkten Wert auf eine klassisch erzählte, dramaturgisch ausgefeilte Geschichte legt, der mag „A Girl Walks Home Alone at Night“ einige Längen attestieren, die anderen dürfen dieses stimmungsvolle Kleinod einfach nur genießen.

    Fazit: Die Schwarz-Weiß-Vampir-Western-Romanze „A Girl Walks Home Alone at Night” ist einer der ungewöhnlichsten und schönsten Filme des Kinojahres.
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