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Die Kleinen und die Bösen
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
Die Kleinen und die Bösen
Von Asokan Nirmalarajah
Der gebürtige Wuppertaler Christoph Maria Herbst, der vor allem durch seine preisgekrönte Paraderolle als tyrannischer Versicherungsangestellter Stromberg in der gleichnamigen Comedy-Serie bekannt wurde, ist nicht nur ein wandlungsfreudiger Schauspieler und Komödiant, sondern hat sich auch als versierter Hörbuch- und Synchronsprecher in die Gehörgänge des hiesigen Publikums eingenistet. Mit seiner so unverwechselbaren wie facettenreichen Stimme hat Herbst schon so manches Hörbuch veredelt, zuletzt beeindruckte er mit seiner virtuosen Interpretation der Adolf-Hitler-Satire „Er ist wieder da“ von Timur Vermes. Auch in der Verfilmung des Bestsellers durch „Feuchtgebiete“-Regisseur David Wnendt (Kinostart: 8. Oktober 2015) wird Herbst zu sehen sein und vielleicht findet er dort endlich eine weitere Kino-Rolle, die seinen Fähigkeiten entspricht. In der Komödie „Die Kleinen und die Bösen“ von Markus Sehr („Eine Insel namens Udo“) kann der Mime hingegen nur wenig von seinem subtilen Mienenspiel und seinem hintergründigem Charisma zeigen – dafür ist die Milieu-Komödie und Gaunerposse über Systemopfer und Kleinkriminelle zu grobschlächtig und abgegriffen. Die Drehbuchautoren Martin Ritzenhoff und Xaõ Seffcheque schmeißen Herbst und seinen Partner Peter Kurth („Gold“) als markante Charakterköpfe in schräge  Situationen und reißen dabei Themen wie Familienzusammenführung, Impotenz und Autismus an. Nur ist das allzu selten witzig oder spannend.


Die Geschichte vom sexuell frustrierten Bürokraten Benno (ein fernes Echo von Stromberg für Christoph Maria Herbst), der sich als Bewährungshelfer berufen fühlt, seinen jüngsten Schützling Hotte (Peter Kurth) von dessen Kindern fernzuhalten, besitzt durchaus Potential: Hier prallt ein antisozialer und cholerischer Ex-Knacki auf einen erfolgsorientierten Hemdenträger, der seine Freundin Tanja (Anneke Kim Sarnau) einfach nicht geschwängert kriegt – das klingt zumindest in der Theorie recht komisch. Aber Markus Sehrs Inszenierung ist im Einzelnen zu schematisch und im Ganzen zu behäbig: Immer wieder wird in flachen Witzen auf den immer gleichen stereotypen Eigenschaften der Figuren und ihres Umfelds herumgeritten, die Einzelschicksale verlaufen in vorhersehbaren Pfaden - bis die Frustrationen unausweichlich in Gewalt ausarten. Wenn die Protagonisten an nicht sehr liebenswerte Gangster geraten, dann nutzt der Filmemacher auch die Gelegenheit nicht, die sich mehr oder weniger überstürzenden Ereignisse in einem entsprechend  erhöhten Erzähltempo zu präsentieren. Ein bisschen von der Energie, mit der Ivo Kortlang („Bibi & Tina 2 - Voll verhext“) den jungen Albaner Ivic spielt, der das Herz von Hottes Tochter Jenny (Emma Bading) erobert, hätte dem Film insgesamt gutgetan.

Fazit: Gegen die zahlreichen einfallslos aneinandergeratenen  Klischees in dieser unterdurchschnittlichen Krimikomödie kommen auch die engagierten Darsteller nicht an.
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