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Auferstanden
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Auferstanden
Von Carsten Baumgardt
Als Regisseur Mel Gibson anno 2004 seinen brutalen Bibel-Reißer „Die Passion Christi“ auf die Menschheit losließ, folgte eine höchst kontrovers geführte und hitzige Diskussion über die angemessene Darstellung von Jesus Christus‘ Leidensweg, dennoch (oder gerade deshalb) wurde Gibsons umstrittenes Herzensprojekt zum weltweit erfolgreichsten Bibelfilm aller Zeiten. 2013 erhielt „Waterworld“-Regisseur Kevin Reynolds („Robin Hood - König der Diebe“) von Sony den Auftrag zu einem inoffiziellen Nachfolger des Superhits, in dem es um die Ereignisse nach der Kreuzigung geht. Das Ergebnis könnte kaum in größerem Gegensatz zu Gibsons wuchtigem (Streit-)Werk stehen. Das erbauliche, aber alles andere als kontroverse biblische Drama „Auferstanden“ ist eine solide gespielte und kreuzbrav inszenierte Bebilderung des Geschehens in den 40 Tagen nach der Hinrichtung Jesu – erzählt aus der Perspektive eines römischen Tribuns, der sich im Laufe des Films zum gläubigen Christen wandelt.

Jerusalem, 33 A.D.: Den römischen Machthabern um Präfekt Pontius Pilatus (Peter Firth) ist das Gemunkel um Jeshua alias Jesus Christus (Cliff Curtis) ein Gräuel: Der Zimmermann wird von immer mehr Einheimischen als Gottes Sohn verehrt. Um einem möglichen Aufstand der jüdischen Bevölkerung entgegenzutreten, wird Jeshua öffentlich gekreuzigt. Doch auch danach verstummen seine Anhänger nicht. Im Gegenteil: Seine Jünger wollen Jeshua drei Tage nach seinem Tod lebend gesehen haben. Der linientreue Militärtribun Clavius (Joseph Fiennes) bekommt mit seinem Gehilfen Lucius (Tom Felton) den Auftrag, das Mysterium aufzuklären und der verschwundenen Leiche Jeshuas nachzuspüren. Je tiefer Clavius gräbt, desto stärker geraten seine Überzeugungen ins Wanken: Immer wieder hört er von Begegnungen mit dem angeblich auferstandenen Jeshua und von Wundern, die dieser vollbracht haben soll.


Abseits von Hochglanz-Bibel-Blockbustern wie „Noah“ und „Exodus: Götter und Könige“ hat sich in den USA eine profitable kleine Sub-Industrie gebildet, die gläubige Christen mit religiösen Spielfilmen wie „Son Of God“, „Den Himmel gibt’s echt“ oder „Gott ist nicht tot” versorgt. Dort werden in biederem Gewand christliche Werte verkündet, die spirituelle Botschaft ist für die bibeltreuen Kinofans wichtiger als eine aufregende Verpackung. Auch der von Kameramann Lorenzo Senatore („300“) durchaus ansprechend fotografierte „Auferstanden“ hat - abgesehen von einigen sehenswerten Hafen- und Wasser-Panoramen - wenig echte visuelle Höhepunkte zu bieten. Aber die erwähnten kühl kalkulierten B-Movie-Erleuchtungsoden und auch die zehnteilige History-Channel-Miniserie „Die Bibel“ übertrifft Reynolds' in Spanien und auf Malta gedrehte 20-Millionen-Dollar-Produktion immerhin – auch wenn er mit vielen von ihnen den betulich-beseelten Erzählgestus gemeinsam hat.

„Auferstanden“ richtet sich in erster Linie an ein gläubiges Publikum, ist zugleich aber auf seine Weise auch ein missionarischer Film. Es wird die christliche Heilsbotschaft verkündet, die langsame Bekehrung des (fiktiven) römischen Tribuns Clavius hat Beispiel- und Vorbildcharakter. Entsprechend herrschen hier anders als bei Mel Gibson pazifistische und versöhnliche Töne vor: Jeshua (hebräisch für Jesus), der hier nur als Nebenfigur auftritt, ist in Cliff Curtis' („Stirb langsam 4.0“) Darstellung ein fröhlicher, immer lächelnder Naturbursche, der jedem Menschen sein Herz öffnet und Wunder tut, wenn sie benötigt werden – für einen skeptischen Betrachter mag das Geschehen in seiner ausgestellten Naivität zuweilen fast etwas Komisches haben. Diese Tendenz wird durch die aufrichtig-engagierten Darbietungen von Joseph Fiennes („Shakespeare In Love“, „Luther“) als Clavius und Peter Firth („Jagd auf ‚Roter Oktober‘“) als Pontius Pilatus zwar abgemildert, zugleich färbt Jeshuas Milde aber gewissermaßen auf den Film ab, sodass den Konflikten Dramatik und Spannung fehlt: „Auferstanden“ schippert gemächlich der Erlösung entgegen.

Fazit: Kevin Reynolds‘ braves christliches Drama „Auferstanden“ überzeugt mit sanftem biblischen Flair und soliden Darstellungen, die einer allzu zahmen und spannungsfreien Inszenierung gegenüberstehen.
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Kommentare

  • sky_erosion
    Eigentlich lustig, das die Coens eine ähnliche Geschichte in ihrem Film im Film bei Hail, Ceasar! durch den Kakao ziehen :D Denkbar schlechtes Datum einer Veröffentlichung...
  • Modell-101
    Man merkt, das Carsten Baumgardt als (ich vermute) Atheist zumindest professioneller eine Kritik über einen christlichen Film wiedergibt, als sein Kollege Christoph Petersen, der z.B. die Kritik zum Film "Den Hommel gibts echt" ausnutzte, um gegen Christen negativ zu berichten.
  • Fain5
    Aber warum sollte man nicht gegen Christen negativ berichten?
  • greek freak
    Gegenfrage:wieso sollte man über Atheisten nicht negativ berichten,die sind genauso nervtötend wie streng gläubige Christen,siehe z.B. diesen Amazing Atheist bei Youtube.Den Typen möchte man am liebsten mit ein paar von diesen Idioten von der Westboro Baptist Church und ein paar Salafisten auf eine einsame Insel verfrachten.Am besten noch,besagte Insel mit Kamaras vollpacken und eine Reality Sendung daraus machen,das wär´s.
  • Fain5
    Du kannst ja nicht von einem auf alle schliessen :D
  • greek freak
    Ebend. Aber generell,sind Atheisten wie Veganer,sie haben das dringende Bedürfniss jeden zu erzählen sie glauben an keinen Gott bzw. essen keine tierischen Nahrungsmitteln,weill sie sich dadurch wichtig fühlen. ;-)
  • Fain5
    Kann ich nicht bestätigen.
  • Modell-101
    In diesem Fall, weil das mit der Filmkritik wenig zu tun hatte und nicht sachlich war.
  • Fain5
    Wegen mir?!?! Ganz sicher nicht.
  • Michael S.
    Als erfahrener Filmkritiker und Redakteur hätte Meister Baumgardt gerne auch einen vergleichenden kompetenten Blick auf die Masse der vorhandenen Bibelfilme werfen dürfen. Da fällt nämlich auf, dass der hier in seiner Symbolik weit weniger aufgeladen ist, als viele andere. Jesus ist bei weitem nicht nur "Naturbursche", er kommt als dunkelhäutiger(er) und eben nicht in ein weißes Gewand gekleideter Erlöser gleich ganz anders daher. Die "christliche Sub-Industrie" ist übrigens ein netter Mythos, zumal gerade an Produktionen wie "Son of God" und "Den Himmel gibt's echt" viele Größen und Studios aus dem Filmgeschäft involviert sind. "Erbauungsfilme" wie "Gott ist nicht tot" bedienen eine kleine Nische und erreichen Qualitativ oft eher mittleres TV-Niveau, vor denen muss sich niemand fürchten.Und weil ich nicht nur meckern will, habe ich den Film auch mal rezensiert. Siehe Profil ;o)
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