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Stephanie - Das Böse in ihr
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Stephanie - Das Böse in ihr
Von
Akiva Goldsman ist ein erfolgreicher Produzent und ein oscargekrönter Drehbuchautor (für Ron Howards „A Beautiful Mind“). Nachdem er schon mehrere Folgen der von ihm geschrieben Krimi-Serie „Fringe - Grenzfälle des FBI“ inszenierte hatte, übernahm er bei „Winter’s Tale“ zudem erstmals auch die Regie bei einem Kinofilm, aber damit hatte er weniger Erfolg. Das schwerfällige Historiendrama fiel sowohl bei der Kritik als auch an der Kinokasse durch und spielte weltweit nur die Hälfte seiner Produktionskosten in Höhe von 60 Millionen US-Dollar wieder ein. Mit „Stephanie – Das Böse in ihr“ startet Akiva Goldsman nun einen zweiten Versuch als Spielfilmregisseur. Der Horrorthriller bietet ein paar originelle Ideen und überzeugt durch eine unheilvolle Atmosphäre, doch der Plot weist einige Hänger auf.

Überall auf der Welt herrscht nach zahlreichen rätselhaften Verwüstungen der Ausnahmezustand. Als ein namenloses Ehepaar (Anna Torv und Frank Grillo) bemerkt, dass seine Tochter Stephanie (Shree Brooks) von einem Dämon mit großer Zerstörungskraft besessen ist, lassen die Eltern das Mädchen notgedrungen allein im Haus zurück. Einige Zeit später kehren sie trotz der tödlichen Gefahr zurück, um einen weiteren Versuch zu wagen, Stephanies böses Innenleben unter Kontrolle zu bringen – mit fatalen Folgen.


Das erste Drittel von „Stephanie – Das Böse in ihr“ überrascht durch seine extreme Reduziertheit – und Regisseur Akiva Goldsman zieht dabei unerbittlich die Spannungsschraube an. Stephanie ist allein zu Hause, spielt fröhlich und vergnügt mit ihrer Plüschschildkröte Francis, dann bereitet sie sich in der Küche mit Süßigkeiten einen Shake zu. Als sie dann durch die nur spärlich beleuchteten Räume streift, fällt der Kamerablick eher beiläufig auf Zeitungsausschnitte, die von einem Angriff unbekannter Wesen berichten, die überall auf der Erde verheerende Schäden angerichtet haben. Goldsman erzeugt in dieser Frühphase des Films subtil eine unheilvoll-suggestive Gruselatmosphäre. Wenn dann bei der Attacke in Stephanies Kinderzimmer nur ein Rasseln und Grollen zu hören ist, die bösartigen Angreifer aber im Verborgenen bleiben und nicht zu sehen sind, macht er aus der Not eines knapp bemessenen Budgets von weniger als zehn Millionen Dollar eine Tugend.

Doch leider häufen sich in „Stephanie – Das Böse in ihr“ im zweiten Drittel mit der Rückkehr der Eltern langatmige Momente. Die apokalyptische Welt außerhalb bleibt mit Ausnahme einiger Fernsehberichte weiterhin ausgeblendet und der Film wandelt sich zunehmend zu einem unterkühlten Familiendrama mit wohl dosierten Schockeffekten. Einige Dialoge um die Gewissenskonflikte der Eltern, die sich verzweifelt fragen, wie sie mit ihrer unberechenbaren und bedrohlichen Tochter umgehen sollen, geraten etwas zäh statt aufwühlend, aber bevor der Leerlauf in Langeweile umschlägt, sorgt Goldsman  beispielsweise mit deutlichen Anspielungen auf andere Horrorfilme mit mörderischen Kindern wieder für Abwechslung.

In einer Albtraumsequenz dreht Stephanies Vater à la „Der Exorzist“ seinen Kopf um 180 Grad nach hinten und im effektgeladenen Finale hinterlässt Stephanie eine Schneise der Verwüstung wie einst Drew Barrymore in „Der Feuerteufel“, zu dem Goldsman bereits im April 2017 ein Remake angekündigt hat. Das sind äußere Höhepunkte in einem Film, dem nach dem starken Anfang etwas die innere Spannung fehlt, was auch an den uneinheitlichen Schauspielleistungen liegt.

„Fringe“-Star Anna Torv bleibt als besorgte Mutter ähnlich eindimensional wie Frank Grillo („The Purge: Election Year“) als aufopferungsvoller Vater. Anders Stephanie-Darstellerin Shree Brooks („Captain Fantastic“), die zum Zeitpunkt des Drehs gerade einmal elf Jahre alt war: Sie stiehlt den erwachsenen Darstellern die Schau und hinterlässt einen starken Eindruck. Mit ihrer Mischung aus Altklugheit, Boshaftigkeit und kindlicher Verletzlichkeit wird Stephanie zu einer komplexen Figur voller faszinierender Facetten. Nur schade, dass sie ihre dämonische Seite nicht häufiger zur Schau stellen darf und sich die Filmemacher stattdessen weitgehend vergeblich um moralische Tiefgründigkeit bemühen.

Fazit: „Stephanie – Das Böse in ihr“ ist ein atmosphärisch dichter Horrorthriller mit einer beeindruckenden jungen Hauptdarstellerin, wird seinen erzählerischen Ambitionen allerdings nur zum Teil gerecht.
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