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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Final Portrait
Von
In „The King’s Speech – Die Rede des Königs“ spielt Geoffrey Rush mit derb-trockenem Humor ein skurril-verrücktes (Therapeuten-)Genie, das seinen jüngeren Patienten Prinz Albert mit seinen außergewöhnlichen und strengen Methoden fast in den Wahnsinn treibt – als Lohn gab es den Oscar für den Besten Film 2010 und zumindest eine Nominierung für Rush persönlich. Sieben Jahre später gibt es nun eine ganz ähnliche Konstellation: In dem außer Konkurrenz im Berlinale-Wettbewerb gezeigten Drama „Final Portrait“ spielt Geoffrey Rush mit derb-trockenem Humor ein skurril-verrücktes (Künstler-)Genie, das sein jüngeres Modell James Lord mit seinen außergewöhnlichen und strengen Methoden fast in den Wahnsinn treibt – als Lohn wird es aber diesmal ziemlich sicher keine Oscars geben. Dafür verlässt sich Stanley Tucci („Big Night“) in seiner fünften Regiearbeit einfach zu sehr auf das Klischee des granteligen, egozentrischen Genies, das sich dann trotz allem doch irgendwie als eigentlich ganz liebenswürdig herausstellt.

Eigentlich weilt der New Yorker Schriftsteller und Kunstkritiker James Lord (Armie Hammer) im Jahr 1964 nur für eine kurze Stippvisite in Paris, aber als ihn sein alter Freund Alberto Giacometti (Geoffrey Rush) bittet, für ein Porträt Modell zu sitzen, sagt Lord geschmeichelt und freudig zu – wann bekommt man schon mal die Chance, von einem solch weltberühmten Künstler gemalt zu werden? Zunächst werden für den Prozess zwei bis drei Stunden veranschlagt, aber aus dem einen Nachmittag werden schnell mehrere Tage, an denen Lord jeweils für einige Stunden in Giacomettis Atelier regungslos auf einem Stuhl hocken muss. Dabei lernt er nicht nur den künstlerischen Prozess des Bildhauers und Malers immer besser kennen, sondern erfährt auch einiges über dessen Privatleben – obwohl Giacometti schon seit 15 Jahren mit seiner Frau Annette Arm (Sylvie Testud) verheiratet ist, hat er zugleich auch ganz offen eine Affäre mit der wilden jungen Prostituierten Caroline (Clémence Poésy)…

Das Presseheft zu „Final Portrait“ kündigt an, dass „der Film ein Licht auf den künstlerischen Prozess selbst wirft, manchmal berauschend, dann wieder frustrierend und befremdlich, fragend ob das Talent eines großen Künstlers eher ein Segen oder ein Fluch ist“. Das ist maßlos übertrieben – der „künstlerische Prozess“ beschränkt sich hier darauf, dass Giacometti ein paar Pinselstriche macht, dann laut „Fuck“ stöhnt und mit einem dickeren Pinsel alles wieder übermalt. Statt sich wirklich auf die Kunst seines Protagonisten einzulassen, inszeniert der auch für das Drehbuch verantwortliche Tucci Giacometti lieber als wandelndes Klischee eines egozentrischen Genies – wenn der Maler und Bildhauer hier herumflucht, seine Geldbündel achtlos unters Bett schmeißt, seine Frau betrügt oder auf Künstlerkollegen (am liebsten Picasso) schimpft, dann hat das immer etwas von diesem zwar angedeutet schwarzen, aber letztendlich doch seicht-harmlosen Humor, der sich perfekt für eine Kaffee-und-Kuchen-Matinee im Arthouse-Kino eignet.

Es gibt nur einen einzigen Moment, in dem sich Tucci dann doch mal traut, dahin zu gehen, wo es vielleicht auch ein bisschen wehtut, wo man jemanden vor den Kopf stoßen könnte: Ganz beiläufig gesteht Giacometti seinem Gegenüber, dass er sich früher beim Zubettgehen immer vorgestellt habe, wie er zwei Frauen vergewaltigt und anschließend ermordet, das hätte ihn beruhigt und deshalb beim Einschlafen geholfen. Abgesehen davon gehen die Ausfälle und Verfehlungen des Künstlers nie so weit, dass ihm das Publikum nicht direkt in der nächsten Szene alles wieder verzeiht – es sind allzu kalkulierte Provokationen, über die man zunächst auch ein paar Mal lacht, aber dann irgendwann nur noch höflich lächelt. Ach ja, in der Rolle des grunzend-grimmigen Genies ist Geoffrey Rush natürlich absolut brillant – und er hat auch sichtlich Spaß daran, seine Mundwinkel so tief hängen zu lassen wie noch nie zuvor in seiner Karriere. Sein Bruder Diego (Tony Shalhoub) sagt an einer Stelle, dass Giacometti nur glücklich sein kann, wenn er in allen Belangen seines Lebens absolut niedergeschlagen und verzweifelt ist – man glaubt es ihm sofort. Armie Hammer („The Social Network“) fungiert hingegen lediglich als simpler Stichwortgeber.

Fazit: Geoffrey Rush ist toll als granteliges Künstler-Genie, keine Frage – trotzdem bleibt die Rolle ein amüsant-harmloses Klischee, wie wir es schon viel zu oft gesehen haben.

PS: Was Stanley Tucci übrigens ganz toll gelingt, ist das Ende – plötzlich, knapp, unsentimental. So sollten viel mehr Filme aufhören.

Wir haben den Film im Rahmen der Berlinale 2017 gesehen, wo „Final Portrait“ außer Konkurrenz im Wettbewerb gezeigt wird.
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