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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Auf Augenhöhe
Von Ulf Lepelmeier
Die Initiative „Der besondere Kinderfilm“ setzt sich für die Realisierung von originären Kinder- und Jugendfilmen ein, um so weiterhin eine möglichst große Vielfalt im deutschen Kinderfilmsektor zu ermöglichen, obwohl in diesem immer mehr auf Fortsetzungen oder Adaptionen erfolgreicher Buchreihen oder Fernsehserien gesetzt wird. Nach André Erkaus „Winnetous Sohn“ und Norbert Lechners „Ente gut! Mädchen allein zu Haus“ ist „Auf Augenhöhe“ nun bereits der dritte Kinofilm, den die Initiative bei der Produktion unterstützt hat. Die Regisseure Evi Goldbrunner und Joachim Dollhopf erzählen in ihrem engagierten Kinderfilm von einer schwierigen Vater-Sohn-Zusammenkunft, die zu Beginn von enttäuschten Erwartungen und Mobbing geprägt ist, aber letztlich die Bedeutung von Offenheit und Toleranz unterstreicht.

Der zehnjährige Michi (Luis Vorbach) lebt in einem Kinderheim. Als ihm eines Tages zufällig ein alter, nicht abgeschickter Brief seiner verstorbenen Mutter in die Hände fällt, glaubt er, die Adresse seines Vaters herausgefunden zu haben. Voller Vorfreude darauf, endlich seinen leiblichen Vater kennenzulernen, macht er sich auf die Suche nach einem gewissen Tom Lambrecht (Jordan Prentice). Doch als der vermeintliche Papa vor ihm steht, ist Michi schwer enttäuscht: Tom ist kleinwüchsig und entspricht damit nicht den überhöhten Erwartungen des Jungen. Und auch Tom ist mehr als überrascht, als er von seiner Vaterschaft erfährt. Bis die beiden zueinander finden, müssen erst noch eine ganze Reihe von Hürden überwunden werden...


Kinder können so grausam sein: So grenzen sie andere Gleichaltrige aus oder mobben sie sogar, nur weil sie sich keine teuren Markenklamotten leisten können, anders aussehen oder ein Handikap aufweisen. Dabei sollte man doch gerade Menschen, die es im Alltag nicht so leicht und ständig mit Vorurteilen zu kämpfen haben, mit Offenheit und Einfühlungsvermögen begegnen. In „Auf Augenhöhe“ muss der zehnjährige Protagonist ebenfalls mit Ausgrenzung und Sticheleien im Waisenhaus klarkommen. Diese werden allerdings noch viel schlimmer, als die anderen Kinder Michis kleinwüchsigen Vater zum ersten Mal sehen und ihn direkt verspotten.

Nachwuchsschauspieler Luis Vorbach („Die Himmelsleiter“) stellt sowohl die störrisch-aufmüpfige als auch die verletzliche Seite des Waisenjungen überzeugend heraus. Die große Enttäuschung ob seiner nicht erfüllten Erwartungen sowie die Häme der anderen Waisenhauskinder wegen der Körpergröße seines Vaters stürzen den eigentlich offenen und fröhlichen Michi in eine Phase trotziger Ablehnung. Sein eigener Vater ist ihm extrem peinlich, weshalb er dem bemühten Tom lange überhaupt keine Chance auf Versöhnung und ein vernünftiges Kennenlernen gibt. Als Michi von seiner neuen Freundin Katja (Ella Frey) zu Hause besucht wird, verleugnet er seinen Vater sogar und stellt ihn als Hausmeister vor.

Der kanadische Schauspieler Jordan Prentice („Brügge sehen... und sterben?“) verkörpert Tom dabei als sympathischen Kerl, der gerne eine Beziehung zu seinem Sohn aufbauen und Verantwortung für ihn übernehmen möchte, zugleich aber unter Michis ablehnender Haltung leidet. Auch wenn Tom mit beiden Beinen im Leben steht und mit den Vorurteilen und Reaktionen auf seine Kleinwüchsigkeit scheinbar locker umgeht, macht es ihm schon zu schaffen, mit seiner Körpergröße von 1,30 Metern beständig aufzufallen sowie ständig Spott und Sonderbehandlungen ausgesetzt zu sein.

Glaubwürdig und ohne falsche Sentimentalität inszeniert, sparen die Debütregisseure weder Mobbing, Vorurteile noch Toms Probleme im Alltag aus - Evi Goldbrunner und Joachim Dollhopf nehmen ihr junges Publikum eben einfach ernst. So kommt es auch schon mal zum Streit zwischen Steuermann Tom und seinen Ruderteamkollegen, als sich Tom von ihnen bevormundet und nicht erst genommen fühlt. Trotz der gelungenen Charakterzeichnungen macht der Versöhnungsprozess zwischen Michi und Tom - nach all den Schwierigkeiten - schließlich aber etwas zu rasante Fortschritte. Dabei realisiert der Zehnjährige, dass nicht Körpergröße und -kraft einen guten Vater ausmachen, sondern vielmehr Engagement, Hingabe und Liebe. Doch selbst wenn das Zusammenraufen der beiden am Ende etwas schnell vonstattengeht, bleibt „Auf Augenhöhe“ immer ein unbedingt sehenswerter Film, der seine komplexen Themen in eine gefühlvolle, unterhaltsame Geschichte einbettet.

Fazit: „Auf Augenhöhe“ ist ein engagierter Kinderfilm über den Mut, sich Diskriminierung entschlossen entgegenzustellen und offen auf andere Menschen zuzugehen.
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